Mit 20 Jahren fährt Doran Nassauer bereits Rennen, besitzt eine Rennlizenz – und hat trotzdem noch nicht allzu lange einen Führerschein. Was zunächst ungewöhnlich klingt, passt zu seiner bisherigen Motorsportgeschichte.
Der Kirchberger ist über Umwege im Rennsport gelandet, fährt mittlerweile Tourenwagen und hat dabei vor allem eines gefunden: einen Ort, an dem er vollkommen bei sich ist. Dabei war Motorsport für Doran zunächst alles andere als selbstverständlich. Seine Mutter versuchte schon früh, ihm die Formel 1 schmackhaft zu machen. „Guck mal, der Michael Schumacher. Der ist voll gut“, erzählte sie ihm. Seine kindliche Reaktion: Warum heißt der Schumacher, wenn er gar keine Schuhe macht?
Erst Jahre später sprang der Funke über. Während eines Familienurlaubs auf Mallorca landete Doran auf einer Kartbahn. Er setzte sich ins Kart – und merkte schnell, dass das mehr als eine Freizeitbeschäftigung sein könnte. „Ich dachte mir: Wird das schnell? Ich weiß nicht, was ich tue.“ Kurz darauf war die Sache klar: „Okay, das ist es.“
Von da an ging es Schritt für Schritt weiter. Über die Michael-Schumacher-Bahn in Kerpen kam er zum organisierten Kartsport. 2022 bestritt er seine erste Saison. Danach folgten drei Jahre mit demselben Ergebnis: Dreimal landete er auf dem vierten Platz der Gesamtwertung.
Mittlerweile sitzt Doran nicht mehr nur im Kart. In der Pfister Racing Tourenwagen Challenge fährt er einen Chevrolet Cruze Euro Cup mit rund 200 PS. Dass Motorsport nicht immer nach Plan läuft, bekam er direkt zu spüren. Beim ersten Rennwochenende verabschiedeten sich unter anderem der dritte Gang, der Drehzahlsensor und eine Antriebswelle. Beim zweiten lag Doran auf Podiumskurs, als sich in der letzten Runde ein Rad verabschiedete. „Ich dachte mir: Bring das Ding einfach nach Hause, alles entspannt.“ Das funktionierte nur bedingt.
Trotz solcher Rückschläge ist es genau diese Welt, in der Doran aufgehen kann. Auf die Frage, was den Reiz des Rennsports ausmacht, braucht er einen Moment. Dann findet er eine Antwort: „Es ist eine Mischung aus einfach dem Adrenalin, was man hat, aber gleichzeitig dieser Ruhe.“
Auf der Rennstrecke könne er sich komplett fokussieren. Während ihm das im Alltag nicht immer leichtfällt, funktioniert es im Auto plötzlich. Jede Kurve verlangt Aufmerksamkeit, jede Runde bringt neue Variablen. Dazu kommt sein Ehrgeiz. Doran will nicht einfach nur besser sein als die anderen. Er will wissen, wie gut er selbst werden kann. „Mir reicht es halt nicht, besser als die anderen zu sein, sondern so gut zu sein, wie ich selber werden kann.“ Selbst wenn das am Ende nur für Platz fünf reicht, sei das in Ordnung – solange er wisse, alles aus sich herausgeholt zu haben.
Der nächste Schritt soll irgendwann auf die Nürburgring-Nordschleife führen. Doch mit jedem Schritt nach oben steigen auch die Kosten. Deshalb ist Doran auf Menschen und Unternehmen angewiesen, die an seinen Weg glauben und ihn dabei unterstützen. Denn Motorsport ist für ihn längst mehr als nur ein Hobby – es ist der Ort, an dem er herausfinden kann, wie weit er es schaffen kann.
Denn Doran hat noch einiges vor. Vielleicht ist der ungewöhnlichste Teil seiner Geschichte deshalb auch noch gar nicht geschrieben: Ein 20-Jähriger aus Kirchberg, der einst auf einer Kartbahn auf Mallorca saß und sich fragte, ob das wohl schnell wird – und heute davon träumt, irgendwann auf einer der berühmtesten Rennstrecken der Welt um Positionen zu kämpfen.
Bis dahin gilt: Helm auf, Motor an und raus auf die Strecke. Oder um es mit den Worten von Formel-1-Moderator Crofty zu sagen: „It’s lights out, and away we go!“














