Start featured Kein Abpfiff für Pfeiffer

Kein Abpfiff für Pfeiffer

Da die Feuerzangenbowle jahreszeitengemäß zu einem Schlock Glöhwein oder eben einer zünftigen Tasse besagter heißer Feuerzangenbowle gereicht wird, befassen sich die HERZOG-Autoren Guido von Büren und Arne Schenk mit den Hintergründen des Kultfilms.

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Foto: pixabay
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„Pfeiffer mit drei f, eins vor dem ei, zwei hinter dem ei!“, „Jäder nor einen wänzigen Schlock!“ oder „Also, wat is en Dampfmaschin? Da stelle mer uns mal janz dumm.“ Wenn diese Zitate fallen, weiß fast jeder, um welchen Film es sich handelt. Richtig, „Die Feuerzangenbowle“ mit Heinz Rühmann nach einem Stoff von Ludwig Spoerl.

Arne Schenk: Es geht natürlich um den Pfeiffer mit den drei F. Kennt jeder, ist aber eigentlich merkwürdig. Ein Film von 1944 schwarz-weiß mit einer Pädagogik, die heute überhaupt keinen Bestand mehr hat, und trotzdem ein Kultfilm.

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Guido von Büren: Ja, ist aber auch im Grunde genommen erst spät zum Kultfilm geworden. Dazu muss man wissen, dass das Buch, auf dem das Ganze basiert, 1933 erschienen ist, und Heinrich Spoerl, von Hause aus Jurist, in der NS Zeit zu einem der erfolgreichsten Unterhaltungsschriftsteller gehörte. Spannend ist, das es ja eine Filmversion von 1934 gibt.

Arne Schenk: So ein Flegel.

Guido von Büren: So ein Flegel, genau. Auch mit Heinz Rühmann in einer Doppelrolle. Was damit zu tun hat, dass Spoerl ursprünglich das Drehbuch geschrieben hatte für diesen Film von 1934 mit einem Hans Reimann zusammen, die aber dieses Drehbuch nicht untergebracht bekamen, und er daraufhin auf der Grundlage die Feuerzangenbowle geschrieben hat, die dann 1933 als Buch erschien und auch tatsächlich erfolgreich war. Und dann ist das Original-Drehbuch verfilmt worden, was eigentlich mit der Feuerzangenbowle handlungstechnisch nicht mehr so viel zu tun hat, so dass man zehn Jahre später auf der Basis eines neuen Drehbuchs, das auf dem Roman basierte, dann die Feuerzangenbowle gefilmt hat.

Arne Schenk: „So ein Flegel“ ist ganz interessant. Es gibt darin einen Johannes, nicht Johann Pfeiffer. Offensichtlich waren sie sich bei dem Namen nicht ganz einig, denn er wurde nur teilweise als Pfeiffer mit 3 „f“ geschrieben. Aber dann gab es Bücher von ihm, die gerne von den jungen Mädchen gelesen werden. Da steht „Pfeifer“ drauf geschrieben. Da wurde später stärker der Fokus drauf gelegt. Daneben waren sich Hans Reimann und Heinrich Spoerl nicht so ganz klar, wer eigentlich nun die Idee dazu hatte.

Guido von Büren: Ja, es gab im Grunde genommen nach ‘45 einen Urheberrechtsstreit. Es war schon immer wohl so, dass Reimann einen Teil der Tantiemen der Filme sowieso bekam, und er dann eine Autobiografie geschrieben hatte, wo er quasi dem Spoerl Plagiat vorgeworfen hat. Juristisch hat er sich da nicht durchsetzen können, und der Literaturwissenschaftler Joseph Anton Kruse, der sich auch mit Spoerl intensiv beschäftigt hat, hat auch aus den Unterlagen nichts erkennen können, dass Spoerl den Reimann hintergangen hätte.

Foto: Wikipedia | https://i.ebayimg.com/images/g/ceQAAOSw~SpkTkPR/s-l1600.jpg

Arne Schenk: Zumal sich Reimann auch recht früh offenbar schon rausgezogen hat und gar nicht mit dem Werk in Verbindung gebracht werden wollte; erst als dieser so erfolgreich wurde.

