
400 Jahre Sakramentsbruderschaft – eine Zeit, in der 16 Schützen-Generationen ins Land gingen, als zur Gründerzeit Mozart noch Zukunftsmusik war, 260 Jahre vor der Erfindung des Automobils und damit das Schützenwesen ohne Parkplatz-Probleme auskommen konnte und 363 Jahre ohne Kommunikation durch Emails. So launig führt Moderator Dirk Engelbrecht vor Augen, welche Dimension vier Jahrhunderte haben können. Einen kurzen Abriss der Geschichte übernahm anschließend seine Ehefrau Frauke – ganz ohne Powerpoint, wie Bürgermeister Axel Fuchs in seinem Grußwort später lobend erwähnte. Sie begleitete die Zuhörerschaft in die Anfänge zu Zeiten des 30-jährigen Krieges mit dem Gründungsvater Pfarrer Ludovicius Kratz und ließ das Dorf Kirchberg zur damaligen Zeit lebendig werden: „Ein kleines Dorf, geprägt von Landwirtschaft und Handwerk. Nachrichten verbreiten sich damals nur so schnell, wie ein Mensch oder ein Pferd sie überbringen kann.“ Eine Zeit ohne soziale Absicherung, Rettungsdienst oder eine Feuerwehr, die man mal eben über die 112 alarmieren konnte. Das zeigt die Bedeutung der Bruderschaft, deren Leitmotiv „Wie Brüder in der Not zusammenzustehen“ im Gründungsgedanken verankert ist – und bis heute gilt, wie alle Redner nicht müde wurden, zu betonen.
Wer Schützen hört, denkt gleich das Wort Tradition mit. Und so lobte Schirmherr Clemens Weitz „eine Bruderschaft, die Menschen trägt und Menschen, die die Bruderschaft tragen. Und sie hält, und hält, und hält.“ Es gehe vor allem um die Gemeinschaft und das im Ehrenamt, was eigentlich „verrückt“ sei. „Etwas, das man nicht kaufen kann“, aber etwas zurückgebe, „das größer ist“. Es ist das, „was Schützen schützen“, wie Landrat Ralf Nolten betonte, der die Aussage zunächst als Frage formulierte und später selbst beantwortete. Für die Integrationsleistung der Kirchberger Schützen übergab er eine Landesauszeichnung. Stellvertretend für die Patricia Peill, die als Landtagsabgeordnete mit einer Delegation in Litauen sei, wie Nolten erläuterte.
Auf den Wertekanon von Glaube – Sitte – Heimat und in Kirchberg vor allem auch Brüderlichkeit ging auch Bürgermeister Axel Fuchs in seinem Grußwort ein. Diese Werte, die im Schützenwesen gelebt würden – ganz egal, ob man nah am lieben Gott gebaut sei oder nicht –, machten den „Kitt der Gesellschaft“ aus. Und hier wurde es kurz politisch: Fuchs blickte nach Berlin. Er rief die Politikerinnen und Politiker dazu auf, mehr in Schützenzelte und Karnevalszelte zu gehen und einfach mal den Menschen zuzuhören. „Die Menschen sind schlau, sie wissen, nicht alles ist umsetzbar, aber sie möchten gehört werden.“
Dass der Kitt der Gesellschaft in Kirchberg noch ausgesprochen intakt ist, zeigte sich auch in der Vielzahl der mitfeiernden Vereine von den Sportvereinen über Frauengemeinschaft und Freiwilliger Feuerwehr bis zum jüngsten Ortsverein, der Dorfgemeinschaft Zukunft. „Heimat entsteht nicht durch ein Ortsschild“, formulierte es Ortsvorsteher Ralph Pallaß. Er stellte nach der obligatorischen Gratulation die Vielfalt und den Zusammenhalt des Dorfes in den Mittelpunkt seiner Rede. Zum Amüsement der Gäste machte sich der Maiclub, eins ums andere Mal am deutlichsten hörbar und zwar immer dann, wenn sein Name genannt wurde.
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Was wäre ein Festkommers ohne Ehrungen: Gleich fünf herausragende Schützenauszeichnungen verlieh Bezirksbundesmeister Christian Klems an diesem Abend. Silberne Verdienstkreuze erhielten Bianca Kurth und Svetlana Schmitz, den Hoher Bruderschaftsorden Markus Heinzler und das St. Sebastianus Ehrenkreuz hängte Klems Manfred Schmitz und Ingo Prinzen höchstpersönlich um den Hals. Dass die Worte von Moderator Engelbrecht in Kirchberg nicht nur Lippenbekenntnisse sind, war an diesem Abend deutlich zu erleben: „Die Welt von 1626 ist verschwunden, aber der Wunsch nach Gemeinschaft und nach Menschen, die Verantwortung füreinander übernehmen, der ist geblieben.“
Apropos Gemeinschaft: Beschworen wurde der Leitsatz „Wie Brüder in der Not zusammenzustehen“. Tatsächlich müssten in der heutigen Zeit die „Schwestern“ noch mit eingebunden werden. Denn gut sichtbar ist die Bruderschaft inzwischen ziemlich weiblich. Das zeigt sich schon in den Majestäten des Jubiläums, der Bambiniprinzessin Mika Jelen, Schülerprinzessin Lilli Helinger und Jungschützenprinzessin Jule Engelbrecht. Allen voran steht das Paar Hanspeter Schöngen und Sandra Richter, wobei auch hier die Schützenkönigin die Wortführerin war. Sie wurde von der Feiergemeinde am Rednerpult mit dem Schlager „Königin der Nacht“ von Peter Orloff bestens begrüßt und nahm dieses Loblied tanzend entgegen. Königin Sandra hielt stellvertretend für ihren König eine großartige Rede. Kirchberg sei ein Dorf, in dem die Türen stets offen stünden und das für seine Feierfreudigkeit bekannt sei. Sie gab der Hoffnung Ausdruck, dass sich Kirchberg zum Jubiläumsreigen im alten Glanz zeigen würde. Stellvertretend für König Hanspeter rief sie „Attacke“ und damit den Start des Festes aus: „Ich freue mich auf die nächsten drei Tage.“
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