Start Stadtteile Bourheim Zur Sicherung des “Tafelsilbers”

Zur Sicherung des “Tafelsilbers”

"Mal die Kirche im Dorf lassen", das ist ein gängiger Spruch, wenn man sagen will, dass man nicht übertreiben soll. In Bourheim hat sich ein Verein gegründet, dem es im Wortsinn um die Kirche im Dorf geht.

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Die Bourheimer Kirche soll im Dorf bleiben. Foto: Dorothée Schenk
Die Bourheimer Kirche soll im Dorf bleiben. Foto: Dorothée Schenk
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Sonntagmorgen, Anfang Mai im Pfarrhaus von Bourheim, das im Schatten des Kirchturms Hl. Maurische Märtyrer liegt. Der Gemeinderat hatte gerufen, und dicht gedrängt sitzen Männer und Frauen um den Tisch, an den sie gerufen worden sind. Es geht um nichts weniger als den Erhalt ihres Gotteshauses, das so viel mehr ist als Versammlungsraum für die Gläubigen. Denn eins wissen auch die Bourheimer: Für die Wenigen, die sonntags noch die Messe besuchen, müsste die Kirche nicht erhalten bleiben. Aber sie ist da, wo seit dem 12. Jahrhundert das Herz der Bourheimer wohnt, und es ist für sie unvorstellbar, dass die Kirche entwidmet und verkauft werden könnte, um als Büro, Wohnraum oder welch nicht-christlicher Nutzung auch immer zu dienen.

Letztlich ist aber eins klar: Es geht ums Geld. Darum sind Gemeindemitglieder gekommen, denn ein Förderverein soll gegründet werden, der “das Tafelsilber sichert”, wie Norbert Freudenberg, Architekt und Vorsitzender des Gemeinderates, es als Moderator formuliert. Es geht weniger darum, Bausicherungen zu finanzieren, die trägt die Pfarrei, aber darum, die Kirche “schön” zu erhalten. Ein Beispiel: Braucht der Innenraum einen neuen Anstrich, reicht auch weiße Farbe. Die Bourheimer wünschen sich aber eine Ausmalung mit Ranken, wie sie verbrieft ist – die weiße Farbe würde bezahlt, für die Ranken müsste die Gemeinde oder ein Förderverein dann selbst sorgen. Die Grundlagen sind nicht schlecht, denn es existiert ein so genannter Fabrikfonds. Darunter versteht man eine zweckgebundene Stiftung für eine Kirche, die allein für den Erhalt des Gebäudes verwendet werden soll – darauf hat auch die Pfarrei keinen Zugriff. Sorgsam mit dem nicht mehr wachsenden Grundstock umzugehen, das erklärte Freudenberg auch deutlich, ist die Kunst.

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Nach knapp zwei Stunden Diskussion ist die Entscheidung gefallen: Der Förderverein wird gegründet. Erster und Gründungsvorsitzender wird Dietmar Müller, sein Stellvertreter Norbert Freudenberg. Der Verein sucht noch Mitstreiter, sie können sich bei den Vorsitzenden vor Ort oder unter [email protected] melden.

Zum Hintergrund: Die Gemeinde Hl. Maurische Märtyrer gehört seit der Fusion der 16 Kirchtürme 2013 zur Pfarrei Hl. Geist. Die Pfarrei hat einen Kirchenvorstand, der das Geld verwaltet und auch entscheidet, wie es verwendet wird. 2015 hat sich die Pfarrei zum Erhalt aller 16 Kirchen bekannt. Das Bistum Aachen hat im so genannten KIM-Prozess aber entschieden, dass ein Drittel aller kircheneigenen Immobilien aus der Förderung genommen würde, also es künftig kein “Kirchensteuer-“Geld mehr gibt. Welche Gebäude – ob Kirchen oder Pfarrheim – es betrifft, entscheiden die jeweiligen Pfarreien vor Ort selbst.

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