
Es begann mit einem leichten Ziehen in der Brust. Ein Mann in mittleren Jahren hatte Tennis gespielt und den Beschwerden zunächst keine größere Bedeutung beigemessen.
Weil das Ziehen aber blieb, stellte er sich schließlich doch in der Zentralen Notaufnahme des Krankenhauses Jülich vor. Das EKG zeigte einen Herzinfarkt. Kurz darauf erlitt der Patient einen Herz-Kreislauf-Stillstand – und konnte gerettet werden, weil er bereits dort war, wo innerhalb von Sekunden reagiert werden konnte.
Für Ibrahim Habiballah, Chefarzt der Zentralen Notaufnahme, war der Fall ein eindrückliches Beispiel dafür, wie wichtig es ist, bestimmte Warnzeichen ernst zu nehmen. Akute Brustschmerzen, starke Atemnot, Bewusstlosigkeit oder Sprachstörungen können auf lebensbedrohliche Erkrankungen hinweisen. Dann gilt: Schnell handeln und Hilfe holen.
Genau darum ging es bei der jüngsten Jülicher Gesundheitsstunde unter dem Titel „Wenn jede Minute zählt – Hinter den Kulissen der Notaufnahme“. Mit Melanie Thielemann, pflegerische Leitung der ZNA, nahm Habiballah die Besucherinnen und Besucher mit hinter die Türen eines Krankenhausbereichs, dessen Abläufe für Patienten sonst nicht sichtbar sind.
Warum muss man manchmal warten, obwohl der Warteraum gar nicht voll aussieht? Und wie wird entschieden, welcher Patient zuerst behandelt wird? Diese Fragen sorgten im Verlauf des Abends für viele Nachfragen.
In der Notaufnahme gilt nicht „Wer zuerst kommt, wird zuerst behandelt“. Entscheidend ist die medizinische Dringlichkeit.
Nach der Anmeldung werden die Patienten deshalb nach einem standardisierten System eingeschätzt. Anhand von Symptomen und Vitalwerten ordnen speziell geschulte Pflegekräfte sie einer von fünf Dringlichkeitsstufen zu – von Rot für einen unmittelbar lebensbedrohlichen Zustand bis Blau für nicht dringliche Beschwerden.
Wichtig zu wissen: Was im Wartebereich passiert, ist nur ein kleiner Ausschnitt des Geschehens. Während dort vielleicht nur wenige Menschen sitzen, können über die Liegendanfahrt Rettungswagen mit schwer erkrankten oder verletzten Patienten eintreffen. „Kommen mehrere dringende Fälle kurz hintereinander, verschieben sich die Prioritäten innerhalb weniger Minuten“, erklärte Melanie Thielemann.
Nach der ersten Einschätzung laufen zahlreiche Abläufe parallel. Pflegekräfte können Blut abnehmen, Vitalwerte kontrollieren oder ein EKG schreiben. Je nach Beschwerden folgen Röntgen- und Ultraschalluntersuchungen.
Bei speziellen Fragestellungen werden Ärzte anderer Fachabteilungen hinzugezogen. Für besonders zeitkritische Erkrankungen stehen zudem Schnelltests zur Verfügung, mit denen wichtige Laborwerte direkt in der Notaufnahme bestimmt werden können.
Schwerverletzte Patienten werden im Schockraum versorgt. Dort arbeiten unterschiedliche Fachrichtungen nach festgelegten Abläufen zusammen. Atmung und Kreislauf werden stabilisiert, der neurologische Zustand beurteilt und parallel die weitere Diagnostik vorangetrieben.
Ein weiterer Schwerpunkt war die Frage, wann die Notaufnahme die richtige Anlaufstelle ist. „Bei starker Atemnot, akuten Brustschmerzen, Bewusstlosigkeit, Sprachstörungen, schweren Verletzungen, Vergiftungen oder einem allergischen Schock sollten Sie auf keinen Fall zögern“, sagte Habiballah.
Wer bei anderen Beschwerden unsicher ist, ob die Notaufnahme, der Hausarzt oder außerhalb der regulären Sprechzeiten die KV-Notdienstpraxis die richtige Adresse ist, kann sich unter der Rufnummer 116117 beraten lassen.
Zum Abschluss stellte sich Marianne Schüffler, die neue stellvertretende Chefärztin der Zentralen Notaufnahme, den Besucherinnen und Besuchern vor. Auch die erfahrene Notärztin warb dafür, bei ernsthaften Notfallsymptomen keine Scheu vor dem Notruf zu haben.
„Die Leitstellen arbeiten mit standardisierten Abfragen und entscheiden anhand der geschilderten Situation, welche Hilfe erforderlich ist“, betonte Schüffler. „Sie sind da von Anfang an in guten Händen.“


















