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Ansprache zum Neujahrsempfang Stadtmarketing e.V.

Ansprache von Prof. Wolfgang Marquardt

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Prof. Wolfgang Marquardt. Foto: Arne Schenk
Prof. Wolfgang Marquardt. Foto: Arne Schenk
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„Wir haben viel Wandel in wenig Zeit zu bewältigen“

(Adolf Ogi, ehemaliger Schweizer Bundespräsident)

Ich freue mich, heute an diesem Abend im Rahmen des Neujahrsempfangs des Vereins Stadtmarketing Jülich die Festrede halten zu dürfen und damit mit Ihnen gemeinsam in ein neues – da bin ich mir sicher – spannendes Jahr 2019 zu starten.
Besonderer Dank gilt Herrn Hommel als Vorsitzender des Vereins Stadtmarketing Jülich, seinem Engagement im Verein und für die Stadt und insbesondere ihm und allen Unterstützern im Hintergrund für die Organisation dieser Veranstaltung.
Alle Anwesenden heute Abend wissen um Ihr Engagement, lieber Herr Hommel, und wissen es auch zu schätzen.

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Lassen Sie mich einsteigen und zunächst eine große, globale Perspektive einnehmen, um dann wieder auf eine regionale Perspektive überzugehen.
Wir – und damit meine ich uns alle, die Weltgemeinschaft – verstehen zunehmend, dass wir nicht mehr so weiterwirtschaften können wie bisher.
Wir müssen einen lebenswerten Planeten erhalten und lebenswerte Rahmenbedingungen für die Weltbevölkerung schaffen. Das ist nicht neu, auch wenn der gestern bekanntgewordene Bericht zum Weltwirtschaftsforum in Davos in der nächsten Woche darauf unmissverständlich abgehoben hat. Die Vereinten Nationen haben das plakativ und überzeugend zusammengefasst auch bereits vor einigen Jahren in den Sustainable Development Goals (SDG), den 17 globalen Nachhaltigkeitszielen, zusammengefasst.

In enger Verbindung damit sind die globalen sogenannten „Megatrends“ zu sehen, die die gesamte Welt erfasst haben: Digitalisierung in aller Munde. Daneben aber auch und insbesondere: der Klimawandel und damit verbunden der Klimaschutz, die Energie- und Mobilitätswende und das ressourcenschonende Wirtschaften.
Das sind große Schlagworte. Lassen Sie mich das mit Beispielen unterlegen und greifbarer machen:
Mobilität der Zukunft: Wie kommt man in Jülich von A nach B: mit Elektroautos oder wasserstoffbetriebene Brennstoffzellen, welche öffentlichen Verkehrsmittel brauchen wir (und für wen), wie wird das autonome Fahren unser Mobilitätsverhalten verändern, wo bauen wir neue Straßen, wie sehen diese aus, produzieren diese gar Strom für die Elektroautos?
Wirtschaft und Industrie: Wie wirtschaften wir nachhaltiger als bisher und steigern dabei trotzdem Umsatz und Reichweite? Schaffen wir eine vollständige Reduktion der Kohlendioxidemissionen? Wie etablieren wir eine Kreislaufwirtschaft und damit auch geschlossene Kohlenstoffkreisläufe? Wie sieht angesichts der Digitalisierung die Zukunft der Arbeit aus? Wie wirkt sich die Digitalisierung auf Gebrauchsgüter aus? Wie vernetzen wir uns mit Partnern in nah und fern, um zusammenzuarbeiten?
Energie:

Wie kommt in Zukunft der Stromaus der Steckdose?

Wie wird er erzeugt,in welcher Form wird er gespeichert, wo wird er zu den Haushalten und Betrieben geleitet? Wird jeder von uns zum Prosumer, gleichzeitig also zum Produzenten von Strom und zum Verbraucher?

Meine Damen und Herren, alle diese Fragen können in dem wissenschaftsgeprägten Zeitalter, in dem wir leben, nicht ohne die Wissenschaft beantwortet werden, die mit ihren Forschungsarbeiten Beiträge zur Bewältigung der großen gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit leistet, und das insbesondere eben auch in Jülich, am Forschungszentrum.
Besonders im Blick haben wir im FZJ genau die eben illustrierten Megatrends. Es besteht heute nahezu globaler Konsens, dass die Ziele des Klimaschutzes ohne eine Mobilitäts- und Energiewende nicht erreicht werden können. Damit verbunden ist – wie wir alle wissen – die notwendige Abkehr von fossilen Energieträgern.
Auch wenn dazu Konsens erreicht sein mag, so müssen wir diese große Aufgabe angehen, von der großen Zielsetzung also in die Umsetzung gehen.
Wer weiß das besser als wir hier im Rheinischen Revier, das seit Jahrzehnten durch die Gewinnung, Verstromung und Veredlung der Braunkohle geprägt. Dies wird sich ändern, wahrscheinlich schneller, wir es bis vor kurzem für möglich gehalten haben.

