Gerade habe ich mit großer Begeisterung zwei Bücher gelesen, die neu erschienen sind und beide „Migration“ auf besondere Weise thematisieren. Das Buch „Halber Stein“ von Iris Wolff und „Das schönste aller Leben“ von Betty Boras entführen den Leser ins Banat.
Durch meine aus Temeswar stammende Freundin Vera und ihre Erzählungen über die Siebenbürger Schwaben war ich auf beide Romane sehr gespannt.
Iris Wolff nimmt den Leser einfühlsam und kraftvoll mit zu den Menschen aus der Kindheit einer jungen Frau. Nach dem Tod ihrer Großmutter werden die Reise, deren Lebensgeschichte und die Menschen, die sie umgaben, ein erster Schlüssel für die Suche nach ihrer eigenen Zugehörigkeit. 20 Jahre sind vergangen, seit Sine ihr Zuhause verlassen hat. Durch die Begegnung mit Julian, einem Freund ihrer Kindheit, und Sines Eintauchen in die Landschaft Siebenbürgens öffnet sich ihr Blick für das Wesentliche: „Heimat ist der Ort, an dem die Erinnerungen aufgehoben sind“, lässt die Autorin Sine erkennen.
Betty Boras Roman ist politischer und breiter angelegt. Der Leser wird von ihr in die interessante Geschichte dieses Landstriches mitgenommen. Mit der Lebens- und Leidensgeschichte der im 18. Jahrhundert verschleppten Theresia, die ins Visier der Keuschheitskommission geriet, entrechtet und verschleppt wurde, beginnt der Roman. Darauf aufbauend schildert sie einfühlsam die Geschichte der Nachfahren dieser verschleppten Frau und endet bei Vio. Die junge Frau ist kurz nach dem Sturz der Ceausescu Diktatur mit ihren Eltern aus dem rumänischen Banat nach Deutschland geflohen. Als erstes lernt sie, sich anzupassen, bloß nicht aufzufallen. Trotz aller Widerstände findet Vio ihren Platz in der Gesellschaft.
Beide Romane haben mich gefesselt, obwohl die Schilderungen sehr unterschiedlich sind. So habe ich nicht nur viel zum Thema Heimat gelernt, sondern wurde auch sehr gut unterhalten.
Gudrun Kaschluhn
BUCHINFORMATiON
Iris Wolff: Halber Stein | Klett Cotta Verlag | TB 314 S. | ISBN 978-3-608-96660-2 | 14 Euro
Betty Boras: Das schönste aller Leben | Hanser Verlag | geb. 240 S. | ISBN 978-3-446-28451-7 | 22 Euro



















