„Also, ewig“, lacht Anke Keppel auf die Frage, seit wann sie als ehrenamtliche Wahlhelferin für die Stadt Jülich im Einsatz ist. Mindestens seit 2009 wird es wohl gewesen sein, überlegt sie weiter. Denn damals ist Keppel selbst als Mitglied der UWG JÜL in den Stadtrat gewählt worden. Klar, dass die Auszählung in diesem Jahr noch spannender war als ohnehin schon.
Die Stimmenauszählung zu verfolgen, gehört für die Koslarerin unbedingt zu jedem Wahlsonntag dazu. Nachdem der offizielle Teil des Jobs Wahlhelferin erledigt ist, versteht sich. Denn am Abend nach der Auszählung müssen die sorgfältig und nach genauen Vorgaben verpackten Wahlzettel persönlich ins Rathaus gebracht werden. Eine Aufgabe, die dem Wahlvorstand obliegt.
Freiwillig gemeldet habe sie sich nicht, schmunzelt Anke Keppel. Wie viele andere ist sie angeschrieben und „einberufen“ worden. „Biste im Topf, biste im Topf“, grinst sie, ärgert sich aber keinesfalls darüber. Vielmehr empfindet Keppel, es bedeute, „staatsbürgerliche Verantwortung“ zu übernehmen. Außerdem mache sie es gerne. Angefangen hat sie als Beisitzerin im heimischen Wahllokal, der Grundschule in Koslar. Inzwischen ist sie als Wahlvorstand verantwortlich für den korrekten Ablauf. „Jede Wahl ist anders“, weiß sie aus vielen Jahren Erfahrung zu berichten. Ein Grund für Anke Keppel, die angebotenen Schulungen für Wahlhelfer regelmäßig wahrzunehmen. Bei einer Bundestagswahl werde anders gezählt als bei einer Kommunalwahl, die ja „im Prinzip vier Wahlen auf einmal“ sei. Bürgermeister, Landrat, Kreistags- und Stadtratsabgeordnete müssen bestimmt werden.
Los geht es an jedem Sonntag mit dem Treffen aller acht Wahlhelfer morgens um halb acht. Vier der Helfer fungieren als Beisitzer. Hinzu kommen Schriftführer und Stellvertreter sowie Vorsitzender und Stellvertreter. Bevor der Wahlraum geöffnet werden kann, muss die Urne verschlossen werden – aber erst, nachdem das gesamte Team sich überzeugt hat, dass die Wahlurne tatsächlich leer ist. Dann wird festgelegt, wer welche Schicht und welche Aufgabe übernimmt. „Alles ist genau geregelt“, hält Anke Keppel fest. Im Vorfeld jeder Wahl bekommen die Wahlhelfer eine Broschüre, in der alle Details aufgeführt sind. Keppel zieht ein Beispielexemplar aus der Tasche. Auf vielen Seiten hat sie sich das Wichtigste markiert. „Ich arbeite das immer vorher durch“, erläutert sie fast schon entschuldigend. Schließlich müsse man wissen, was zu beachten ist. Gezählt wird gemeinsam oder genauer: parallel. Da wird es schon einmal „wuselig“, weil alle acht Personen nach einem genau festgelegten Schema auf dem großen Tisch in ordentliche Stapel schichten. Die Schriftführer halten jeden einzelnen Schritt in einer exakt vorgegebenen „Niederschrift“ fest, die am Ende des Tages von allen Beteiligten unterschrieben wird. Lachend erinnert sie sich an eine Wahl, bei deren Auszählung ein interessierter Beobachter als Zaungast die ganze Zeit dabei war. Hinterher gab es ein dickes Lob für die gewissenhafte Arbeit des Wahlteams. So was sei selten, aber besonders erfreulich, konstatiert die langgediente Wahlvorständin.
Das Wahlwochenende beginnt für Anke Keppel übrigens bereits am Samstag vorher. Denn dann fährt sie zum ersten Mal ins Rathaus und nimmt eine „riesige Kiste“ in Empfang, die alles enthält, was das Team benötigt: Wahlurne, Stimmzettel, Wählerverzeichnis und ein Schreiben, das auf eventuelle Besonderheiten hinweist. So könne es etwa vorkommen, dass jemand im Wählerverzeichnis aufgelistet ist, aber kurzfristig weggezogen ist. Auch der unwahrscheinliche Fall, dass jemandem das Wahlrecht entzogen worden ist, würde hier aufgeführt. Ebenfalls zur „Ausrüstung“ gehört ein „Diensthandy“, damit im Zweifel das Wahlamt erreicht werden kann. Mittags um 12 Uhr greift Anke Keppel an jedem Wahltag zum Telefon, denn dann muss die bis zu diesem Zeitpunkt erreichte Wahlbeteiligung durchgegeben werden. Wie gesagt: alles genau geregelt.
Wie lange sie das Ehrenamt noch ausüben möchte? „Solange ich meine sieben Sinne zusammenhabe. Ich mache das gerne“, kommt die überzeugte Antwort. Und wer weiß, vielleicht kehrt sie eines Tages zurück in die aktive Politik – auch wenn diese gerade im Lokalen bestimmt nicht einfacher würde.