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Herzogpaar oder nicht Herzogpaar…

In dieser Session feiert die KG HERZOGstädter ihr erstes jeckes Jubiläum: 1 x 11 Jahre besteht die jüngste der Jülicher Karnevalsgesellschaften. Präsident Max Lenzenhuber stellte sich im Interview unserem namensverwandeten Magazin HERZOG-Mitarbeiterin Mira Otto.

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Grafik: Sophie Dohmen
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Wie würden Sie einem Außenstehenden den Jülicher Karneval beschreiben?

Der Jülicher Karneval hat eine sehr große Tradition. Er ist für die Stadt und die Bevölkerung, glaube ich, sehr wichtig. Er wird noch recht traditionell gefeiert. Wenn ich das jetzt mal mit Köln oder Düsseldorf vergleiche, geht es bei uns tatsächlich um das Karnevalsfeiern für die Jülicher Bürger und nicht um eine Show für Touristen. Natürlich ist der Karneval auch eine große Plattform, um sich auszutauschen. Viele Bürger sind im Karneval engagiert und in der Session trifft man sich an allen Ecken und Enden. Ich denke, dass im Karneval auch ein unkomplizierter Austausch stattfindet, was die Belange der Bürger angeht.

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Warum feiern Sie persönlich Karneval?

Ganz einfach gesagt: Weil es mir Spaß macht und weil ich es seit Kindesbeinen tue. Als meine Mutter mit mir schwanger war, ist sie bei der Kölner Fernsehkarnevalssitzung als Funkemariechen aufgetreten. Es ist mir quasi in die Wiege gelegt worden. Ich war immer in Karnevalsvereinen gewesen. Dabei geht es mir persönlich um das Feiern und die Musik, das Zusammensein mit den Leuten und das Kostümieren macht mir auch Spaß. Es gibt viele die sagen, die Traditionspflege wäre ihnen dabei wichtig. Andere nutzen den Karneval, um gewisse Missstände anzusprechen oder Dinge satirisch und einem Augenzwinkern hinzustellen. Solche tiefgründigen Gedanken habe ich dabei.

Nun heißt es: Elf Jahre Karnevalsgesellschaft Herzogstädter. Wie war diese Zeit für sie und die KG?

Es war und ist immer noch eine Zeit des Aufbaus. Wenn man die 11 Jahre vor sich hat, wirken sie lang. Wenn man sie hinter sich hat, ist die Zeit wie im Flug vergangen. Im Vergleich sind 11 Jahre auch nicht wirklich viel. Wenn man sich andere Karnevalsvereine anschaut, die 70, 90 Jahre hinter sich haben, oder der Lazarus Strohmanus, der über 200 Jahre alt ist, sind 11 Jahre eigentlich keine Zeit. Ich war bei den Herzogstädtern auch nicht von Anfang an dabei. Ich bin erst 2011 in die Herzogstädter eingetreten. Zu dieser Zeit war ich karnevalistisch vereinslos, obwohl meine Frau und ich viele Veranstaltungen der Karnevalsvereine besucht haben. Der ausschlaggebende Punkt war eine Sessionseröffnung der Herzogstädter, bei der die Garde ihren Tanz aufgeführte. Da habe ich wohl gesagt, dass ich sowas auch noch mal machen würde. Wie das so ist in einem Verein, wurde ich sofort verhaftet (lacht). Vereinsmitglieder haben mich der Garde vorgestellt. So fing dann alles an.

Es ist also immer noch eine Zeit des Aufbaus?

Die Gründer hatten sich gewisse Dinge vorgenommen, die sie umsetzen wollten. Es war von Anfang klar, dass die Herzogstädter keine Sitzungsgesellschaft sind. Wir machen ein großes Fest zur Sessionseröffnung, mit verschiedenen Auftritten und viel Musik, zu der auch getanzt wird. Bei den Auftritten ist das Publikum sehr stark eingebunden. Bei der letzten Sessionseröffnung hat sich eine riesige Polonaise durch das ganze KuBa entwickelt und bei einem Auftritt einer Kölner Band stand plötzlich ein Vereinsmitglied auf der Bühne und spielte die große Trum.
Ziel unserer Gründer war es auch, eine Garde zu haben, anknüpfend an die großen Traditionsgesellschaften. Es sollte auch ganz bewusst eine Männergarde sein, weil es bereits andere Vereine gibt, die, was Damenshowtanz oder Männerballet angeht, wirklich sehr stark sind. Da hätte es wenig Sinn ergeben, die Themen nochmal aufzunehmen. Die Herzogstädter sind eine Aufzugsgesellschaft, das heißt eine Gesellschaft, die andere Veranstaltungen bereist und dort mit einem kleinen Programm auftritt. Die Garde tanzt und in der Regel haben wir eine Aufzugskapelle dabei, die Karnevalsmusik spielt. Und natürlich singen wir mit allen Gästen gerne unser Herzogstädter-Lied.

