Mit Demokratiebildung kann gar nicht früh genug angefangen werden. Das dürfte gerade in der aktuellen nationalen und globalen politischen Lage unstrittig sein. Wie früh und wie überhaupt – das ist sicher diskussionswürdig. Daher wird die Beurteilung, ob Ferdinand von Schirachs erstes Kinderbuch „Alexander“ ein gelungenes ist, sicher auch je nachdem, wer es liest, sehr unterschiedlich ausfallen.
Empfohlen ist das Buch für junge Lesende ab zehn Jahren. Das passt zum Schreibstil und der Geschichte, durch die der titelgebende Alexander als Hauptfigur führt. Spontan hängt der erwachsene Leser dem Namen „der Große“ an, schon deshalb weil das fiktive Dorf, in dem die Szenerie angesiedelt ist, und die dort lebenden Menschen irgendwie antik daherkommen. An Nachkriegswirren leidend überlegt die Gemeinschaft, wie die besten und gerechtesten Gesetze aussehen könnten. Auf die Suche gehen soll der Klügste – und der ist nun ausgerechnet jener junge Alexander.
Für den – Achtung, Hybris, aber wahr – vorgebildeten Leser mit Kenntnissen über antike Mythen, Philosophie und Geschichte ist es ein absolutes Vergnügen. Denn von Schirach hat fast alles eingebunden, was im Who-is-Who-Rang der klassischen Anspielungen möglich ist: das Rätsel der Sphinx, Diogenes und seine Tonne, das Trojanische Pferd, Platons Dialoge über Gerechtigkeit und den idealen Staat und – die Lieblingsepisode der Rezensentin – die Geschichte über Alexander den Großen und sein Pferd Bukephalos. Absolut vergnüglich!
Aber eben auch ein ganz schön harter Stoff für 10+X-Jährige. Allein lassen würde ich ein Kind mit der Lektüre nicht. Hier gibt es viele Gesprächsanlässe. Wünschenswert wäre meiner Ansicht nach auch gewesen, die Quellen der Geschichte kurz zu bibliografieren.
BUCHINFORMATiON
Ferdinand von Schirach: Alexander | Verlag Penguin Junior | geb. 160 Seiten | ISBN 978-3-328-30481-4 | 18 Euro



















