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Horrido, raus geht’s

Raus – das wollen auch Jutta Tauber sowie Dagmar und Kilian Klinkenberg. Sie sind seit bis zu 20 Jahren in der Jugendabteilung des Eifelver- eins im Ortsverein Jülich tätig, der mittlerweile 400 Mitglieder zähl

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Foto: Verein
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Was machen Sie denn im Winter, wenn es nicht so einfach ist, raus zu gehen? Indoor-Wandern?

Der Wanderer sagt immer: „Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung.“ Ein Mal im Monat wird mindestens gewandert, manchmal auch öfter, wenn es zum Beispiel überregionale Aktionen gibt. Allerdings haben wir auch die Aktion „In den Schnee oder um den See“ – wenn gutes Wetter ist, suchen wir uns einen schönen See, und wenn es schneit, nehmen wir eine schöne Route, die an dieses Wetter angepasst ist. Allerdings wandern wir nicht nur, sondern basteln auch und wir fahren beispielsweise im Januar jedes Jahr Schlittschuh. Ansonsten versuchen wir für dieses Jahr, ein Grillfest zu organisieren, das etwa auch denen zugute kommen soll, die früher gerne gewandert sind und es heute nicht mehr können, und mittlerweile ist fast eine Tradition, dass die Kinder für die Senioren auf der Adventsfeier ein Theaterstück vorführen.

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Welche Aufgabe stellt sich der Verein? Ist der Verein aus den alten Ideen und Traditionen „herausgewachsen“ oder ihnen treu geblieben?

Grundaufgabe ist, die Eifel und Umgebung der Jugend näher zu bringen, und das wird auch heute noch gelebt. Insgesamt ist der Verein sich selbst treu geblieben, auch wenn man etwa früher in „Knickerbocker und Flanellhemd“ wandern ging, was heute nicht mehr der Fall ist.

In welchem Alter sind Sie selbst beigetreten?

Kilian war vor 20 Jahren eines der Gründungsmitglieder und ist mit 5 Jahren der Jugendgruppe beigetreten. Diese Gründung der Jugendabteilung ging nicht vom Verein, sondern von interessierten Kindern aus – die meisten, die damals eintraten, sind heute noch Mitglied. Er hat dadurch kurze Zeit später seine Mutter auch begeistern können. Jutta Tauber war in der Jugend bereits im Verein, ist mit Auszug von zu Hause ausgetreten und vor etwa zehn Jahren unter Anderem ihres Sohnes wegen, der gerne mit Gleichaltrigen wandern wollte, wieder eingetreten.

Was braucht man, um dem Verein beizutreten? Reichen Wanderschuhe, oder muss man etwa ein „Teamplayer“ sein?

Feste Schuhe mit Profil reichen für den Anfang bereits aus. Normalerweise treten kaum Mitglieder ein, die nicht wenigstens ein paar Freunde, Bekannte oder Familienmitglieder im Verein haben – zu mehreren macht es einfach mehr Spaß. Man kann natürlich auch heute viel einfacher sich die Routen aufs Handy laden und loslaufen, das macht alles noch einmal angenehmer. Um jedem den Verein ermöglichen zu können, ist der jährliche Beitrag auch absichtlich niedrig und liegt bei nur einem Euro.

Wie kriegt man Jugendliche dazu, raus zu gehen?

Das Wandern alleine reizt die heutige Jugend eher weniger. Sie kommen vor allem mit, weil wir auf den Wanderungen immer auch „Highlights“ haben. Ein Mal waren wir zum Beispiel auf der Sommerrodelbahn und ein anderes Mal haben wir Stöcke auf der Sophienhöhe gesucht und „Hexenbesen“ gebastelt. Um diese Stöcke zu finden, nahmen die Kinder gerne eine Wanderung in Kauf. Bei diesen Aktionen achten wir im mer darauf, dass das Gruppenklima stimmt. Geocaching etwa wurde bei uns, besonders als Gruppenaufgabe, nicht gut angenommen, auch wenn es anderswo mit Freude betrieben wird. Abgesehen davon lassen mehrtägige Fahrten die Mitglieder zusammenwachsen, dadurch entsteht eine gute Gruppendynamik. Allerdings bedenken wir immer, dass der Jüngste auch die Wanderung und das Thema bestimmt – daher versuchen wir, altersübergreifend zu agieren. Wir trennen nicht zwischen Kindern und Jugendlichen, daher sind in unserer Gruppe, die aus etwa 40 Mitgliedern besteht, Menschen zwischen einem und 24 Jahren. Wenn der oder die Jüngste nicht mehr kann, dann wird eben Pause gemacht und spontan eine Aktion gestartet, so entstand etwa ein Mal ein Floß. Die Jugendlichen bestimmen eben auch die Inhalte – viele legen sogar Wert darauf, die Jugendleitercard zu erhalten oder später auch Jugendwanderführer zu werden.
Bevor wir eine Wanderung starten, wissen wir allerdings nie, wer alles kommt und wie viele es werden – beim Eifelverein sind auch Gäste willkommen und es gilt das Prinzip „Wer kütt, der kütt.” Anmeldungen gibt es nicht.

Erklären Sie in drei Sätzen, warum Jugendliche dem Verein beitreten sollten.

Wir dürfen, über die Grenzen des Wanderns hinweg, alles machen, was wir möchten, ob es Schlittschuhfahren oder Schwimmen ist. Außerdem kann man sportlich aktiv werden und neue Leute kennenlernen. Man kann ganz allein, ohne seine Eltern, wegfahren und allein mit seinen Freunden eine schöne Zeit verbringen.

Gibt es im Verein konkrete Rollenverhältnisse, aus denen Sie immer erst heraus nden müssen, oder haben alle ein eher freundschaftliches Verhältnis?

Wir haben ein sehr freundschaftliches Verhältnis zu den Jugendlichen. Wir sprechen auch über ganz persönliche Themen und was sie generell im Moment beschäftigt. Wir haben zwar immer einen Wanderführer, an den sich alle halten, aber sonst ist man ziemlich auf einer Ebene.


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