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Von Wurzeln und Flügeln

Ein Portrait des deutsch-russischen Vereins „Wurzeln e.V.“

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Verein Wurzel | Foto: Verein
Verein Wurzel | Foto: Verein
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„Solange die Kinder klein sind, gib ihnen Wurzeln; sind sie älter geworden, gib ihnen Flügel.“ Die Gedanken, die die Gründer des russisch-
deutschen Vereins „Wurzeln“ bei der Gründung desselben gehabt haben, dürften jenem alten indischen Sprichwort nicht ganz unähnlich gewesen sein – weder inhaltlich, noch die Namensgebung betreffend. Fanden sich doch vor ziemlich genau fünf Jahren in Jülich zwei russischstämmige Familien, die zu der Ansicht gelangten, man müsse den Kindern ermöglichen, die Sprache Tolstois und Dostojewskijs auch fürderhin zu sprechen. „Heute zählen wir bereits rund fünfzig Familien“, berichtet die Vorstandsvorsitzende Elena Wyrwich, die dem Verein zusammen mit Iryna Schumacher vorsteht. Betrachtet man die vielseitigen Aktivitäten des Vereins, um so selbstverständlicher erscheint der sprunghafte Zuwachs an Mitgliedern, die nicht nur ihre gemeinsamen Wurzeln pflegen, sondern das kulturelle Angebot im Jülicher Land bereichern. Seit kurzem besucht man, im Auftrag des Kulturbüros der Stadt Jülich Grundschulklassen im Rahmen des NRW-Projekts „Kulturstrolche“. Die Zweit- Dritt- und Viertklässler werden zu einer spannenden Märchenreise in das Reich der Zaren und Kosaken eingeladen. Daran, dass es den deutschen Grundschulkindern ganz besonderen Spaß bereitet, zu lernen, wie man den eigenen Vor- und Nachnamen einmal in kyrillischen Buchstaben schreibt, erinnert sich Elena Wyrwich gerne. In der Tat: Es ist die russische Sprache, die für die sprichwörtlichen Wurzeln steht. Aber was ist mit den Flügeln? Neben der Tatsache, dass man beim „Wurzeln“ e.V. mittlerweile fünf ganze Klassen unterhält, in denen Kinder in den Räumen der VHS Jülich gemeinsam die russische Sprache vertiefen, fühlt man sich als Kulturverein. Und so bieten Kunst und Kultur häufig Anlass zum Zusammentreffen sowie zum Austausch, finden sich in den Reihen der „Wurzeln“- Mitglieder doch einige Künstler. Neben Fotografen, Malern, Kostümschneidern und Volksschauspielern, gibt es Mitglieder, die sich besonders auf das Zubereiten der kulinarischen Spezialitäten ihrer Heimat oder auf das Herstellen kunstvoller Handarbeiten verstehen. Dem trägt der Verein mit regelmäßigen Ausstellungen Rechnung, zu denen sich längst Besucher verschiedenster Herkunft eingeladen fühlen. Den Höhepunkt eines jeden Jahres stellt jedoch immer das traditionelle Weihnachts- und Silvesterfest „Jolka“ dar, das aufgrund des starken Zuwachses an Besuchern ab diesem Jahr in der Aula von Haus Overbach stattfinden wird. Hierzu ist jeder herzlich eingeladen, der Weihnachten liebt, so wie man es aus dem Märchenbuch kennt. Alljährlich gibt es im Rahmen der Jolka (dt. Weihnachtsbaum) kleine Theateraufführungen und stimmungsvolle Lieder, während Väterchen Frost die Kinder beschenkt. Kurzum: Wer sich die Aktivitäten und das Engagement von „Wurzeln“ einmal genau betrachtet, wird jenen Recht geben müssen, die behaupten, Kunst und Kultur bildeten den sprichwörtlichen „Kit“, der Gesellschaftsstrukturen unterschiedlicher Herkunft zusammenhält. Man besinnt sich auf die gemeinsamen Wurzeln und pflegt sie, streckt jedoch beide Arme (oder Flügel) weit aus und heißt jeden herzlich willkommen, der sich am reichen Kulturangebot beteiligen möchte. So entstehen wiederum fruchtbare Partnerschaften zu anderen Gruppierungen wie der Volkshochschule, dem Burgtheater Overbach oder dem Kulturbahnhof in Jülich. Einen hochwillkommenen Kontrastpunkt in den Zeiten des allgemeinen Vereinssterbens sowie der Auflösung gesellschaftlicher Strukturen stellt „Wurzeln“ dar und ist genauso interessant und wertvoll für jene, die die Nase voll haben von Facebook Freundschaften und sich nach echten Menschen sehnen – gleich welcher Herkunft.

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