Wissen Sie eigentlich, wie es damals zur Gründung kam?

Ganz ehrlich muss man sagen, dass ein Teil der Gründer der Herzogstädter zuvor bei den Rursternchen aktiv war. Zu dieser Zeit sind, glaube ich, die Vorstellungen, was ein Verein machen oder nicht machen soll, auseinander gegangen. Dann haben sich unsere elf Gründer gedacht, dass es in Jülich noch den Platz für eine neue Karnevalsgesellschaft gibt, die ein paar Themen anders macht. Und das hat sich auch so bewahrheitet. Jetzt sind es rund 120 Mitglieder.

Was wollte die KG anders machen?

Die Herzogstädter sind eine reine Aufzugsgesellschaft. Das gab es soweit ich weiß bis dahin nicht. Wichtig war und ist uns, dass wir vor allen Dingen dafür offen sind, mit allen die am Karneval interessiert sind, mit einem guten Stil und einem guten Niveau, Karneval zu feiern. Und zum Thema „gemeinsam feiern“ möchte ich noch sagen: Im Moment habe ich denn Eindruck, dass die Gesellschaften alle wieder aneinanderrücken. Aber es gab auch eine Zeit, wo jede Gesellschaft so fast nur ihre eigene Klientel bedient hat. Als junger Verein waren die Herzogstädter von Anfang an wirklich sehr offen. Viele haben bei den Herzogstädtern ihren Weg zum Karneval wiedergefunden. Menschen, die vorher vielleicht in ihrer Jugend mal aktiv waren und lange nichts gemacht haben. Oder auch Menschen, die durch die offene Art der Herzogstädter und durch unser Ziel, gepflegt einen guten, traditionellen Karneval zu feiern, den Weg zu uns gefunden haben. Wenn ich mal gucke, haben wir auch recht viele Zugezogene bei den Herzogstädtern.

Was sind die Erkennungsmerkmale des Vereins?

Rein optisch sind es natürlich die Farben. Gold, rot und schwarz. Deswegen gibt es den einen oder anderen, der spöttisch sagt, da kommen die Deutschländer (lacht). Aber das ist so ein Spott, der im Karneval erlaubt ist. Das gehört dazu. Bei uns sieht immer alles immer relativ stilvoll und schick aus. Auf unserem Sessionsempfang gibt es den roten Teppich. Die Kleidung der Herren ist ein grau-schwarzer Frack, die Damen haben schwarze Kleider mit roten Tüchern an. Dann pflegen wir immer den Bezug zu unserer Heimatstadt Jülich: Wir haben auf dem Orden den Hexenturm, unser Wappen ist stark dem alten Jülicher Stadtwappen verwandt, und wir haben den Hexenturm auf dem Wagen des Kinderzuges.

Wenn Sie sagen, dass alles immer sehr schick ist: Würden Sie sagen, dass es eine KG für die gehobene Gesellschaft ist?

Überhaupt nicht. Die karnevalistische Kleidung der Herzogstädter, die Kostüme der Mitglieder sind zwar recht schick. Das heißt aber nicht, dass man sich einen Anzug anziehen muss, wenn man als Gast zu den Herzogstädtern geht. Also wenn ich mir das mal anschaue, die Mitglieder und Gäste die mit uns feiern gehen durch alle gesellschaftlichen Schichten. Es sind viele Muttkrate, es sind viele Zugezogene, das Alter ist durchmischt. Ich bin auch sehr stolz darauf, dass alle gleichermaßen wirklich herzlich empfangen werden.

Haben Sie weitere Abteilungen in ihrem Verein?

