Die Versorgung der Bevölkerung mit Strom, Wasser und Gas gehört heute selbstverständlich zur kommunalen Daseinsvorsorge. Dass diese Strukturen in Jülich bereits im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert aufgebaut wurden, ist Ausdruck eines bemerkenswerten kommunalpolitischen Weitblicks.
Den entscheidenden Anfang machte die Stadt im Jahr 1869 mit der Inbetriebnahme einer städtischen Gasanstalt auf dem Gelände an der Vogelstange. Die Entscheidung der Stadtverordnetenversammlung, rund 85.000 Reichsmark zu investieren und den Betrieb in öffentlicher Hand zu führen, war für eine vergleichsweise kleine Garnisonsstadt mit etwa 4.500 Einwohnern keineswegs selbstverständlich. Private Anbieter hatten ähnliche Projekte in kleineren Städten häufig gescheut. Umso bemerkenswerter ist es, dass Jülich hier eine Vorreiterrolle einnahm – im gesamten Kreisgebiet blieb die Stadt lange Zeit die einzige mit einer eigenen Gasanstalt.
Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten: Der Gasverbrauch stieg kontinuierlich an und übertraf alle Erwartungen. Während das Gas zunächst vor allem zur Beleuchtung diente, entwickelte sich die Versorgung schnell zu einem wichtigen Bestandteil des Alltags. Bereits 1868 gab es 47 Gaslaternen im Stadtgebiet. Kurz vor dem Ersten Weltkrieg waren es über 160 – ein sichtbares Zeichen wachsender Urbanität.
Parallel dazu wurde die technische Infrastruktur stetig verbessert. Das Gas wurde aus Steinkohle – überwiegend aus Alsdorf – gewonnen und vor Ort aufbereitet. Die Gasanstalt arbeitete dabei vergleichsweise effizient, da Nebenprodukte wiederverwendet wurden. Gleichzeitig entwickelte sich der Betrieb zu einer wichtigen Einnahmequelle für die Stadtkasse und ermöglichte weitere Investitionen.
Deutlich schwieriger gestaltete sich hingegen der Aufbau einer zentralen Wasserversorgung. Bis zur Jahrhundertwende war die Bevölkerung auf rund 239 private Brunnen angewiesen, deren Wasserqualität häufig problematisch war. Insbesondere die Garnisonsverwaltung drängte auf Verbesserungen, da hygienische Mängel ein ernstzunehmendes Gesundheitsrisiko darstellten.
Die politische Diskussion über ein Wasserwerk zog sich über Jahre hin. Erst nachdem Gutachten die mangelhafte Qualität vieler Brunnen bestätigten und eine Finanzierung gesichert werden konnte, fiel die Entscheidung. 1902 wurde schließlich das Wasserwerk an der Römerstraße mit einem 42 Meter hohen Wasserturm in Betrieb genommen. Bereits im ersten Jahr wurden nahezu alle Haushalte angeschlossen – ein enormer Fortschritt für Hygiene, Gesundheit und Lebensqualität.
Der nächste große Schritt folgte 1909 mit der Anbindung an das elektrische Stromnetz. Obwohl die Einführung der Elektrizität zunächst umstritten war (nicht zuletzt weil sie der profitablen Gasanstalt Konkurrenz machte), setzte sich die moderne Technik durch. Der Strom wurde über ein Hochspannungskabel geliefert und im Stadtgebiet verteilt. Allerdings blieb der Verbrauch zunächst hinter den Erwartungen zurück, so dass sich die Investition erst in den 1920er Jahren wirtschaftlich rechnete.
Mit der Bündelung von Gas-, Wasser- und Stromversorgung in kommunaler Hand war um 1910 die Grundlage für eine moderne städtische Versorgungswirtschaft gelegt. Für die Bevölkerung bedeutete dies einen erheblichen Zuwachs an Lebensqualität – und für die Stadt einen wichtigen Schritt hin zur Urbanisierung.





















