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Kanzlerin im Deutschen Dauerbund?!

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Foto: Andrey Burmakin
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Angela Merkel – promovierte Physikerin, Ministerin und „Kohls Mädchen“, CDU-Parteichefin, „Muddi“ der Nation, „ewige“ Kanzlerin! Das sind Etiketten, die der gefühlt endlosen Ära der ersten Kanzlerin unseres Landes anhängen. Zur Bundestagswahl am 26. September 2021 ging diese Kanzlerinnen-Epoche in der Deutschen Dauerbund zu Ende.

16 Jahre Kanzlerin der Deutschen, das ist eine, nein das ist die Generation Merkel. Und stell‘ dir vor, Du bist am 27. September 2021 aufgewacht und, oh Schreck, Angela Merkel war nicht mehr Kanzlerin sein… Vielen Wählern und Wählerinnen wurde es wahrscheinlich erst an der Wahlurne bewusst: Angela Merkel kandidiert nicht mehr.

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Über dem Kanzleramt stehen nach der Wahl die Namen Laschet, Scholz oder Baerbock.
Die einen sagen: „Wir werden sie noch vermissen“ Andere meinen: „Gut, dass sie endlich abgetreten ist.“ Also was nun, Deutschland? Was bleibt nach Merkel von Merkel?

Viele haben Angela Merkel eine Kanzlerfähigkeit und schon gar nicht 16 Jahre Kanzlerschaft zugetraut. Sie wurde schlicht unterschätzt, was Sie mit ihrem innerparteilichen Ziehvater Helmut Kohl, bekanntlich selbst 16 Jahre Kanzler gewesen, gemeinsam hat. Aber als Protegés des übergroßen Helmut Kohls waren ihr dessen Fußstapfen bei weitem nicht zu groß, nicht als langjährige CDU-Parteivorsitzende und auch nicht als Kanzlerin. Seit Jahren gilt sie als die wichtigste und mächtigste Politikerin der Welt, als die stärkste Verteidigerin unserer westlichen Werte.

Historiker werden Angela Merkel als so disziplinierte und sachorientierte wie unaufgeregte und verhandlungsfeste Krisenmanagerin auf nationaler und internationaler Bühne beschreiben. So hat unsere Kanzlerin unseren Deutschland-Dampfer routiniert und prinzipientreu durch die Finanz-, Flüchtlings- und Corona-Krise gesteuert und ihn trotz mancher, von ihr selbst klug zugestandener Fahrten auf Sicht stets sicher in den Hafen politischer und wirtschaftlicher Stabilität zurückgeführt.

Angela Merkel hat ein Zeitalter der Sicherheit, des friedlichen Miteinanders und der unvergleichlichen Prosperität in Deutschland und Europa geprägt. Sie ist als deutsche Kanzlerin – im Übrigen auch in der politischen Nachfolgeschaft Helmut Kohls – durch und durch Europäerin und hat immer wieder federführend und mit Hilfe der stabilen deutsch-französischen Achse trotz vieler populistischer Unruhestifter im europäischen Haus dessen Einheit bewahren können.

Nahezu einmütig ist das Urteil insbesondere der westlichen Staatenlenker, aber auch nahezu rund um den Erdball: Angela Merkel hat das Ansehen Deutschlands ungemein befördert. Sie hat Deutschland mit ihrer Politik des leisen Pragmatismus und der ausgleichenden Konzilianz und nicht zuletzt mit ihrem uneitlen und unbestechlichen Regierungsstil weltweit ein sympathisches Gesicht verliehen. Die erste Kanzlerin unseres Landes hat den Menschen auch in ihrem Lebensgefühl Sicherheit und Verlässlichkeit vermittelt.

Bei allem rasanten Wandel im Zuge der Globalisierung und Digitalisierung ist sie zu keinem Zeitpunkt in Hektik oder Ungeduld verfallen, sondern hat sie teilweise mehr präsidial als exekutiv sowie mit für die Menschen verständlicher Sprache Problemlagen moderiert und konsensuale Lösungen gestaltet.