Dieser Strukturwandel hat im Rheinischen Revier bereits begonnen. Wir machen uns seit einiger Zeit intensiv Gedanken, wie es weiter gehen soll.
Wie kann ein sozialverträglicher Braunkohleausstieg aussehen?
Wie ersetzen wir die kohlebasierte Energieversorgung durch eine nachhaltigere?
Wie könnte eine an den Nachhaltigkeitszielen orientierte Reindustrialisierung der Region angegangen werden?
Wie finanzieren wir die enormen Aufwendungen mit den Instrumenten einer föderalen Solidargemeinschaft?
Wie aktivieren wir die Kompetenzträger in der Region? Wie gelingt es uns, diese Akteure auf gemeinsame Ziele einzuschwören, bei denen wir im Strukturwandel alle gleichermaßen gewinnen?

Sie, wir und das gesamte Rheinische Revier stehen vor einer aufregenden Zeit, der so manche oder mancher auch mit (An-)Spannung entgegensieht.
Wo Aufregung und Spannung sind, entsteht aber auch Bewegung. Da wo Bewegung ist, passiert schließlich auch viel.
Die Region ist bereits in Bewegung geraten. Dafür gibt es viele Belege. Die ersten Schritte sind getan.
Wir tun alle gut daran, wenn wir diese Bewegung nicht eindimensional – also allein auf den Ausstieg fokussiert – begreifen, wenn wir den kommenden Strukturwandel vielmehr im Kontext der Megatrends sehen. Dann sehen wir neben den großen Herausforderungen insbesondere auch die damit verbundenen großen Chancen.
Worauf es ankommen wird: Sog. „Kohlekommission“ wird alsbald den Bericht mit ihren Vorschlägen und Empfehlungen vorlegen.

Dass Wissenschaft und Innovation dabei ganz tragende Rollen spielen werden, ist allen Beteiligten klar.
Konsens sollte es auch sein, dass gezielte Investitionen für den Strukturwandel auf die Innovationsfähigkeit abzielen und die Innovationskraft unserer Region stärken müssen. Nur dann kann der Wandel gelingen.
Die Innovationen müssen darauf abzielen, dass mittelfristig neue und zukunftsfähige Geschäftsmodelle und Wertschöpfungsketten in Industrie und Dienstleistung entstehen, dass gleichermaßen aber auch die bestehenden Wertschöpfungsketten durch neue und insbesondere durch digitale Technologien transformiert oder gar neu erfunden werden.

Was ist konkret zu tun?

Ich sehe drei Bereiche, die konstitutiv für den Strukturwandel sein werden:
die Verbesserung der Infrastrukturen in einem weiten Sinne – von Verkehr bis zu Bildungseinrichtungen, die letztlich der Nährboden sind, auf dem Strukturwandel gedeihen kann, die Initiierung einer Gründungswelle, die zu neuen Unternehmen führt, die sich mit
innovativen Produkten und Geschäftsmodellen auf der Basis vorhandenen Wissens am Markt positionieren können, und die strategische Entwicklung von neuen Feldern wirtschaftlicher Wertschöpfung, die disruptiv wirken und der Region wieder ein ureigenes Profil geben können.
Für die beiden letztgenannten Bereiche ist Wissenschaft – die Qualifizierung von jungen Menschen und die erarbeiteten Forschungsergebnisse – konstitutiv.
Genau diese Perspektive, die Rolle der Wissenschaft – oder genauer unsere Rolle, die Rolle des Forschungszentrums Jülich – für die Stadt Jülich und das Rheinische Revier in dem vor uns liegenden Prozess des anstehenden Strukturwandels in der Region, möchte ich in den Mittelpunkt meiner weiteren Ausführungen stellen.

