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Die Organisation des Zufalls

Sein ganzes Leben bestehe aus chaotischen Zufällen, bemerkt Prof. Hermann Josef Buchkremer. So habe auch eine Reihe von Zufällen zu seinem erfolgreichen Programm des Freshman Institutes an der Fachhochschule Aachen geführt.

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Hermann Josef Buchkremer, Ikone der FH und des Freshmen Institutes. Foto: Arne Schenk
Hermann Josef Buchkremer, Ikone der FH und des Freshmen Institutes. Foto: Arne Schenk
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Ebenfalls habe der Zufall ihm stets an neuralgischen Punkten seines Daseins die Begegnung wichtiger Menschen verschafft, die entscheidend für die Entwicklung bestimmter Projekte waren. Und wer ihm so beim Plaudern wie auf der Verabschiedung als Direktor des Freshman Institutes zuhört, gewinnt einen Einblick in die Struktur des chaotischen Erfolgsprinzips. Ganz offensichtlich ist der Erfolg Buchkremers stark beeinflusst von seiner hervorragenden Kommunikationsfähigkeit.

Wenn zudem nach Immanuel Kant der Zufall quasi als Bedingung eines freien Willens gilt sowie zugleich die Welt „a priori“ kausal organisiert sei („Alle Veränderungen geschehen nach dem Gesetze der Verknüpfung der Ursache und Wirkung“), dann ergibt sich aus den Worten Buchkremers schon eine tiefe Sinnhaftigkeit. Letztlich erweist er sich als außerordentlich begabter Netzwerker, der jeden Kontakt assoziativ und spontan mit einer aktuellen Fragestellung im Blick auf die Problemlösung verknüpfen kann.

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Immerhin haben ihn seine Fähigkeiten bis an die Spitze der Fachhochschule Aachen geführt, als deren Rektor er von 1991 bis 2005 stand. Dabei hatte er immer den Puls auf der Höhe der Zeit, das Herz auf dem rechten Fleck und im Mund die passende Sprache für das Ohr des Gegenübers – egal ob Wissenschaftler, Politiker oder einfacher Bauer. So überzeugte er auch auf Platt den zuständigen Landwirt in jahrelangen Verhandlungen davon, seine Parzelle zum Bau des neuen Campus zu veräußern.

Aber auch „sein“ Freshmen-Nachwuchs erweist sich zum Abschied als sehr dankbar: „Ohne ‚Papa‘ Buchkremer wäre ich nicht hier“, erklingt mehrfach von derzeitigen Freshmen und Freshwomen – sei es aus Malaysia, Kamerun, Indien, Ägypten, dem Iran oder der Türkei. Schließlich hat es das 1998 gegründete Programm des Freshman Institutes zurzeit mit Studierenden aus 30 Nationen zu tun, unterstreicht Buchkremers Nachfolger Prof. Josef Hodapp. Damit sei es zum globalen Player im Bildungsbereich geworden.

Es sei nicht einfach, in die Fußstapfen von Hermann Josef Buchkremer zu treten, erklärt der amtierende Rektor Marcus Baumann. Allerdings bleibe jener der FH weiter erhalten, so sei auch eine Fachhochschule Aachen ohne Buchkremer schlichtweg nicht vorstellbar. Vielleicht hält dieser sich auch lediglich an seine eigene erste Worte, mit denen er stets morgens im Büro erschienen sein soll: „Lott jonn, zack zack!“

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