Start Stadtteile Jülich Strukturwandel und Wärmewende

Strukturwandel und Wärmewende

Entwickeln, anwenden und forschen, Wissen zusammentragen und eine Community aufbauen – die Ziele sind ebenso vielfältig wie die Aufgabenfelder, die Anette Anthrakidis und ihr Team bearbeiten.

1
0
TEILEN
Modelle helfen bei der Planung. Foto: IEG Fraunhofer/Sebastian Steininger (mit KI-Unterstützung erstellt)
- Anzeige -

„Unser Competence Center Integrierte Quartiersplanung forscht im Bereich der Entwicklung und Anwendung von Werkzeugen zur Planung und zum Monitoring der Energieversorgung von Quartieren unter Berücksichtigung von Sektorenkopplung und Dekarbonisierung.“ So steht es auf der Internetseite dieser Abteilung der Fraunhofer-Einrichtung für Energieinfrastrukturen und Geotechnologien IEG zu lesen.

Aber was heißt das jetzt ganz praktisch? Da muss Anette Anthrakidis erst einmal lachen, bringt aber viel Verständnis für die Fragezeichen im Gesicht des Gegenübers mit und versucht es anschaulich: „Einfach formuliert geht es bei der integrierten Planung von Quartieren in erster Linie um die zukunftsfeste Versorgung von Gebäuden mit der notwendigen Energie – ob nun Strom oder Wärme.

- Anzeige -

Wichtigster Punkt bei jedweder Planung: „Die Versorgung muss zu jedem Zeitpunkt gesichert sein. Darüber hinaus sollte ein Energieversorgungskonzept für die beteiligten Parteien wirtschaftlich sinnvoll sein. Wärme und Strom können auf verschiedene Weisen erzeugt und transportiert werden.

In Zeiten sich wandelnder lokaler und globaler Rahmenbedingungen gar nicht so einfach, optimale Lösungen zu finden. Wir denken, dass es Planerinnen und Liegenschaftsmanagern helfen wird, die Sektorkopplung zwischen Strom und Wärme sowie neue Energietechnologien wie Speicher und Wärmepumpen, Geothermie und Netze einzubinden.

So machen wir unsere Städte und Gemeinden, unsere Fabriken und Gewerbe zukunftsfest“, ist sich Anthrakidis sicher. „Unsere Tools sind dafür gemacht, mehrere Versorgungsoptionen für Gebäude und Quartiere in kürzester Zeit miteinander zu vergleichen und zu optimieren. Das bedeutet, die beste Lösung zu finden.“

Mit einem Team von 13 Mitarbeitenden arbeiten Ingenieurin Anette Anthrakidis und Kollege Sebastian Steininger seit fünf Jahren daran, die Aspekte Wärme, Strom und auch Mobilität bei der Planung neuer oder bestehender Quartiere unter einen Hut zu bringen. Dabei ist der Begriff „Quartier“ durchaus weit gefasst und reicht vom mehrstöckigen Wohnhaus über ein Ensemble von Reihenhäusern bis hin zur noch anzulegenden Wohnsiedlung.

So war das Team etwa bei den ersten Vorplanungen zum Baugebiet „Lindenallee III“ beteiligt. Über das aktuelle Projekt freut sich die Ingenieurin, die für die operative Leitung der Abteilung zuständig ist, besonders. „Wir entwickeln ein Quartiersenergiekonzept für den Aachener Stadtteil Rothe Erde.“

Dort soll auf dem aufgegebenen Gelände des Reifenherstellers Continental etwas ganz Neues entstehen. „Unser Projekt ist Teil einer ganzen Projektfamilie zur Erreichung der Klimaziele der Stadt Aachen, bei der auch die bestehende Infrastruktur berücksichtigt werden muss“, beschreibt Anthrakidis den Auftrag.

Und oben drüber steht wie bei jedem Projekt die Klimafreundlichkeit. Denn entstanden ist das „Competence Center“ unter dem Dach des „Fraunhofer-Instituts für Energieinfrastruktur und Geotechnologie IEG“ zur Unterstützung des Strukturwandels in ehemaligen Bergbauregionen.

Diese Unterstützung besteht nicht nur in der konkreten Planung und Umsetzung von Projekten im Auftrag etwa von Investoren oder Kommunen oder der Entwicklung neuer Geschäftsmodelle für die Energiewirtschaft im Rheinischen Revier, sondern vor allem auch in gezielter Forschung. Dabei sei Zukunftsfestigkeit und Nachhaltigkeit „das Maß aller Dinge“.

So befassen sich die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die alle entweder einen natur- oder ingenieurwissenschaftlichen Hintergrund haben, mit der Frage, wie sich zukünftig benötigte Energiemengen berechnen lassen. Auch die Vernetzung und zunehmende „Intelligenz“ von Systemen sind Forschungsthema. Gerade Energie aus Ressourcen wie Sonne, Wind und Geothermie ist nicht „einfach auf Knopfdruck“ verfügbar.

Wie sich Speichermöglichkeiten verbessern lassen oder weiterentwickelt werden können, ist deshalb quasi alltägliche Fragestellung. Auch die zunehmende Elektromobilität fließt sowohl in konkrete Planungen als auch in die Forschungstätigkeit ein. Die Transformation müsse immer gleich mitgedacht werden. Und bei Planungen – hier wird es wieder ganz praktisch – müssen immer auch die gesetzlichen Vorgaben berücksichtigt werden.

Im Rahmen der Forschungsaktivitäten sind spezialisierte Tools entstanden, die alle Bereiche der integrierten Quartiersplanung abdecken. Kern ist Odeon, ein am Fraunhofer IEG entwickeltes Datenmodell, das durchgängige Datenkonsistenz und Interoperabilität zwischen den einzelnen Tools sicherstellt. Durch die kostenfreie Bereitstellung der Software – als sogenannte Open Source mit Standard Lizenz – kann diese von jedem Nutzer, also Planern, Architekten oder kommunalen Stadtplanern, leicht genutzt oder weiterentwickelt werden.

Auf diese Weise soll möglichst viel Wissen zusammengetragen werden und eine Community entstehen, wodurch letztendlich auch ein Beitrag zur Beschleunigung der Energiewende und des Know-how-Aufbaus im Rheinischen Revier geleistet werden kann.


§ 1 Der Kommentar entspricht im Printprodukt dem Leserbrief. Erwartet wird, dass die Schreiber von Kommentaren diese mit ihren Klarnamen unterzeichnen.
§ 2 Ein Recht auf Veröffentlichung besteht nicht.
§ 3 Eine Veröffentlichung wird verweigert, wenn der Schreiber nicht zu identifizieren ist und sich aus der Veröffentlichung des Kommentares aus den §§< 824 BGB (Kreditgefährdung) und 186 StGB (üble Nachrede) ergibt.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here