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Eine, zwei, keine?

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Die Brücke, die das Heckfeld und das Wohngebiet "links der Rur" verbindet ist seit Jahresende gesperrt. Foto: Volker Goebels
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Eine 15-minütige, ausgesprochen kontroverse Diskussion um Neubau der Rurbrücken löste der gemeinsame Antrag von CDU und UWG JÜL im jüngsten Rat aus. Der Beschlussvorschlag lautete, zeitgleich die Übergänge für die Kirchberger Straße und am Freibad, dem Standort des geplanten Neubau des Schwimmbades anzugehen. Die Mehrheitsfraktionen versprechen sich von einer gebündelten, abgestimmte Projektplanung, Einsparpotentiale und Synergieeffekte.

Das löste erheblichen Widerspruch bei Bündnis 90/ die Grünen und der SPD aus. Florian Berberich formulierte für die Grünen kritisch, dass dieses Verfahren vor allem zu einer weiteren Verzögerung des Neubaus im Heckfeld führen werde. Den Vorteil, beide Projekte gemeinsam zu planen, sah er nicht – im Gegenteil müsse eher mit Kostensteigerungen gerechnet werden. Für ihn sei klar: Die Brücke im Heckfeld müsse Priorität haben.

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Zustimmung erhielt er aus Reihen der SPD. Parteivorsitzende Katja Böcking ging noch einen Schritt weiter: Sie erinnerte in der Debatte an einen klaren politischen Beschluss aus dem Jahr 2024. Damals habe der Rat mit großer Mehrheit den schnellstmöglichen Bau einer neuen Brücke an der Kirchberger Straße beschlossen – im Gegensatz zur „Freibadbrücke“, zu der es keinen Beschluss gäbe. Allerdings, so regte sie an, könnten die Pläne der Heckfeldbrücke ja als Blaupause für die zweite Brücke dienen. Ausdrücklich wies sie auf die Bedeutung der Brücke Kirchberger Straße hin, die zwei Wohnviertel – links der Rur und Heckfeld – sowie Infrastruktur miteinander verbinde. „Hier sind Menschen betroffen, die es im Alltag kaum noch schaffen, zum Bäcker oder zur Sparkasse zu gehen“, sagte sie. Eltern würden ihre Kinder inzwischen häufiger mit dem Auto fahren, weil der Weg schwieriger geworden sei. Deshalb müsse der Bau der Heckfeld-Brücke Vorrang haben.

Für die Antragsteller widersprach zuerst CDU-Fraktionsvorsitzender Frank Radermacher widersprach. „Synergien und mögliche Einsparungen bei Baukosten können nichts Negatives sein“, sagte er. Er sehe durchaus einen Vorteil darin, Projekte gemeinsam zu planen. Gleichzeitig betonte er, dass es nicht darum gehe, den Bau der Heckfeld-Brücke nach hinten zu schieben. Der Förderbescheid für das Hallenbad sei erst vor rund zehn Tagen eingegangen. In einem interfraktionellen Gespräch solle die Verwaltung nun alle Zahlen, Daten und Fakten vorlegen, damit klar werde, was mit den Fördermitteln tatsächlich realisierbar sei. Berberich stellte daraufhin noch einmal klar, dass seine Fraktion nicht grundsätzlich gegen die Brücke am Schwimmbad sei. Es gehe lediglich darum, eine gemeinsame Planung zu prüfen.

Bereits seit 2022 ist die Brücke „zum Freibad“ gesperrt. Foto: Britta Sylvester

David Merz (SPD) widersprach in einem Punkt und verwies auf den Prüfauftrag an die Verwaltung. Diese solle untersuchen, ob und wie sich die Brückenmaßnahmen sinnvoll mit einem möglichen Hallenbad-Neubau abstimmen lassen und dies in der Projektplanung berücksichtigen.

Kritisch äußerte sich Fraktionsvorsitzender Harald Garding (SPD) zum vorgeschlagenen Vorgehen. Ein interfraktionelles Gespräch sei kein Beschlussgremium, betonte er. Außerdem gebe es bereits einen Ratsbeschluss, nach dem die Verwaltung prüfen solle, unter welchen Voraussetzungen die Brücke finanziert werden könne. Insgesamt seien 15 Millionen Euro bewilligt worden. Die Verwaltung prüfe derzeit, ob die Kirchberger Brücke mit diesen Mitteln realisierbar sei.
Heinz Frey, Fraktionschef der UWG JÜL, nahm in der Diskussion den verantwortungsvollen Umgang mit Steuergeldern angesichts der angespannten Haushaltslage in den Blick. Ziel sei es, Beschlüsse umzusetzen, aber wirtschaftlich sinnvoll vorzugehen. Gleichzeitig wolle man nicht erst bauen, wenn der Hallenbad-Neubau tatsächlich komme. Dem hielt Garding entgegen, es sei wenig realistisch anzunehmen, dass ein späterer Bau automatisch günstiger werde. Ergänzend fügte David Merz (SPD) hinzu, dass die bewilligten 15,5 Millionen Euro nicht inflationsangepasst seien, während die Baupreise vermutlich weiter steigen würden.

Maurice Nuys (CDU) wies die Vorwürfe vonseiten der SPD zurück, dass Entscheidungen verschoben würden. Die Umsetzung des Ratsbeschlusses zur Heckfeldbrücke sei unter anderem daran gescheitert, weil die Probleme mit einer vorhandenen Gasleitung und derVersorgung des Viertels links der Rur gelöst werden musste. Gleichzeitig sei klar: Die Stadt schwimme nicht im Geld. Katja Böcking hielt dagegen: Die Kosten für den Brückenbau seien bereits im Haushalt 2025 eingeplant gewesen und für 2026 ebenso. „Wir haben dafür bislang noch keinen Cent ausgegeben. Lasst uns doch jetzt loslegen – sofort“, forderte sich nachdrücklich.

Letztlich entschieden die antragstellenden Parteien mit ihrer Stimmenmehrheit. Gegen das Votum von SPD und Grüne wird die Verwaltung jetzt die Brücken im Doppelpack planen.

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Dorothée Schenk
HERZOGin mit Leib und Seele. Mein HERZ schlägt Muttkrat, Redakteurin gelernt bei der Westdeutschen Zeitung in Neuss, Krefeld, Mönchengladbach und Magistra Artium der Kunstgeschichte mit Abschluss in Würzburg. Versehen mit sauerländer Dickkopf und rheinischem Frohsinn.

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