Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) hat den drohenden Abriss der denkmalgeschützten Villa Buth im Jülicher Stadtteil Kirchberg kritisiert. Das Gebäude aus dem späten 19. Jahrhundert gilt als bedeutendes Zeugnis der regionalen Industriegeschichte und war in den Jahren 1941/42 als sogenanntes „Judenhaus“ genutzt worden. Von dort wurden jüdische Bürgerinnen und Bürger aus den Kreisen Jülich, Düren und Erkelenz in Arbeits- und Vernichtungslager deportiert.
Nach Angaben der Stiftung ist die Villa aufgrund jahrzehntelang unterlassener Bauunterhaltung stark sanierungsbedürftig. Der Eigentümer hatte bereits 2022 erklärt, eine Instandsetzung sei wirtschaftlich nicht zumutbar, und einen Abrissantrag gestellt. Diese Einschätzung sei 2023 in einer fachlichen Stellungnahme des LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland zurückgewiesen worden, teilt die DSD mit.
Die Stadt Jülich hat inzwischen eine Abrissgenehmigung auf den Weg gebracht. Die Stiftung bewertet diesen Schritt als falsches Signal. Aus ihrer Sicht habe sich zuletzt durch bürgerschaftliches Engagement, schulische und wissenschaftliche Projekte sowie die Einbindung von Überlebenden eine Perspektive für den Erhalt und die Nutzung als Gedenk- und Begegnungsstätte abgezeichnet. Zudem sei Gesprächsbereitschaft seitens des Eigentümers signalisiert worden.
Die DSD verweist darauf, dass bei der Bewertung der wirtschaftlichen Zumutbarkeit auch mögliche Fördermittel berücksichtigt werden müssten. Nach Angaben der Stiftung sei bislang kein entsprechender Förderantrag des Eigentümers bei ihr eingegangen, obwohl Unterstützung bei der Suche nach Finanzierungsmöglichkeiten angeboten worden sei.
DSD-Vorstand Dr. Steffen Skudelny bezeichnete die Villa als einen der wenigen authentischen Erinnerungsorte an die nationalsozialistischen Verbrechen in der Region. Der mögliche Verlust des Gebäudes wiege daher schwer. Die Stiftung hatte nach eigenen Angaben bereits 2024 Gespräche mit dem Eigentümer geführt, um Alternativen zum Abriss auszuloten.
Die historische Bedeutung der Villa war in den vergangenen Jahren mehrfach Gegenstand schulischer Projekte, unter anderem im Rahmen des Programms „denkmal aktiv“. Dabei entstanden Interviews mit Überlebenden, filmische Beiträge, Podcasts sowie eine Publikation zur Geschichte des Hauses als Zwischenstation vor der Deportation.
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