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Stammtisch mit Auftrag

Gehen Waschmaschine oder Kühlschrank kaputt, soll das Badezimmer neu gefliest werden, frische Tapeten an die Wand, oder braucht das Haus gar eine neue Heizung, hilft meist nur eines: einen Profi anrufen. Doch wer schon mal einen fachkundigen Handwerker angerufen hat, kennt das Phänomen: Aus der freudigen Erwartung auf eine Renovierung oder auch eine notwendige Reparatur kann auch mal eine frustrierend lange Wartezeit werden. Handwerker und Handwerkerinnen sind begehrte Fachleute mit glücklicherweise häufig vollen Auftragsbüchern. Wer nicht selbst Hand anlegen kann oder möchte, muss also warten, bis Fachmann oder -frau einen freien Termin haben.

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Foto: Britta Sylvester
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Ein wenig anders läuft das beim ehrenamtlichen Reparaturdienst der Stadt Jülich, der unter dem Motto „Senioren helfen Senioren“ kleinere Handwerksarbeiten und Reparaturen übernimmt. Hier sind die Auftragsbücher nicht ganz so voll, ergo die Wartezeiten natürlich deutlich kürzer. So vermelden die Ehrenamtler denn auch stolz, dass satte 60 Prozent ihrer Aufträge sogar am gleichen Tag erledigt werden, selten einmal müssen die Anrufer einmal länger als zwei Tage auf ihren ehrenamtlichen Helfer warten. Und wenn es doch einmal länger als zehn Tage dauert, liegt das zumeist an längeren Lieferzeiten notwendiger Ersatzteile. 

Immer mittwochs um kurz vor zehn Uhr treffen sich die engagierten Rentner im Stadtteilzentrum Nord zum Telefondienst und natürlich zu Gespräch und Getränk. „Wir sind sozusagen ein Stammtisch mit Auftrag“, schmunzelt einer der Herren im Alter von „irgendwo zwischen 65 und 80 Jahren“. Ruft ein Kunde an, wird zunächst die Art des Auftrags erfragt, dann der passende Mitarbeiter gesucht und meist auch gleich gefunden. Dann schwingt sich der entsprechende Herr auf den Drahtesel oder hinters Lenkrad und macht sich auf den Weg. „Manchmal sind das nur Kleinigkeiten wie der Austausch einer defekten Birne, oder aber ein Regal muss angeschraubt werden“, berichten die Hobby-Handwerker. Auch technische Schwierigkeiten wie verstellte Sender beim Fernseher zählen zu den Problemen, mit denen sich Mitbürger am Telefon melden. Der erste Auftrag wurde vor inzwischen zwölf Jahren entgegengenommen – inzwischen haben die Handwerker bereits mehr als 2000 Aufträge abgearbeitet. 

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Unterwegs sind die sieben Männer ausschließlich in Jülich und den dazugehörigen Stadtteilen und Dörfern. Das hat einen guten Grund, denn alle Mitglieder des ehrenamtlichen Reparaturdienstes sind über die Stadt Jülich versichert. „Falls mal einer eine Wasserleitung anbohrt“, begründet Heinz Räde den Versicherungsschutz lachend. Frauen gibt es im Kreis der ehrenamtlichen Helfer tatsächlich keine. Die einzige Dame im Reparaturdienst war eine Schneidermeisterin, die allerdings inzwischen den Dienst quittiert hat. Und auch ausgebildete Handwerker gibt es nur wenige hier. Stattdessen finden sich ein Physiker, ein pensionierter Studienrat oder auch ein einst selbstständiger Tiefbauer immer mittwochs zum Treffen ein. „Der Theo ist Installateur“, fällt es dann noch einem ein. Doch schließlich ist es keine Voraussetzung, einmal einen Handwerksberuf gelernt zu haben, um hier mitmachen zu können. Vielmehr kommt es auf Engagement, Freude am Tun, natürlich auch auf profundes Heimwerkerwissen und Lernbereitschaft an: „Wir lernen hier alle immer noch dazu.“

Der ehrenamtliche Reparaturdienst sind: Theo Granderath, Heinz Räde, Bruno Ohlig, Alfred Sesterhenn, Fritz Backhaus, Franz-Josef Stritthoff und Franz-Josef Nyholt. Erreichbar sind die engagierten Helfer immer mittwochs unter 02461 / 8018811 von 10 bis 11 Uhr. Außerhalb dieser Zeit gibt es einen Anrufbeantworter oder die Möglichkeit, die Truppe mobil über 0162 / 891 38 87 oder aber per E-Mail unter [email protected] zu erreichen.

Wer sich selbst berufen fühlt, anderen Menschen ehrenamtlich bei kleineren Reparaturen am, im und ums Haus zu helfen, kann sich unter der Nummer 02461 / 63-211 an Sevdije Haxha bei der Stadt Jülich melden. Die „Rentner, die gerne was basteln“, freuen sich über tatkräftige Verstärkung. 


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