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Wirtschaft trotzt dem Abschwung

Die Mehrheit der Unternehmen in der Region Aachen bewertet ihre wirtschaftliche Lage weiterhin positiv. Das ist das Ergebnis der jüngsten Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Aachen, an der sich rund 340 Unternehmen mit insgesamt 31.500 Beschäftigten beteiligt haben. Im Vergleich zur vorangegangenen IHK-Umfrage im Herbst 2019 liegt die Bewertung der aktuellen Situation auf identischem Niveau. Der konjunkturelle Abschwung, der sich in der zweiten Jahreshälfte 2019 abzeichnete, hat sich somit zum Jahresbeginn 2020 nicht fortgesetzt.

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Die IHK legt das Konjunkturbarometer Rheinland an. Foto: pixabay
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„Die gute Nachricht zu Beginn des neuen Jahres lautet: Die Talfahrt wurde gestoppt, ehe sie richtig begonnen hat. Grund zum Jubeln gibt es jedoch nicht“, sagt Michael F. Bayer, Hauptgeschäftsführer der IHK Aachen. „Die aktuellen Signale aus der Wirtschaft sind nicht eindeutig. Positive und negative Erwartungen der Unternehmer halten sich derzeit die Waage.“

Im Kreis Düren hat sich die Situation wieder verbessert. 34 Prozent der Betriebe berichten von einer guten Geschäftslage, bei 20 Prozent ist sie schlecht. Gut laufen die Geschäfte vor allem im Großhandel (Saldo: +53) und bei den Dienstleistern (Saldo: +22). Allerdings sind die Erwartungen überwiegend negativ. 22 Prozent der Befragten erwarten, dass sich die Lage verbessern wird, 26 Prozent sind pessimistisch. Am besten werden die Aussichten in der Industrie (Saldo: +14) eingeschätzt.

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In der Industrie zeigten sich allgemein erste Signale für eine Verbesserung der Geschäfte. „Bei der Mehrheit der Betriebe haben sich die Umsätze in den vergangenen sechs Monaten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum verbessert. Die Auslastung der Produktionskapazitäten ist geringfügig gestiegen“, bilanziert Bayer. „Auch die Dienstleister melden eine deutliche Verbesserung ihrer Umsätze im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.“ Positiv stimmt darüber hinaus die unverändert hohe Investitionsbereitschaft der Unternehmen in der Region Aachen – und das über fast alle Wirtschaftssektoren hinweg. Die Ertragslage wird von der Mehrheit der Unternehmer jedoch weiterhin negativ bewertet – auf dem gleichen reduzierten Niveau wie bereits im Herbst 2019.

Die Aussichten für die kommenden Monate bleiben zurückhaltend. Während ein Viertel der Befragten optimistisch in die Zukunft blickt, befürchten ebenso viele eine rückläufige Entwicklung. Betriebe mit Exportgeschäft rechnen aufgrund wachsender internationaler Handelsbeschränkungen nicht mit Wachstumsimpulsen. Die Dynamik der wirtschaftlichen Entwicklung bleibt somit hinter dem Tempo der Vorjahre zurück.

Ein weiterer Befund der aktuellen Konjunkturumfrage der IHK Aachen: Der positive Trend am Arbeitsmarkt wird sich in den kommenden Monaten nicht fortsetzen. Zwar rechnet rund ein Viertel aller Befragten mit einem Personalaufbau. Annähernd genauso viele gehen jedoch von einem Rückgang der Beschäftigtenzahlen aus. Dabei bleibt der Fachkräftemangel für mehr als jedes zweite Unternehmen das größte Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung. Annähernd ebenso viele befürchten einen Rückgang der Inlandsnachfrage. Geringfügig weniger befürchten, dass sich die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen weiter verschlechtern – zum Beispiel durch bürokratische Belastungen, zunehmenden Protektionismus oder den nahenden Brexit.

Die Arbeitslosenquote im Kammerbezirk Aachen beträgt aktuell 5,9 Prozent. In Nordrhein-Westfalen liegt sie bei 6,4 Prozent, auf Bundesebene bei 4,9 Prozent. Damit haben sich die Werte im Vergleich zum Vorjahr nicht verändert.

