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Christine Maes-de Smet: Adelige Frauen der Renaissance

auf der Suche nach Freundschaft und Liebe

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Adelige Frauen auf der Suche nach Freundschaft und Liebe | Bearbeitung: ©HZG
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Als Band Nr. 10 der Jülicher Forschungen erschien im vergangenen Jahr eine Untersuchung des im Arenbergischen Familienarchiv in Edingen (B) erhaltenen Briefwechsels der vier Töchter des Herzogs Wilhelm V. von Jülich Kleve Berg mit Margaretha von der Marck-Arenberg (1527-1599). Die Belgierin Christine Maes legte den Schwerpunkt ihrer Forschungsarbeit auf die Untersuchung der gesellschaftlichen Stellung, der Geisteshaltung und des Selbstbilds der weiblichen Mitglieder des Hochadels vor 500 Jahren.
„Immer wenn ein Mädchen aus einer legalen Beziehung geboren wurde, hat man ihre Position, ungeachtet ihres gesellschaftlichen Status, in Relation zu einem Mann definiert. Ihr Vater und später ihr Ehemann trugen die juristische Verantwortung für ihr Tun und Lassen, und sie war gut beraten, beide zu ehren und beiden zu gehorchen.“ (Hufton, Olwen H.) Mit diesem Zitat beginnt die Autorin die Beschreibung des Lebens der adeligen Frauen. Alle Erziehung ist als eine Vorbereitung auf die Eheschließung zu sehen. Doch gab es wohl kaum eine Zeit in der es schwieriger war Einigkeit in den Eheverhandlungen zu erzielen. Politische, dynastische und auch konfessionelle Faktoren sorgten häufig für das Scheitern solcher Heiratsprojekte. Elf Jahre kämpfte Margaretha von der Marck-Arenberg für die Ehe ihres Sohnes Karl mit Sibylle von Jülich-Kleve-Berg und scheiterte…
Im Falle dieses Heiratsplans wurden zwei Könige, die geheimen Räte, der Landvogt und einige maßgebliche Ritter in die Entscheidung mit einbezogen.
Spannend, traurig und manchmal grotesk lesen sich diese Kapitel. Doch noch spannender sind die Ergebnisse des zweiten Schwerpunkts dieser Studie. Sie widmet sich der Freundschaft der „Brieffreundinnen“. Und die genaue Untersuchung der Korrespondenz zeigt, dass die Frauen durchaus Möglichkeiten der Einflussnahme auf familiäre und politische Belange hatten, wenn auch nur in Grenzen. Und sie zeigen auch, dass das vorherrschende Bild der autoritären, lieblosen und distanzierten adligen Familie (nach Lawrence Stone) zumindest in Jülich nicht bestätigt werden kann, ganz im Gegenteil.
Ein Buch, in dem nicht nur Historiker interessantes und berührendes über das Leben am Hofe des Herzogs entdecken dürften.

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