Guido von Büren: Das kommt ja schon mal vor. Das ist sowieso so ein bisschen heikler Punkt. Spoerl war ja anscheinend sehr unpolitisch, zumindest hat er sich aber auch nicht gegen den Nationalsozialismus positioniert, während Reimann wohl deutlich pro Nationalsozialismus gewesen ist. Zumindest taucht er in Texten von Exilschriftstellern als eine ziemlich böse Gestalt auf, während Spoerl überhaupt nicht vorkommt. Also der scheint da auch wenig intrigenhaft veranlagt gewesen zu sein, was andere eben anders waren.

Arne Schenk: Man kann beide Filme sehr gut im Kontext zusammen sehen. Während der erste von 1933 noch sehr freimütig und unbeschwert ist, kommt in dem zweiten, also in der Fassung, die wir kennen, schon nationalsozialistisches Gedankengut vor, obwohl nicht explizit, sondern implizit in einer bestimmten Rolle.

Guido von Büren: Genau, der jüngere Lehrer Dr. Brett, den ja alle auch mögen. Es gibt diese zentrale Stelle, wo er sich mit dem Bömmel unterhält und sagt: Die jungen Leute muss man wie einen Baum festbinden, damit sie gerade wachsen und so. Das ist absoluter NS-Sprech. Zwar ein bisschen verbrämt, nicht so eindeutig, aber doch schon ziemlich erkennbar.

Arne Schenk: Vor allem für damalige Eingeweihte war das klar. Diese ganze Natursymbolik, die damit verbunden ist, wurde sehr stark propagiert. Das ist uns heute nicht mehr so geläufig. Aber es ist tatsächlich nur dieser eine winzige Teil. Ansonsten ist er grob unpolitisch, und das wäre ja dem Film beinahe auch damals zum Verhängnis geworden.

Guido von Büren: Es ist nicht genau datiert, wann er spielt, aber irgendwie um 1900. Auch von der Kleidung her erkennt man das. Es gibt eine Mädchenschule; wenn das eine staatliche Schule sein soll, kann das erst nach 1908 spielen. Wenn das jetzt eine Privatschule war, könnte es auch vorher spielen. In einer Szene hängt ein Kaiserporträt von Wilhelm I. Der stirbt 1888. Also bleibt es im Grunde genommen eine Pseudokaiserzeit, in der das spielt. Und das ist ja eigentlich nicht der Referenzrahmen der NS-Ideologie gewesen. Insoweit ist das schon der Versuch in der Endphase des Nationalsozialismus, sich aus dem Nationalsozialismus zu entheben, so ein bisschen überzeitlich und gleichzeitig schon ein bisschen Eskapismus. Man flieht in eine vermeintlich unberührte und noch nicht von Verbrechen im Hintergrund geprägte Gesellschaft.

Arne Schenk: Zumal auch dem Film vorgeworfen wurde, dass man so locker und so respektlos mit Amtspersonen umging. Der damalige Reichserziehungsminister Bernhard Rust…

Guido von Büren: Ja, der hatte ja sozusagen die Genehmigung versagt, dass der Film gezeigt werden darf. Und daraufhin ist wohl Heinz Rühmann mit zwei Filmrollen zur Wolfsschanze gefahren und hat den Film Göring gezeigt. Der hat wohl gar nicht direkt mit Hitler Kontakt gehabt, sondern Göring hat sich den angeguckt, und da muss wohl später Hitler gefragt haben: „Ist der Film lustig?“ Ja, er hätte mehrfach gelacht. Dann darf er gezeigt werden. Das ist die Anekdote. Wobei, man weiß es natürlich auch nicht so ganz genau, aber es spricht einiges dafür. Klar, der Film ist Januar ‘44 ins Kino gekommen. Am 28. Januar war die Premiere; da ist natürlich schon die Endphase quasi eingeläutet. Ein gutes halbes Jahr später ist Aachen schon befreit.

Arne Schenk: Da war natürlich damals noch überhaupt kein Denken dran. Es ging halt darum, die Menschen ein bisschen zum Durchhalten zu motivieren.

Foto: c Kulturbahnhof

Guido von Büren: Ja, aber es gab eben auch durchaus parallel Filme, die deutlich stärker militarisiert waren und dieses Thema des Durchhaltens auf einer historischen Ebene projizierten. Und das ist hier gar nicht. Das ist im Grunde genommen Eskapismus vor den Kriegsgreueln der Zeit. Ist ja auch diese Idylle, die gezeigt wird. Der Film ist überwiegend im Studio produziert worden; es gibt nur wenige Außenaufnahmen. Also wird im Grunde genommen eine heile Welt präsentiert.

