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Die Jülicher Synagoge

Aus dem Nebel der Geschichte

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Die Synagoge in Jülich | Foto: Stadtarchiv Jülich
Jülicher Synagoge | Foto: Stadtarchiv Jülich
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Vor 75 Jahren, in der Nacht vom 9. auf den 10.11.1938, brannten überall in Deutschland Synagogen, wurden Wohnungen und Geschäftshäuser jüdischer Mitbürger zerstört. Bei den Gewalttätigkeiten wurden zahlreiche Juden verletzt, viele verhaftet und in Konzentrationslager verschleppt. Der im damaligen Sprachgebrauch zynisch „Reichskristallnacht“ genannte antijüdische Pogrom war eine weitere Eskalation der „Judenpolitik“ des NS-Staates, die bis 1945 im beispiellosen staatlich angeordneten und umgesetzten Genozid am europäischen Judentum mit seinen sechs Millionen Opfern endete.

Auch die Jülicher Synagoge wurde am 9.11.1938 geschändet und blieb als ausgebrannte Ruine zurück. Umso wertvoller ist das hier wiedergegebene Foto von 1938 aus dem Jülicher Stadtarchiv, das die Synagoge noch in intaktem Zustand zeigt. Die Aufnahme hatte der Aachener Professor für Städtebau, René von Schöfer, angefertigt, der im Jahr zuvor durch den Rat der Stadt Jülich mit der Planung einer Innenstadtsanierung beauftragt worden war. Seiner umfassenden Dokumentation der Hausfassaden verdanken wir die einzige bisher bekannte Aufnahme der Synagoge vor dem 9.11.1938.

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Die Brandruine blieb übrigens unverändert liegen und wurde beim Alliierten Luftangriff vom 16.11.1944 noch einmal beschädigt. Trotzdem standen noch nach 1945 beachtliche Teile des Außenmauerwerks, die erst 1958 im Zuge des Baus eines Wohnblocks verschwanden. 1983 wurde eine Gedenktafel am ehemaligen Standort der Synagoge angebracht. 1997 wurde das entsprechende Teilstück der Grünstraße in „An der Synagoge“ umbenannt.

Zum Gedenken an die Reichspogromnacht gibt die Arbeitsgemeinschaft der Geschichtsvereine im Kreis Düren im November diesen Jahres eine umfassende Dokumentation zu den Synagogen im Kreis Düren heraus. Sie versteht sich als Baustein für die notwendige Erinnerung an die Entrechtung, Entwurzelung und Ermordung der ehemaligen Mitbürgerinnen und Mitbürger jüdischen Glaubens.

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Guido von Büren
Eine echte Muttkrat und mit unbändiger Leidenschaft für Geschichte und Geschichten, Kurator mit Heiligem Geist, manchmal auch Wilhelm V., Referent, Rezensent, Herausgeber und Schriftleiter von Publikationen, Mitarbeiter des Museums Zitadelle und weit über die Stadtgrenzen hinaus anerkannter Historiker, deswegen auch Vorsitzender der renommierten Wartburg-Gesellschaft

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