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Zuverlässiger als das Wetter

Wetterfreunde Güsten | Arbeitsgemeinschaft trifft zuverlässigere Wettervorhersagen als Messstation im Forschungszentrum

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Wetterfreunde Güsten | Foto: HZG
Wetterfreunde Güsten | Foto: HZG
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Kurz vor Redaktionsschluss bestätigte der Sprecher des Bundesamts für Energie, Vernetzung und Agrarwirtschaft, kurz EVA, die unübertroffene Wettervorhersagegenauigkeit der WETTERFREUNDE GÜSTEN. Vorstandsvorsitzender Walter Temps zeigte sich sichtlich begeistert. „Unsere Mühen zahlen sich endlich aus – jetzt ist es offiziell!“, freute sich Temps im Gespräch mit dem HERZOG magazin.

Die WETTERFREUNDE GÜSTEN haben gleich doppelt Grund zur Freude: Zum einen erteilte das EVA-Bundesamt die lang ersehnte Zertifizierung und zum anderen gibt es auch noch eine Auszeichnung. Mitte April, der genaue Termin wird noch bekannt gegeben, erhalten die engagierten Freizeit-Wetterforscher den renommierten Preis der Leibniz-von Hunoldt-Stiftung. Die feierliche Preisverleihung wird voraussichtlich im Jülicher Forschungszentrum (FZJ) stattfinden. Aus dem FZJ, das sich bereits seit Jahrzehnten mit Wetterforschung und möglichst genauen Prognosen auseinandersetzt, war im Übrigen bisher leider keine Stellungnahme zu erhalten. Die Jülicher Profis unter den „Wetterfröschen“ gehen bei der diesjährigen Preisverleihung leider leer aus.

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Die 14-köpfige Güstener Gemeinschaft, die sich aus vier Landwirten, fünf pensionierten Geographen und Physikern sowie sechs wetterinteressierten Laien zusammensetzt, nutzt für ihre Wettervorhersagen eher unübliche Methoden:

So werden gängige Bauernregeln und Prognosen des 100-jährigen Kalenders ausgewertet.

„Schließlich sind und waren die Landwirte diejenigen, die immer am allermeisten vom Wetter abhängig waren!“,

erklärt Landwirt Jürgen Agrimeyer. Eine ganze Armada der sogenannten Wetterfrösche hilft dann, diese Prognosen zu verifizieren. Sitzt der kleine grüne Geselle im oberen oder im unteren Drittel der kleinen Leiter in seinem Einmachglas?

Nicht jeder x-beliebige grüne Hüpfer eignet sich für eine Karriere als Wetterfrosch. „Einige Voraussetzungen muss so ein Tier schon erfüllen“, meint Jonathan S. Meyer, mit gerade einmal 17 Jahren der Jüngste im Bunde. Jonathan ist für Aufzucht und Pflege der grasgrünen Frösche zuständig. Hyla Arborea, so der korrekte lateinische Name für die leuchtend grünen „Kollegen“ der WETTERFREUNDE GÜSTEN, hat es gerne kühl und feucht. Zu kalt wiederum darf es in dem kleinen Teich, den Froschzüchter Jonathan im Garten des elterlichen Hauses angelegt hat, allerdings auch nicht werden. Dann nämlich buddeln sich die Tiere in den schlammigen Untergrund und verharren in Winterstarre bis es wieder warm genug ist. Das würde die Pläne und Prognosen der WETTERFREUNDE GÜSTEN natürlich empfindlich stören. Folgerichtig besitzt der Teich eine eigene Heizung – seine Bewohner müssen natürlich auch in der kalten Jahreszeit einsatzbereit sein. Im Einmachglas verbringt so ein Tier höchstens zwei Tage am Stück.

„Sonst leiden die Frösche unter Klaustrophobie und verkümmern“,

erläutert der junge Frosch-Experte.

Weniger schwierig in der Pflege ist das FitzRoy-Sturmglas. Für Temps ist das Gerät mit seiner sensiblen chemischen Zusammensetzung das Highlight der Messgeräte schlechthin. Das kompliziert anmutende Gerät zeigt – der Name lässt es vermuten – Schlechtwetterfronten an. Die sich bildenden und wieder auflösenden Kristalle im Sturmglas geben hierbei Aufschluss über bevorstehende Stürme oder Wetterumschwünge.