Die Wissenschaft war und ist eine Triebfeder und ein Motor für die Entwicklung der Gesellschaft, sie generiert Umbrüche aus sich heraus – denken Sie bspw. an die Erfindung des Verbrennungsmotors vor gut 150 Jahren – oder sie greift gesellschaftliche Herausforderungen auf – man denke nur an die Fortschritte in der Behandlung der großen Volkskrankheiten – sie stellt sich diesen und leistet ihre Beiträge zu deren Bewältigung.
In diesem Sinne kann und muss sich die Wissenschaft – und damit gerade auch dasForschungszentrum – als den Motor für einen wissenschaftsbasierten Strukturwandel einbringen. Wir stellen uns unserer Verantwortung, ganz konkret und vor dem Hintergrund des Strukturwandels, einer konkreten wahrlich großen Herausforderung, mit unseren Forschungsergebnissen Nutzen in der Gesellschaft zu stiften.
Ganz einfach gesagt ist es unser Anspruch, dass die Ergebnisse unserer wissenschaftlichen Arbeit, die in der Region erarbeitet werden, auch bei den Bürgerinnen und Bürgern vor Ort, bei Ihnen allen also, ankommen.

Dies steht übrigens im Einklang mit unserer Mission, mit der Mission der Helmholtz- Gemeinschaft, Beiträge zur Lösung großer gesellschaftlicher Herausforderungen durch Vorsorgeforschung zu leisten, die Wirkung über die Wissenschaft hinaus in der Gesellschaft entfalten, wollen wir uns als ein Akteur mit unserer Expertise partnerschaftlich einbringen.

Wir wollen aus der Wissenschaft heraus Lunten legen, die ein Feuer an Innovationen befördern; Innovationen, mit denen aus wissenschaftlichem Wissen Werte geschaffen werden, um eine zukunftsfähige Innovationslandschaft in der Region zu etablieren, von der aus einer engen Zusammenarbeit aller Akteure in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft neue Impulse ausgehen – für Produkte, Dienstleistungen, Prozesse und Märkte.
Wir sind überzeugt, dass naheliegende Vorschläge, seien es Logistikzentren oder Tourismusangebote, in der sich wandelnden Region höchstens ein Teil der Lösung sein können.

Vielmehr brauchen wir innovativere Ideen

– Ideen, welche aus den Stärken der Region schöpfen, die geleitet sind durch die gesamtgesellschaftlichen Herausforderungen, wie sie sich u.a. in den Megatrends abbilden, und die zu Alleinstellungsmerkmalen der Region nach erfolgreichem Strukturwandel führen können.
Diese Ideen müssen idealerweise disruptive Wirkungen erzeugen, sie müssen darauf abzielen, die alte Welt hinter uns zu lassen und einer neuen Welt zum Einzug in die Region zu verhelfen.
Wir wollen groß denken. Wir haben vier konkrete Vorschläge für innovations- und wertschöpfungsorientierte Projekte, die sich aus der Jülicher Forschung herleiten lassen und die die Region voranbringen können …
zu Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz
zu einer bio-basierten wirtschaftlichen Wertschöpfung
zu einer nachhaltigen Energieversorgung
und zur Begegnung, zum wissensbezogenen Austausch in der Region, mit Ziel das Neue in die Welt zu bringen.
bauen wir auf unseren Stärke, auf der multi-thematisch aufgestellten

Dabei nutzeninspirierten Grundlagenforschung auf, die das Potential zu Durchbrüchen in sich birgt. Nicht zuletzt haben die zum Nobelpreis für Peter Grünberg führenden grundlegenden materialwissenschaftlichen Entdeckungen und deren breite Nutzung in modernen Informationstechnologien den Nachweis auf großartige Weise erbracht.
Wie Sie wissen, hat auch das Forschungszentrum in seinen nun über 60 Jahren selbst den einen oder anderen Wandel erlebt bzw. gestaltet. Angefangen als KFA, die Kernforschungsanlage, liegt der Fokus heute unter dem Namen „Forschungszentrum Jülich“ in den Bereichen Regenerative Energien einschließlich Klima, Information und Bioökonomie- Fragen. Wir wissen also, wie Wandel funktioniert.
Wir sind nicht nur kompetent und selbstbewusst, wir sind ein verlässlicher Partner, wir verstehen die Erwartungen an uns genauso, wie wir auch unsere Grenzen kennen.

Das Forschungszentrum Jülich will sich einbringen und mit seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern den Strukturwandel nach Kräften unterstützen.