Arne Schenk: Und das ist auch der Punkt, weswegen er etwas kritisch gesehen wird. Es gibt immer wieder Forderungen, den Film in den gesellschaftlichen zeitgenössischen Kontext zu setzen, was natürlich aus bestimmten Gründen auch schwierig ist.

Guido von Büren: Ja gut, im Grunde karikiert ja Spoerl in seinem Roman auch nicht die aktuelle gesellschaftliche Situation, sondern quasi die der Kaiserzeit; und das ist natürlich auch nicht die des Nationalsozialismus. Die Kritik in dieser Zeit kann man natürlich auch durchaus verstehen; und das ist eigentlich auch wiederum das Interessante: Warum hat der Film dann nachher so einen Legendenstatus erhalten? Er wird ja in den Kinos oder sozusagen nach dem Krieg erst mal in DDR gezeigt. Erst danach ist er ‘68 erstmals im westdeutschen Fernsehen gezeigt worden. Und eigentlich erst durch die Fernsehrezeption kriegt er überhaupt den Stellenwert, den er heute hat.

Und dann kommt eben, dass Anfang der 80er Jahre ausgehend von Göttingen im Studentenmilieu der Film reüssiert und es üblich wird, den Film zur Vorweihnachtszeit zu zeigen, tatsächlich mit Feuerzangenbowle oder Glühwein, je nachdem. Und da kann ich mich noch daran erinnern, dass als ich Schüler in den späten 80er Jahren war, ein Lehrer davon schwärmte, dass der Film im Audimax in Aachen vor 1000 Studierenden gezeigt wird und es dann da hoch herging, wobei teilweise auch eher der Konsum von Alkohol im Fokus stand als der Film.

Da ist sozusagen diese Meta-Ebene der Schülerscherze, also diese Pennälerzeit, weil halt im Studium alles viel ernster zuging und unpersönlicher, als das im Schulkontext war. Das war so ein bisschen eine Kompensation, noch mal in eine Schulsituation fliehen zu können. Und das ist es ja im Grunde genommen, wenn man bedenkt, wie politisiert Anfang der 80er Jahre noch alles war auch als Folge der 68er-Bewegung, dass im Grunde genommen so ein reaktionärer Film auf einmal so einen Kultstatus erhält. Das ist, glaube ich, auch eine Entlastungsstrategie gewesen, diesem sehr politisierten studentischen Umfeld mal knapp 100 Minuten zu entfliehen und da mal irgendeinen Unfug zu machen.

Arne Schenk: Zumal die Studenten ja noch sehr nah an der Schulrealität drin sind. Ich glaube, dass jeder seine eigenen Helden hat und von Schulkameraden oder -kameradinnen erzählen kann, die irgendwas mal angestellt haben. Das trägt sich ja durch das ganze Leben, vor allem wenn man sich wieder trifft. Und der Film ist natürlich eine Blaupause dafür. Man kennt diese ganzen Scherze und Streiche. Wenn man die heute machen würde, wäre man ja genauso Revoluzzer oder Anarchist oder würde hochgehalten von den ehemaligen Klassenkameradinnen und -kameraden.

Ich habe hier noch mal rausgesucht: erste Fernsehausstrahlung 28. Dezember 64 in der DDR im Deutschen Fernsehfunk, in Bundesrepublik tatsächlich erst fünf Jahre später, fast auf denselben Tag am 26. Dezember 69, und seitdem gab es 52 Wiederholungen.

Guido von Büren: Also so ungefähr einmal jährlich.

Arne Schenk: Die öffentlichen Aufführungen sind nicht zu zählen, die ganz deutschlandweit stattfinden.

Guido von Büren: Ich kann mich noch erinnern, dass der Film noch vor der Digitalisierung des KuBas, dort schon gezeigt wurde. Da war dieser in einer ganz schlechten Kopie und ist auch gerissen und musste geklebt werden. Ja, das ist schon bemerkenswert. Wobei die Aufführungsrechte gehören…

Arne Schenk: …einer Cornelia Meyer zu Heide. Sie war im Vorstand der AfD Münster und ist offenbar noch Mitglied der Partei.

Guido von Büren: Und deshalb ist sie auch dagegen, als der Film mal im Kontext einer Ausstellung zum Film im Nationalsozialismus gezeigt werden sollte. Das wollte sie nicht.

