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Gefräßig, räuberisch und faszinierend

Honigbienen, Wildbienen und zahlreiche weitere nützliche Insekten stehen auf dem Speiseplan der räuberischen asiatischen Hornisse. Zum heutigen Weltbienentag hat Imkerin Marion Krafft erklärt, was die invasive Art so gefährlich macht.

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Deutlich erkennbar sind die gelben Beine, anhand derer sich asiatische von europäischen Hornissen unterscheiden lassen. Foto: Pixabay/umsiedlungen
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„Faszinierend“ findet Marion Krafft die rund drei Zentimeter langen Insekten mit dem dunklen Körper und den gelben Füßen. Doch aller Faszination zum Trotze, die vornehmlich ihren Flugkünsten gilt, sind asiatische Hornissen bei der Imkerin gar nicht gerne gesehen. Denn die invasive Wespenart ernährt sich vornehmlich von Bienen. Ganz oben auf dem Speisezettel steht dabei die heimische Honigbiene, aber auch Wildbienen und andere Bestäuberinsekten schmecken den gefräßigen Räubern leider ausgesprochen gut.

Ihre eigenen Völker, die auf einer eher abgeschiedenen, von vielen Bäumen bestandenen Wiesen am Ortsrand von Koslar stehen, seien bisher eher unbehelligt geblieben, freut sich die Hobbyimkerin. Aber auch dort hat Krafft schon beobachten können, oder vielleicht besser müssen, wie sich die Hornissen auf die Lauer legen. Wenn die Hornissen eine Beute, wie das Bienenhaus unter Imkern fachmännisch heißt, mehrfach umkreist und das Einflugloch ausgemacht haben, bleiben sie genau darüber in der Luft stehen. Und hier beginnt die Faszination: „Asiatische Hornissen fliegen wie Hubschrauber“, beschreibt Krafft. Genau wie ein Helikopter stehen sie dann mit schwirrenden Flügeln bereit, um blitzschnell zuzuschnappen, wenn eine schwerbeladene Honigbiene mit Pollen an den Beinchen in den Stock zurückmöchte.
Letztes Jahr im Sommer sei sie am Lehrbienenstand im Brückenkopfpark unfreiwillig Zeugin geworden, wie die Hornissen quasi im Minutentakt Bienen davongeschleppt hätten, berichtet sie weiter. Einen Vorteil für all jene, die die räuberischen Insekten bekämpfen wollen, bietet allerdings genau jenes Jagdverhalten. „Die sind so fokussiert, die merken gar nicht, wenn die Klatsche kommt“, erklärt Marion Krafft und muss schon fast ein wenig schadenfroh grinsen. Doch sich mit der Fliegenklatsche bewaffnet vor dem Bienenstock aufzubauen, ist wenig zielführend, weiß sie gleichzeitig.

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Die wirksamste Art, sich der Tiere zu erwehren, bleibt die Entfernung der Nester. Bereits im zeitigen Frühjahr baut die Königin der Vespa velutina, so der korrekte Gattungsname, eine erste Behausung. Dieses eher kleine, sogenannte Primärnest könne zwar noch vergleichsweise einfach selbst entfernt und vernichtet werden – Marmeladenglas drüber, Nest rein, Glas einfrieren – grundsätzlich bleibt das aber eine Aufgabe für Fachleute. Zudem müsse man immer und unbedingt nach adulten Tieren Ausschau halten. Zwar sind asiatische Hornissen Menschen und Tieren gegenüber nicht aggressiv, werden sie angegriffen, gehen sie allerdings umgehend zum Gegenangriff über und stechen schmerzhaft zu.
Nach dem Auszug aus ihrem ersten Nest, zieht das noch junge Hornissenvolk in die deutliche größere Sommerbehausung. Das Sekundärnest ist dann nur noch unter großen Schwierigkeiten erreichbar, da es in mehreren Metern Höhe meist in Baumkronen hängt.

In unerreichbaren Höhen bauen asiatische Hornissen ihre Nester. Foto: Pixabay/apnear40

Mit ihrem großen Hunger und ihrer gleichzeitg sehr cleveren Vermehrungsstrategie breiten sich die Hornissen immer weiter aus und könnten damit schlimmstenfalls für Ernteeinbußen sorgen, malt die Imkerin ein Horrorszenario. In Frankreichs Weinregionen habe es bereits ernsthafte Schäden gegeben, denn den Tieren schmecken auf die Trauben so gut, dass sie sie in großen Mengen vertilgen.

Inzwischen ist die asiatische Hornisse in unserer Region weit verbreitet und gilt als etabliert, weswegen die Nester nicht mehr behördlich bekämpft würden, teilte die Untere Naturschutzbehörde des Kreises Düren in diesem Zusammenhang mit. Dennoch weist die Behörde darauf hin, dass die „wesentliche Maßnahme zur Eindämmung der weiteren Ausbreitung der Art“ die möglichst frühzeitige Erkennung und Vernichtung der Hornissennester ist. Denn: Aus jedem Primärnest können gleich mehrere Königinnen schlüpfen, von denen jede einzelne ein neues Volk begründen kann. Genau wie die Imkerin verweist die Naturschutzbehörde an dieser Stelle auf fachliche Unterstützung. Denn fürs laienhafte Auge sind die Nester der heimischen europäischen – und streng geschützten – Hornisse und ihrer asiatischen Schwestern nur schwer zu unterscheiden.
Die Tiere selbst können, zumindest im direkten Vergleich, recht gut auseinandergehalten werden. Die eingewanderten Insekten sind etwas kleiner als die Ureinwohner, haben einen sehr dunklen Körper, einen deutlich gelb gestreiften Hinterleib und gelbe Beine. Europäische Hornissen sind insgesamt eher goldgelb gefärbt mit rostbraunen Beinen.

Fallen, ob selbstgekauft oder gekauft, sollten auf gar keinen Fall zur Vernichtung der eingeschleppten Art verwendet werden, warnt unter anderem der Naturschutzbund Deutschland Nabu. Diesen fielen auch die geschützten einheimischen Hornissen zum Opfer. Aus dem gleich Grund rät auch der Nabu davon ab, sich selbst als Hornissenjäger zu versuchen, so man nicht mit Fachwissen wie eine Imkerin ausgestattet ist.

Weitere Informationen bietet die Untere Naturschutzbehörde des Kreises Düren. Der Nabu hat ebenfalls einige Informationen rund um den Räuber zusammengetragen.

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Klönschnacktee mit der Muttermilch aufgesogen und inzwischen beim rheinische Kölsch angekommen. Übt sich in der schreibenden Zunft seit Studententagen zwischen Tagespresse und Fachpublikationen und… wichtig: ließ das JüLicht mit leuchten.

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