Es muss ein Gemeinschaftswerk werden …

Natürlich sind wir nicht alleine, es gibt viele Menschen mit klugen Ideen zur Umsetzung des Strukturwandels in der Region; es gibt viele Vorschläge zur Verbesserung der Infrastruktur, zur Initiierung neuer unternehmerischer Aktivitäten und zu nutzeninspirierter und innovationsorientierte Wissenschaft.
Genau das ist aber auch eine Herausforderung: viele kleine, mittlere und große Vorschläge, Projekte, die bereits laufen, bald beginnen oder gerade erst geplant werden. Vielleicht auch hier und da Projekte, die primär an den Interessen eines Akteurs orientiert sind und das Gemeinwohl nicht ausreichend in den genommen Blick haben…
Die große Gefahr, die ich sehe: ein interessengeleiteter Aktionismus,
der zu einem „Sammelsurium“ von Aktionen führt, die unkoordiniert nebeneinander oder sogar gegeneinander laufen,
der Doppelstrukturen erzeugt, welche die Zeit der Beteiligten und das Geld der Solidargemeinschaft in Deutschland nicht optimal einsetzen.
Es gilt also die berechtigten Interessen der einzelnen Akteure zu verstehen, sie gegeneinander abzuwägen und ihren Beitrag zum Strukturwandel der Region insgesamt zu beleuchten, mit dem Ziel die vielen guten Maßnahmen in Einklang miteinander und in ihrer
Gesamtheit zur Wirkung zu bringen.

Von besonderer Bedeutung daher: die zahlreichen Treiber für den Strukturwandel in Wissenschaft und Wirtschaft mit starker Unterstützung der Politik, die förderliche politischen Rahmenbedingungen setzt, miteinander zu verknüpfen, den Austausch zu fördern und zusammenzuarbeiten.
Dann kann eine konzertierte Aktion mit dem gemeinsamen Ziel ein ganzheitliches Konzept für das Rheinische Revier zu entwickeln und umzusetzen. Wie kann diese konzertierte Aktion der Akteure auf die Straße gebracht werden?
Ich glaube nicht an das Mastermind, an den einen Architekten für den Strukturwandel. Vielmehr braucht es neben den essentiellen förderlichen politischen Rahmenbedingungen, die durch die Landesregierung mit Unterstützung des Bundes im Moment auch beherzt geschaffen werden, ein auf Partizipation angelegtes Instrumentarium, das eine indirekte Koordination ermöglicht, die gleichermaßen die vielfältigen Expertisen einschließt, um neben
einer gemeinsamen Zielsetzung auch einen Interessensausgleicht zu ermöglichen.

Eine wesentliche Voraussetzung ist der organisierte Dialog der Stakeholder, der eine gemeinsame Plattform schafft, um die Kräfte zu bündeln, um Ideen auszutauschen, um Positionen und Zielsetzungen zu entwickeln und die Umsetzung von Projekten zu begleiten. o Wir sind gerne bereit einen solchen Stakeholder-Dialog oder Koordinierungskreis Wissenschaft und Innovation im Rheinischen Revier anzustoßen, der anschlussfähig zu weiteren thematisch komplementär aufgestellten Koordinierungskreisen aufgestellt sein sollte.

Unsere Aufstellung und unsere Visionen für die Region:

Nun aber zu den inhaltlichen Vorschlägen, die ich bereits angerissen habe ….
Zunächst zu unserer Aufstellung, zum thematischen Fokus der Forschung am Forschungszentrum Jülich in den Information, Energie und Bioökonomie
Diese Forschungsschwerpunkte sind zukunftsorientiert und bieten grundsätzlich ein hohes Innovationspotential für neue Produkte und Dienstleistungen.

Vorstellung möglicher Projekte, um den Strukturwandel zukünftig gestalten zu können
• Projekte, mit unmittelbarem Bezug zu den Kernkompetenzen des Forschungszentrums Jülich
• Projekte, die auch Modellcharakter haben sollen, um Ihnen eine Vorstellung davon zu vermitteln: Wie können große Entwicklungslinien, auf die sich die Stakeholder einigen und die sie gemeinsam verfolgen wollen, hin zu einer „wissenschaftsbasierten Re-
Industrialisierung“ ausgestaltet werden?
Es sind also beispielhaft ausgewählte (!) Projekte mit einem hohen Innovationspotential, die
ich Ihnen jetzt noch kurz vorstellen möchte, ohne die Erwartungen oder gar einen Anspruch zu erheben, dass diese genau auf diese Weise umgesetzt werden oder umgesetzt werden können.