Offenbar hat die naturwissenschaftlich geprägte und zielführende Sachlichkeit Angela Merkels uns Deutschen nach dem legendären Kanzlerpatriarchat Helmut Kohls und der umstrittenen Basta-Kanzlerschaft Richard Schröders richtig gut getan.

Und ihre Erfolgsbilanz in politischer und wirtschaftlicher Hinsicht lässt sich trotz heftiger Corona-Krise sehen: Die Deutschen leben so wohlhabend wie noch nie, die Arbeitslosigkeit ist drastisch zurückgegangen, die Staatshaushalte sind ausgeglichen. Angela Merkel hat Deutschland zudem durchaus modernisiert, was von einer CDU-Kanzlerin nicht gerade erwartet wurde. Sie war die Kanzlerin fortschrittlicher Politik, die in Teilen vielleicht nicht fortschrittlich genug war. Der Ausstieg aus der Atomenergie, die Abschaffung der Wehrpflicht, die Ehe für alle, der Einstieg in die Euro-Armee, die Politik der schwarzen Null, der Schub in der Frauenemanzipation, die Forcierung der Anstrengungen gegen den Klimawandel im Zuge der Energiewende und nicht zuletzt das Bekenntnis zur Flüchtlingspolitik mit menschlichem, tolerantem Antlitz sind Meilensteine Merkelscher Erfolgsbilanz. Vieles davon war umstritten und wurde angefochten, auch und gerade in ihrer eigenen Partei.

Aber unsere Kanzlerin hat ihr Talent zur Moderierung und Befriedung perfekt genutzt, diese Projekte zu realisieren, ohne dass es zu zumindest allzu großer politischer und sozialer Unruhe gekommen ist. Und wir Bürger und Bürgerinnen haben dieses Klima des Ausgleichs und des Konsenses in der großen Mehrheit dankbar und entspannt angenommen und unser Schicksal der „Muddi“ der Nation gerne anvertraut.

Es ist dabei nicht zu übersehen, dass mancher Fortschritt zum Beispiel in der Digitalisierung und der Erneuerung der Infrastruktur oder manche Reform im Steuerrecht oder im Renten- und Bildungssystem nicht oder nicht hinreichend gelungen ist. Aber bei so viel Licht in der Ära Merkel muss es zwangsläufig auch Schatten geben. Letzteres betrifft im Übrigen auch die zunehmend zu Tage tretende programmatische Konturenlosigkeit der CDU, von der schwächelnden SPD ganz abgesehen.

Hier ist die neue Generation Politiker gefordert, die alten Volksparteien wieder zu denjenigen der Zukunft zu machen, mithin diese Parteien wieder programmatisch und personell aufzurüsten. Jedenfalls bedeuten 16 Jahre routinierte und souveräne Kanzlerschaft Angela Merkels eine unerreichte Höchstleistung in politischer wie menschlicher Hinsicht.

Ein größeres Vorbild war für die die Entwicklung der Frauenrechte kaum möglich. Ein besseres Vorbild war für alle im Politikbetrieb Engagierten und Verantwortlichen nicht möglich.

Und was bleibt über die Ära Merkel hinaus sonst?

Die Erinnerung an ein 16 Jahre andauerndes, politisch stabiles und wirtschaftlich erfolgreiches Zeitalter in Frieden und Wohlstand. Und vor allem die Merkelsche Migrationspolitik, manifestiert in der Grenzöffnung in 2015, dem einzigartigen humanitären Akt von historischer Dimension. Helmut Kohl wird jedenfalls posthum stolz auf sein „Mädchen“ sein.

Und wir Deutsche werden uns, gleich ob Laschet, Scholz oder Baerbock auf dem Kanzlersessel Platz nehmen werden, noch sehr nach dem ruhigen, abgeklärten und ausgeglichenen Politikstil der ersten deutschen Kanzlerin zurücksehnen. So wird die Ära Merkel über die Ära Merkel hinausstrahlen… Eben eine Ära im der Deutschen Dauerbund…


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