Arne Schenk: Sie propagiert, er soll rein zur Unterhaltungszwecken dienen und nicht in irgendwelchen Kontexten gezeigt werden. Sie hat es wohl, wenn ich das richtig mitgekriegt habe, damals von Leo Kirch, der offensichtlich in dieser Hinsicht keine besondere Weitsicht gezeigt hat, die Rechte in den 70ern abgekauft. Sie war selber wohl Studentin. Und seitdem ist der Film durch die Decke gegangen.

Guido von Büren: Clever. Ich glaube, das ist auch im Kontext von diesen ersten Aufführungen, die dann in Göttingen stattgefunden haben, zu sehen.

Arne Schenk: Da wird er wohl immer noch gezeigt.

Guido von Büren: In Aachen war das, glaube ich, früher im Audimax. Im KuBa gibt es ja auch eine gewisse Tradition, aber die reicht natürlich nicht bis in die 80er Jahre zurück. Das Kino gibt es dort seit 2003. Seither gab es eigentlich auch die Aufführung der Feuerzangenbowle; zumindest kurze Zeit darauf.

Guido von Büren: Ja, was man sicherlich auch noch sagen muss, ist, dass es diesen berühmt berüchtigten Kanon „Der Frühling kommt mit Flötenspiel“ gibt, wo Heinz Rühmann schief singt als Pfeiffer, sehr schön im Stimmbruch, und dann rausgeschickt wird. Dieses Lied hat Erich Knauf für den Film komponiert. Knauf war ein sehr linker Autor und Feuilletonist, der sich durch die NS-Zeit laviert hat und dann aber ‘44 denunziert wurde und tatsächlich auch hingerichtet worden ist wegen Hochverrats. Wegen defätistischer Aussagen im Luftschutzkeller ist er zur Todesstrafe verurteilt und am 2. Mai enthauptet worden.

Arne Schenk: Und warum? Weil er im privaten Rahmen Witze über Hitler gemacht hat. 1944 ganz zum Schluss im Luftschutzbunker. Erich Ohser…

Guido von Büren: Die haben in einer Wohnung zusammen gewohnt und sind quasi parallel denunziert worden, und Erich Ohser hat dann vor Prozessbeginn Selbstmord begangen. Er ist quasi der Verurteilung zuvorgekommen.

Die Feuerzangen-Bowle hat im KuBa Kult-Charakter. Foto: KuBa

Arne Schenk: Und Erich Ohser ist auch kein Unbekannter, weil er als EO Plauen, Erich Ohser aus Plauen, die Vater-und-Sohn-Reihe, die in den 60er Jahren noch sehr populär war, geschaffen hat.

Guido von Büren: Insoweit hat der Film eine Dimension, wo man sieht, dass die Leute, die an dem Film beteiligt waren, aus sehr unterschiedlichen Milieus kamen; und das endete schon ziemlich tragisch.

Arne Schenk: Ja, absolut. Heinz Rühmann selber hat ja auch gerne propagiert, dass er durch diesen Film Jugendliche oder junge Darsteller von der Front ferngehalten habe, obwohl sich das nicht recherchieren lässt. Zumal Oliver Ohmann, der sich mit Rühmann und der Feuerzangenbowle sehr beschäftigt und ein sehr umfassendes Werk herausgegeben hat, das durch die Fülle an Informationen besticht, auch zum zeitgenössischen Kino, meinte, das eigentlich alles im zeitlichen Rahmen gewesen wäre.

Guido von Büren: Zumindest für den Zeitraum der Dreharbeiten waren sie von der Front weg oder von der Gefahr, an die Front zu gehen. Also, die haben ja auch wirtschaftlich gedacht. Das muss man auch sehen. Wenn der Film nicht in die Kinos hätte kommen können, wäre die Produktionsfirma pleite gewesen. Also ging es auch um deren Existenz. Das darf man nicht unterschätzen.

Arne Schenk: Und Heinz Rühmann selbst hat durch seine Nähe zum Nationalsozialismus zuerst Arbeitsverbot nach ‘45 bekommen. Als die britische Besatzung versucht hat, ihm das nachzuweisen, ist aber durch deren Recherchen herausgekommen, dass er offenbar nicht nah genug dran war. Und er ist dann tatsächlich freigesprochen worden und durfte wieder arbeiten.