Wir schlagen ein Zentrum für kognitives Rechnen (CCC) vor. Big Data und Künstliche Intelligenz, Datenanalyse und Lernende Systeme, sind in aller Munde, die Rede ist von einer, vielleicht der (!) zentralen Technologie des 21. Jahrhunderts im digitalen Wandel.
Bei weitem nicht alle Menschen haben eine Vorstellung davon, was das bedeutet.
Künstliche Intelligenz und verwandte Technologien haben nicht nur das Potenzial, sondern werden (!) unser Leben in nahezu allen Bereichen fundamental verändern.
Genaugenommen tun sie das schon längst!
Unser Ansatz: Wir müssen aus der Wissenschaft Unternehmen im Rheinischen
Revier und weit darüber hinaus die Nutzung modernster Methoden der Datenanalyse und künstlichen Intelligenz ermöglichen, um aus den gigantischen und hochkomplexen Datenmengen konkretes Wissen zu extrahieren, das in Entscheidungs- und Geschäftsprozessen und der Produktentwicklung genutzt werden kann.


Im Bereich der Methoden, Algorithmen und Software sind das Forschungszentrum und die RWTH Aachen sehr gut aufgestellt.
Insbesondere in Verbindung mit der technisch-wissenschaftlichen Expertise und der Weltklasse-Nutzerplattform im Supercomputing hat das Forschungszentrum Jülich ein hervorausragendes Alleinstellungsmerkmal, dieses Innovationszentrum zu etablieren.
KI und Datenanalyse braucht aber auch neue Hardware, die inspiriert durch die Funktion des menschlichen Gehirns ist. Man spricht von neuro-inspiriertem oder neuromorphem Computing.

Gerade im Bereich der Muster- und Kontexterkennung beim autonomen Fahren der der Produktionssteuerung, wie auch bei der Realisierung lernender Systeme sind diese komplett neuartigen Computer-Technologien essentiell.
Wie das Gehirn verbrauchen sie verbrauchen sehr wenig Energie und sind auf Situationserkennung und Lernen speziell ausgelegt.
Bezug zum Strukturwandel:
Durch die Nutzung von Methoden des Kognitiven Rechnens zur Auswertung der
immer größer werdenden Datenmengen von Partnern in Wirtschaft und Wissenschaft leistet das CCC einen wesentlichen Beitrag zur Sicherung und Steigerung der Leistungsfähigkeit seiner Partner in der Region und darüber hinaus.
Geplante Anwendungsgebiete liegen in den Stärken der hiesigen Wirtschaft in der Region, die im CCC fokussiert werden können; also in den Bereichen Information und Kommunikation, Energie und Umwelt, Mobilität und Verkehr, Gesundheit, Produktion und Sicherheit

Beispiele:
•  Überwachung der Qualität und der Haltbarkeit von Lebensmitteln in der
Frischhaltetheke für eine Reduktion der Lebensmittelvernichtung
•  Logistik, Prozesssteuerung, „Industrie 4.0“
•  Geschäftsprozesse und Abläufe in Wirtschaft, Verwaltung und im Alltag
•  Produktentwicklung, neue funktionale Materialien oder passgenaue
Medikamenten mit weniger Nebenwirkungen,
•  Marktorientierte Steuerung von Warenströmen im Groß- und Einzelhandel,
•  Verwaltung der Zukunft (etwa ein allumfassend-digitalisiertes Bürgeramt)
o Besonderes Anliegen für die Region: Ansiedlung und vor allem Gründung von Unternehmen gezielt befördern und unterstützen durch das CCC mit dessen Know- how in der Künstlichen Intelligenz und in Big Data Analytics.
Vom Braunkohlerevier zum Bioökonomie-Revier – eine nachhaltige und innovative Bioökonomie-Region

Vision: das Rheinische Revier von einer besonders stark Fossil-basierten Region in eine beispielgebende Zukunftsregion für nachhaltige bio-basierte Wirtschaft transformieren.

• Hintergrund:
Prägend für das Rheinische Revier:
•   Braunkohle-Tagebau
•   Außerordentlich produktive Landwirtschaft, hervorragende Böden, aber auch Flächen minderwertiger Böden (nach dem Tagebau), die es gerade auch für nicht Nahrungsmittel-bezogene Produkte zu nutzen gilt
•   die Dichte und Qualität einschlägiger wissenschaftlicher Einrichtungen (3 Exzuellenzcluster) und die hohe Industriedichte (Biotech-, Chemie- Nahrungsmittel- und Pharma-Industrie) in der Peripherie.