Die Aufzugskapelle der Herzogstädter, die Garde, wir haben natürlich eine Wagenbauabteilung, die letztes Jahr zum ersten Mal im Kinderzug ihre Wagen präsentiert hat. Ansonsten haben wir keine karnevalistische Abteilung. Frauentanzgruppen haben wir nicht, weil ein paar der Frauen von Männern, die bei uns Mitglieder sind, bei den Sternchen tanzen. Das Verhältnis zwischen den Vereinen ist wirklich gut. Als wir Sessionseröffnung hatten, war meine Frau beispielsweise anderthalb Stunden weg, weil sie bei den Sternchen noch einen Auftritt hatte. Dann sind aber fast alle Sternchen zu uns gekommen und haben ein bisschen mitgefeiert. Das ist ein wirklich gutes Verhältnis, was ich auch ein bisschen mir zuschreibe. Als ich dazukam, habe ich erst erfahren, wie die Situation bei der Vereinsgründung war. Dass es da mehr ein auseinander als ein miteinander gab.

Wie war das Verhältnis zu den anderen Jülicher Karnevalsvereinen während der Gründung?

Ich glaube nicht gut.

Und heute?

Sehr gut (lacht). Es gibt Vereine, mit denen hat man sehr viel Kontakt und andere, mit denen hat man nicht so viel Kontakt. Ich kannte die verschiedenen Befindlichkeiten vorher nicht und war deshalb nicht vorbelastet. Vorher [Anmerkung der Redaktion: bevor er Mitglied der Herzogstädter wurde] bin ich auch zu den anderen Vereinen gegangen und besuche sie auch jetzt noch. So bin ich beispielsweise auch noch Senator bei der KG Ulk und den Schnapskännchen. Die verschiedenen Sitzungen, wie zum Beispiel von den Blümchen, haben wir auch immer schon besucht. Und auf einmal haben alle erstaunt gesagt: „Wie du bist jetzt bei den Herzogstädtern?“ Und ich habe gesagt „Ja, das hat mir gefallen. Ich möchte jetzt da mitmachen.“ Ich glaube, das Verhältnis unter den Vereinen war damals nicht so gut. Und dann haben wir angefangen die Veranstaltungen der verschiedenen Vereine zu besuchen und die anderen besuchten uns. Vor drei Jahren waren wir dann zum ersten Mal bei den Sternchen und dann hat unsere Garde zur Freude der Gastgeber dort getanzt. Und wie so oft, wenn man mal miteinander spricht, stellt man fest: Eigentlich kann man ganz gut miteinander. Fakt ist, dass sich die Vereine untereinander brauchen, um in auch in Zukunft bestehen zu können. Im Moment ist das Verhältnis sehr, sehr gut. Ich glaube, dass wir über dieses Thema hinweg sind und bereits über alte Zeiten lachen können.

Die KG Herzogstädter haben kein Dreigestirn. Warum nicht?

Wie viele Vereine unterstützen wir das Kinderdreigestirn des Festausschusses Jülicher Kengerzoch. Das ist in Jülich gelebte Tradition. Unsere Idee war, weil wir die Herzogstädter sind, zusätzlich ein Herzogpaar ins Leben zu rufen. Ich ganz persönlich finde die Idee nach wie vor großartig. Für uns wie auch für Jülich als Herzogstadt fände ich das toll. Wenn man sich mal die Außenwirkung für die Stadt Jülich vorstellt – so etwas wie ein Herzogpaar als Pendant zu einem Dreigestirn ist auf jeden Fall etwas, auf das man mal auch außerhalb unserer Stadtgrenzen gucken würde. Einmal hatten wir bereits ein Herzogpaar auf die Beine gestellt und das Herzogpaar Winfried und Monika Cremerius waren auch ein wirklich tolles Bild mit den ihren historischen Kostümen. Die offizielle Vereinsmeinung war, dass es das Herzogpaar nur anlässlich des 500. Geburtstages des Herzoges Wilhelm V. gibt. Ich persönliche denke, dass wir da ein bisschen zurückgerudert haben, um die anderen Vereine nicht zu verärgern und um die Jülicher Abmachung, dass das Kinderdreigestirn gefördert wird, nicht zu stören. Wir hatten zu dieser Zeit auch noch nicht die Größe, so ein Thema [Anmerkung der Redaktion: das Herzogpaar] nach vorne zu treiben. Das ist relativ aufwendig. Man müsste schauen, dass man jedes Jahr ein Herzogpaar findet und vielleicht könnte man ein Herzogpaar auch mit den anderen Vereinen gemeinsam ins Leben rufen. Wenn man mich persönlich fragen würde, wofür ich mich einsetzen möchte für die Zukunft der Herzogstädter: Das Herzogpaar würde ich schon gerne sehen.

Außerdem möchte ich jeden einladen, der in Jülich ist und nach Jülich kommt, mit uns Karneval zu feiern. Jeder echte Jeck ist herzlich willkommen.


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