Die Serie Miami Vice hat mehrere Generationen geprägt, einer Stadt ein komplett neues Image verliehen und die Filmlandschaft für immer verändert – vor allem aber die Art, wie Musik in Film und Serien eingesetzt wird. Miami Vice war die erste Serie, die aktuelle Popsongs nutzte, um eine besondere Atmosphäre zu schaffen.
Das Miami-Vice-Ambiente zeigt sich schon in der Pilotfolge „Heißes Pflaster Florida“ – mit der Szene, die wohl jeder kennt, der in den 80ern aufgewachsen ist: Crockett und Tubbs fahren in Sonnys schwarzem Ferrari Daytona Spyder zu „In the Air Tonight“ von Phil Collins durch die dunklen Straßen von Miami, um den Drogenbaron Calderone zu stellen.
Zu hören ist fast nur der Song in voller Länge, kaum Hintergrundgeräusche – lediglich das Nachladen einer Schrotflinte, der Sound des startenden Ferraris, ein kurzer Austausch zwischen Crockett und Tubbs sowie ein kurzes Telefonat. Das war’s. Ansonsten nur „In the Air Tonight“. So entsteht Atmosphäre: Musik wird nicht nur zur Untermalung von Dialogen eingesetzt, sondern um ein bestimmtes Gefühl und eine bestimmte Ästhetik zu erzeugen. Die Songs in der Serie wurden nicht einfach nur verwendet – die Szenen wurden oft passend zu den Songs gedreht. Das revolutionierte den Einsatz von Musik in Film- und Serienszenen.
Für viele Künstler war es ein Ritterschlag, einen Song in einer Miami Vice-Folge platzieren zu dürfen – das ist das Äquivalent dazu, heutzutage mit einem Song auf TikTok viral zu gehen.
Auf dem ersten Soundtrack befinden sich natürlich neben „In the Air Tonight“ auch das coole Instrumental-Intro von Komponist Jan Hammer, der für den gesamten Miami Vice-Score verantwortlich ist. Außerdem sind zwei Solo-Songs des Sängers der Eagles Glenn Frey enthalten: „Smuggler‘s Blues“, das in Episode 15 verwendet wird, um die Szene zu untermalen, in der Crockett und Tubbs als Undercover-Agenten mit dem Flugzeug vor einem Kartell fliehen, mit dem sie zuvor bereits zu tun hatten (ein Einsatz, bei dem es um Leben und Tod geht), und „You Belong to the City“, das in der Episode „Auf dem Kriegspfad“ vorkommt und einen nachdenklichen Crockett zeigt, der durch die Straßen von New York spaziert und dabei natürlich unglaublich cool wirkt. Auch Tina Turner ist mit „Better Be Good to Me“ vertreten. Der Song zeigt, wie Gina und Trudy sich auf ihren Undercover-Einsatz in den Straßen von Miami vorbereiten und ihn in die Tat umsetzen. Ebenso ist Chaka Khan mit „Own the Night“ vertreten, der in der zweiten Staffel eingesetzt wurde, um das Feeling im Club perfekt einzufangen.
Die einzige Schande am Soundtrack ist, dass „Somebody’s Watching Me“ von Rockwell und Michael Jackson nicht dabei ist. Das ist wohl einer der prägendsten Songs der Serie gewesen. Es gibt vermutlich mehr Menschen, die beim Hören sofort an die Szene mit dem tanzenden Ricardo Tubbs denken als an das offizielle Musikvideo.
41 Jahre nach der Veröffentlichung des ersten Soundtracks von Miami Vice lässt sich sagen: Die Musik ist immer noch zeitlos, und Don Johnson sowie Philip Michael Thomas sind wohl die coolsten Typen, die je auf einem Fernsehbildschirm zu sehen waren.



