Ziel: Etablierung einer biobasierten Wirtschaft, d. h. o Biomasse ersetzt fossile Rohstoffe
Innovative Nahrungs- und Futtermittelsysteme
o Biologische Systeme als Basis der Wertschöpfung
o Schlüsseltechnologien Bioraffinerie und Biotechnologie
o Stoffkreisläufeschließen
o Mehrfach-undKaskadennutzung
o Neue Produkte, Verfahren und Dienstleistungen

Damit lassen sich neue Produkte und neue Produktionstechnologien auf einer biogenen Rohstoffbasis erschließen und den Weg zu neuen Unternehmen öffnen. Ein wesentlicher Beitrag zu einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft wird gelegt. Beispiel:
o auf marginalen Böden schnell wachsende Grünpflanze,
o Aufschluss der Pflanze, der Lignocellulose zur Gewinnung von C5- und C6-Zuckern
als Substrat für die Herstellung von Plattformchemikalien in einer Bioraffinerie o aus denen stoffliche Produkt eher gestellt werden:
Furane für NOx- und russfrei verbrennende Kraftstoffgemische
Lactate, für biodegradierbare Kunststoffe
Rückführung der Reststoffe (biogene Abfälle und Mineralien) auf die Felder zu
Verbesserung der marginalen Böden

• Bezug zum Strukturwandel:
Rheinisches Bioökonomie-Revier könnte so zu einer europaweiten Pilotregion avancieren, in der die Umwandlung traditioneller Wirtschaftsweisen in eine nachhaltige, an den regionalen Gegebenheiten und Zukunftschancen ausgerichtete Bioökonomie implementiert wird.

Verknüpfung Bioökonomie mit Digitalisierung – ein Beispiel für die Wirkung digitaler Technologien in etablierten Geschäftsfeldern: digitalen Landwirtschaft für eine nachhaltige Pflanzenproduktion
Verwendung finden genau die digitalen Technologien, die bereits im Kontext des CCC vorgestellt wurden, also KI und Data Analytics, dazu kommt noch die Auswertung von Bildern bspw. von fliegenden Plattformen (Drohnen, Satelliten) und die Robotik

Kopplung der Bioökonomie mit den Erneuerbaren Energien und den sogenannten Power-to-X-Technologien
Überschussstrom aus einem durch regenerative Energien (Sonne, Wind) bestimmten volatilen Netz wird über die Elektrolyse in Wasserstoff überführt
Erläuterung:
Grüner Wasserstoff kann wieder verstromt werden und dient damit als stationärer
chemischer Speicher, um die Schwankungen der regenerativen Energien zu dämpfen,
oder als Energieträger für die E-Mobilität
Alternativ: Einspeisung des grünen Wasserstoffs in die Bioraffinerien der
biobasierten Wertschöpfung, um die den Wasserstoffbedarf der Stoffwandlung von
der Pflanze zum Wertstoff nachhaltig decken.
Zwei Fliegen mit einer Klappe: Verknüpfung der höchst zukunftsträchtigen Sektoren Bioökonomie und Erneuerbare Energien!

• Bezug zum Strukturwandel:
neue biobasierte Wertschöpfungsketten, integriert mit erneuerbaren Energien und
Digitalisierung eröffnen ungeahnte innovative Wertschöpfungspotentiale, die ein hohes Potential für die Reindustrialisierung haben und nur durch intensive Kooperationen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft erschlossen werden können.
Chance für Unternehmensgründungen und für die Re-Orientierung bestehender Unternehmen

Beiträge zur Wasserstoffregion
Alternative Mobilitätskonzepte, z.B. der brennstoffzellen-basierte Bahnverkehr, der
grünen Wasserstoff als sauberen Energieträger nutzt

Wissenschaftsregion Rheinland vernetzen und verstärken 11
Wissenschaft und andere Bereiche der Gesellschaft leben vom Austausch von Ideen.
Bau eines „Transfer- und Konferenzzentrums“ in der Nähe des Campus des Forschungszentrums Jülich – mitten im Rheinischen Revier und im Herzen der
Wissenschaftsregion Rheinland