Lage und Erwartungen der Unternehmer im Detail:

Die Industriebetriebe bewerten ihre aktuelle Lage wieder etwas positiver als noch im Herbst. Vier von zehn Befragten bezeichnen sie gegenwärtig als gut, rund ein Fünftel der Betriebe ist unzufrieden. Dennoch ist das die zweitniedrigste Lagebeurteilung der Industrie seit sieben Jahren. Die Umsätze haben sich in den vergangenen Monaten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum geringfügig verbessert. Bei vier von zehn Unternehmen sind die Umsätze gestiegen, bei etwas weniger sind sie gesunken. Die Auslastung der Produktionskapazitäten hat sich von 80 auf 81 Prozent geringfügig erhöht und liegt jetzt auf dem Durchschnittsniveau der vergangenen zehn Jahre.

Bei den Dienstleistern hat sich die Situation seit dem Herbst leicht verbessert. Fast die Hälfte der Betriebe meldet gute Geschäfte, jedes zehnte Unternehmen ist unzufrieden. Die Umsätze haben sich sogar deutlich verbessert. Fast jeder zweite Befragte berichtet von einem Anstieg. Bei jedem vierten Betrieb sind die Umsätze zurückgegangen.

Der Handel meldet erneut mehrheitlich gute Geschäfte, allerdings sind die Beurteilungen zum zweiten Mal in Folge schlechter als zuvor. Knapp ein Viertel aller Befragten bezeichnet die Lage als gut, jedes siebte Unternehmen als schlecht. Die Lagebewertung sank damit auf den niedrigsten Wert seit fünf Jahren. Die rückläufige Entwicklung zeigt sich sowohl bei den Großhändlern als auch im Einzelhandel. Nur noch rund ein Fünftel der Großhändler ist mit der aktuellen Situation zufrieden. Jeder 20. Betrieb ist unzufrieden. Im Einzelhandel ist die rückläufige Tendenz noch etwas stärker. Vier von zehn Unternehmen melden gute Geschäfte, etwas mehr als ein Viertel ist nicht zufrieden.
Nach vier Jahren der Hochkonjunktur bewerten Unternehmen im Baugewerbe ihre Situation deutlich zurückhaltender als zuletzt. Die Lagebewertung bleibt aber weiterhin auf einem hohen Niveau. Mehr als die Hälfte der Unternehmer ist gegenwärtig mit der Geschäftslage zufrieden. Erstmals seit vier Jahren melden Betriebe allerdings auch wieder schlechte Geschäfte. Jedes zehnte Unternehmen ist aktuell unzufrieden.

Das Auslandsgeschäft bleibt schwach. Die Exportnachfrage in der Industrie ist in den vergangenen Monaten weiter niedrig geblieben. Vier von zehn Unternehmen berichten, dass die Auslandsumsätze gesunken sind. Bei drei von zehn Befragten sind sie gestiegen. Auch die Auftragseingänge aus dem Ausland haben eine rückläufige Tendenz. Ein Fünftel der Betriebe melden mehr Aufträge, bei rund einem Drittel sind weniger Aufträge eingegangen. Positive Impulse für die Konjunktur sind in den kommenden Monaten nicht zu erwarten. Rund jeder fünfte Industriebetrieb geht von einer rückläufigen Nachfrage aus dem Ausland aus, jeder siebte Befragte rechnet mit einem Anstieg.

Die überwiegend schlechte Ertragslage hat sich hingegen seit dem Herbst nicht verändert. Bei jedem dritten Betrieb sind die Erträge gesunken, jeder vierte Befragte meldet einen Anstieg. In der Industrie hat sich die Lage deutlich verschlechtert, während sie sich bei den Dienstleistern wieder verbessert hat.

Trotz der zurückhaltenden Erwartungen will die Mehrzahl der Unternehmen keine Einsparungen bei den Investitionen vornehmen. In den kommenden Monaten will rund ein Viertel der Befragten mehr investieren, ein Sechstel der Unternehmen will die Investitionen zurückfahren.

Zum aktuellen Konjunkturbericht.

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