Beide Methoden zusammen bilden die Grundlage für die künftige Prognose. Mittels einer ausgeklügelten Formel, die vorerst geheim gehalten werden soll, errechnet der pensionierte Physiker Herbert Zahlgraf eine präzise, homogene Voraussage. Eine Hürde muss sein Ergebnis nun allerdings noch nehmen: „Die Prognose muss jetzt nur noch von unserem Opa abgesegnet werden“, berichtet Zahlgraf mit einem Schmunzeln.

Liebevoll „Gemeinschafts-Opa“ gerufen wird Karl-Heinz Kohlberg, der mit seinen 91 Jahren zwar stark unter seinem ausgeprägten Rheuma leidet, sich und den WETTERFREUNDE GÜSTEN die quälende Krankheit aber zu Nutze macht. Ob die zuvor errechnete Wettervorhersage präzise genug ist, merkt Opa Karl-Heinz sofort in den knackenden Gelenken. Vorstandsvorsitzender Temps erklärt:

„Erst wenn Karl-Heinz das abschließende OK gibt, geht die Prognose raus auf die Homepage.“

Dabei glaubt natürlich keiner der Freunde, dass es sich hierbei nur um eine reine Rheuma-Vorhersage handelt, sondern „um ein langjährig gewachsenes, unterbewusstes Gespür für Wetter, dass sich nun im Rheuma äußert und auf welches man eigentlich nur Neidisch sein kann!“, so der Vorsitzende Walter Temps. „Anfangs haben wir eher als Scherz nachgefragt, was „Opas“ Rheuma wohl dazu sagt, doch nachdem wir anfingen bei nicht eindeutigen Wetter-Werten nicht „die Münze“, sondern das Rheuma entscheiden zu lassen, lagen wir erstaunlich oft genau richtig.“ So bauten die WETTERFREUNDE GÜSTEN auch diese Variable fest in ihre Formel ein.

Seit dem Herbst 2013 versuchen die WETTERFREUNDE GÜSTEN sich nun auch an Langzeitprognosen. Ihre ersten Versuche trafen direkt ins Schwarze. Dass der Winter 2013/14 seinen Namen nicht im Ansatz verdienen würde, war der Güstener Arbeitsgemeinschaft schon lange klar. Wie der kommende Sommer wird? Angesichts dieser Frage breitet sich leichte Nervosität im Raum aus. Keiner der Anwesenden rückt so recht mit der Sprache heraus. Schließlich erbarmt sich Karl-Heinz Kohlberg, jedenfalls ein wenig: „Sagen wir es mal so, die Menschen sollten am besten den Frühling genießen und so viel Zeit wie möglich an der frischen Luft verbringen.“ Die diplomatische Antwort lässt viel Raum für Spekulationen. Ob im  FitzRoy-Sturmglas wilde Winde toben und außer Regen nicht viel Gutes auf Sonnenhungrige       wartet? Wer es genau wissen möchte, wirft einen Blick auf die Internetpräsenz. Dort können die     seit Neuestem zertifiziert zuverlässigen, stündlich aktualisierten Wettervorhersagen der ARBEITSGEMEINSCHAFT WETTERFREUNDE GÜSTEN für die kommenden drei Tage eingesehen werden.

„Ganz stolz sind wir auf unsere Jülic°h-Wetter-APP, welche wir in Zusammenarbeit mit dem Fachbereich Kommunikationsdesign der FH-Aachen entwickeln durften.“

Veröffentlicht wird die wohl lokalste Wetter-APP am 01.04.2014 und dürfte von da an alle Jülicher mit den exaktesten Wetterinfos versorgen. Einen kleinen Wermutstropfen gibt es allerdings: „Unsere APP läuft nicht auf jedem Smartphone.“

Der HERZOG freut sich bald immer passend gekleidet zu sein und wünscht sich einen Sommer wie er früher einmal war.


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