Aufgaben/Funktionen des Transfer- und Konferenzzentrums:
Ort des Austausches und Dialogs für die nationale und internationale Wissenschaftsgemeinschaft, für die Akteure des Strukturwandels aus Wissenschaft, Wirtschaft und anderen Teilen der Gesellschaft.
Schaufenster der Region, in dem neue Ideen für die Wissenschaft und den Strukturwandel – zum Beispiel in Form von Ausstellungen – sichtbar werden.
Brücke in die regionale Wirtschaft, die Jülicher Stadtgesellschaft und darüber hinaus – zum Beispiel für Kulturveranstaltungen und Messen (Austausch für die Wirtschaft).
Konferenzräume, Maker’s Space mit Büros und Laboren, Ausstellungsflächen, Hotel und Restaurant

Von herausragender Bedeutung für eine bessere Vernetzung: über den ÖPNV (Schiene und Straße, künftig mit autonomer Mobilität) schnell erreichbar und mit der gesamten Region (auch über das Rheinische Revier hinaus) verbunden
o Wir schlagen vor, die Bahnlinie Düren-Jülich so zu verlegen, dass das Tagungszentrum direkt angefahren werden kann.

Conclusio/Abschluss:
Meine Damen und Herren, das sind einige unserer Ideen und Vorhaben, die den Strukturwandel in der Region voranbringen können:
(1) Wir wollen über das Cognitive Computing Centre (CCC) die künstliche Intelligenz aus der Science Fiction hierher vor Ort bringen, damit auch die lokalen Unternehmen die Möglichkeit haben, die zentrale Technologie zu nutzen. Wir wollen neue energieeffiziente und durch die Funktion des Gehirns inspirierte Computertechnologien in die Umsetzung und breite Nutzung in KI-Anwendungen bringen.
(2) Wir wollen erneuerbare Energien mit Power-to-X-Technologien mit der Erzeugung von grünem Wasserstoff als chemischer Energiespeicher, als Energieträger für e-Mobilität oder als Grundstoff für Bioraffinerien verbinden.
(3)WirwollendasRheinischeRevierzumRheinischenBioökonomie-Reviermachen, mit innovativen Wertschöpfungsketten vom Acker zum stofflichen Produkt unter Nutzung modernster digitaler Technologien und so zur Vorzeigeregion für biobasiertes Wirtschaften avancieren.
(4) Wir wollen in einem verkehrstechnisch an die gesamte Region angebundenen Transfer- und Kongresszentrum den Austausch zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft ermöglichen und die Grundlage für „gemeinsam machen“ schaffen.
(5) Wir unterstützen die Entwicklung und Realisierung des Brainergy Park, einem Projekt der Stadt Jülich und weiterer Kommunen, das als Reallabor für das Energiesystem der Zukunft an der Schnittstelle zwischen Verbraucher, Wirtschaft und Wissenschaft dienen soll. Das am Forschungszentrum im Aufbau befindliche Reallabor LLEC, das steht für Living Lab Energy Campus, stellen wir komplementär als Forschungs- und Innovationspartner des Brainergy Park auf. Diese Symbiose von Brainergy Park und LLEC kann zu einem modellhaften Interaktionsfeld von Wirtschaft, Forschung und Ausbildung werden, in dem aus Wissen Produkte gemacht und Wertschöpfung erzielt werden.

Auch wenn sich vielleicht nicht alle diese Ideen umsetzen lassen, wollen wir sie einerseits als beispielgebend verstehen, sie andererseits aber auch als konkrete Projekte vorschlagen, aus denen große Entwicklungslinien werden können, die wir gemeinsam mit anderen Akteuren als Beitrag zu einer Reindustrialisierung der Region verfolgen.
Ganz sicher werden wir bei all diesen Ideen und Plänen, die Region, Jülich und Sie im Blick haben.
Wir forschen auch für Sie. Unsere wissenschaftlichen Arbeiten sollen Wirkung erzielen, auch und gerade hier bei uns in der Region ankommt.
Wie Sie sehen und gehört haben, meine verehrten Damen und Herren: „Wir haben viel Wandel in wenig Zeit zu bewältigen.“

Zum Artikel “Positive Potentiale im Blick


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§ 2 Ein Recht auf Veröffentlichung besteht nicht.
§ 3 Eine Veröffentlichung wird verweigert, wenn der Schreiber nicht zu identifizieren ist und sich aus der Veröffentlichung des Kommentares aus den §§< 824 BGB (Kreditgefährdung) und 186 StGB (üble Nachrede) ergibt.

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