Guido von Büren: Genau, er hat sich da ziemlich durchlaviert. Aber da könnte man jetzt so ein bisschen das Diktum von Werner Schneider zitieren, der als Österreicher das natürlich sagen durfte. Bezogen auf das Ende der DDR hat er gesagt, Leuten, die eine Sintflut überlebt haben, kann man nicht vorwerfen, dass sie nass geworden sind. Und klar ist auch, dass er mit Filmen wie Quacks der Bruchpilot natürlich schon Propaganda gemacht hat, aber er konnte es immer im Nachgang verkaufen, dass es harmlos wäre.

Arne Schenk: Er konnte seiner Leidenschaft der Fliegerei nachgehen, was sonst nicht möglich gewesen wäre. Schwierig. (Tatsächlich ist Heinz Rühmann Ende November aufgrund einer Studie zu seinem Verhalten im Nationalsozialismus eine Ehrenmedaille posthum aberkannt worden, Anm. d. Redaktion.)

Guido von Büren: Interessant ist ja noch die Rezeption. Es gibt 1970 mit Walter Giller eine Neuverfilmung. Das war vor dem Hintergrund der „Die Lümmel von der letzten Bank“-Filme, die kommerziell sehr erfolgreich waren, und Horst Wendland als Produzent wollte daran anknüpfen und hat das ganze noch mal neu verfilmen lassen. Der ist aber nicht besonders im Gedächtnis geblieben, obwohl er weitgehend mit den damals sehr beliebten Schauspielerinnen und Schauspielern besetzt war, die auch in den „Lümmel von der letzten Bank“-Filmen mitspielten, wie Uschi Glas und Theo Lingen und Käutner als Regisseur. Sie waren damit eigentlich eine Hausnummer, aber ich glaube, da waren die Rahmenbedingungen einfach schlecht. Die wollten auf dieser Welle mitschwimmen, und das ist dann schnell abgedreht worden. Und Walter Giller hat natürlich auch nicht die Aura eines Heinz Rühmanns. Das muss man auch ganz klar sehen.

Arne Schenk: Dann komme ich jetzt wieder zu zu der Verfilmung „So ein Flegel“. Es gibt eine Szene, die ist fast identisch, das ist die mit der Dampfmaschine. Das wird von einem anderen Schauspieler dargestellt, und da fehlt dann wirklich dieser rheinische Slang und dessen Mentalität. Dadurch wird die Szene fassbarer und bleibt auch im Gedächtnis. Im ersten Film ist es irgendwie so eine Geschichte nebenher, und dadurch fehlt das Stringente. Der zweite Film ist aus einem Guss, perfekt. Aber ohne „So ein Flegel“ hätte es den zweiten wahrscheinlich nicht gegeben. Denn der war seinerzeit wohl ein Riesenerfolg, so dass auf das Buch „Die Feuerzangenbowle“, das dann entstanden ist, so wie wir es kennen, drauf geschrieben wurde, das es das Buch sei, nach dem der Film gedreht worden ist, obwohl es gar nicht so stimmt. Aber man hat damit Werbung gemacht. Und das hat zur Popularität von der Feuerzangenbowle auch mit beigetragen. Ganz erheblich.

Guido von Büren: Ja, und es war wohl auch tricktechnisch schon auf hohem Niveau, weil in der Endszene beide auf der Bühne stehen, und für 34 war das schon eine Hausnummer. Aber „Die Feuerzangenbowle“ ist sicherlich für die Kunst und Kulturgeschichte im deutschsprachigen Raum im populären Bereich ein Schlüsselwerk. Am Ende kann man natürlich immer viel analysieren, aber es bleibt ein guter Film. Er ist kurzweilig und funktioniert auch heute noch. Das ist auch ein Punkt, dass vieles von dem, was so mythenhaft zur großen Filmkunst erklärt wird, du dir heute eigentlich nicht mehr angucken kannst.

Arne Schenk: Ja, das ist Nostalgie: die Erinnerung an eine Vergangenheit, die es so nie gegeben hat. Ein Wohlfühlerlebnis, ein emotionales Ereignis. Zeitunabhängig.

Guido von Büren: Jetzt müsste man eigentlich eine Feuerzangenbowle machen.

Arne Schenk: Genau.


Im Jülicher Kulturbahnhof läuft „Die Feuerzangebowle“ am Freitag, 19. Dezember, um 20 Uhr


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