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Rasante Lebensform

Sommerlich wird es auch in Peers Kino Kolumne im Juli. Der „Sommer auf Asphalt“ steht im Mittelpunkt

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Peer Kling. Foto: Volker Goebels
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In der am 4. Juni angelaufenen Tragikomödie von Simon Ostermann „Sommer auf Asphalt“ steht das Leben der rasant unbändig auf Tempo geeichten Fahrradkurierin Les im Mittelpunkt, dargestellt von Mala Emde in Top-Form, real kürzlich 30 geworden. In Filmen verkörpert sie Rollen im Spielalter von 19 bis 38. Bekannt wurde die Theater und Tatort erprobte Schauspielerin spätestens mit der Hauptrolle in „Die Mittagsfrau“, der Nov 2023 im Kuba lief.

Bin froh, dass sie durch Hamburg rast und nicht durch Jülich, zwei verletzte Opfer aus dem Kunstverein, 1 x sehr und 1 x schwer, sind bereits zwei zu viel. Die Turbofrau, deren Schutzengel langsamer fliegt als sie fährt, katapultiert sich über ein Auto. Der Papa, auf den ersten Blick als Christoph Maria Herbst zu erkennen, kommt ins Spiel und will „helikoptern“, was zu schweren Konflikten in der ohnehin angespannten Vater-Tochter-Beziehung führt.

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Es gibt Schauspieler, die können drehen, was sie wollen, ich geh´ rein, gucken. Mein Namensvetter gehört dazu. (Mein Zweitname ist Christoph, immer wenn ich falsch parke, werde ich kostenpflichtig daran erinnert.) 91 Film- und Fernseh-Rollen! Am besten fand ich „Contra“, 2021.

Irgendwann tritt noch die Mama hinzu, eine erfolgreiche Autorin und Rabenmutter, dargestellt von Jenny Schily, Tochter des Politikers Otto Schily und Urenkelin des Architekten Bruno Taut.

Damit wäre die Troika der Desaster-Familie komplett und die drei spielen nun „Vater-Mutter-Kind“, wobei das „Kind“, Les gerade selbst dabei ist, Mutter zu werden, oder doch nIcht? Noch ein Konflikt. Ein Potpourri von Ursachen bringt dieses familiäre Epizentrum zum Beben.

Für die Entstehung des Films war die Produktionsfirma Wüste Film verantwortlich wie auch bereits für „den Buchspazierer“, übrigens ja auch mit Christoph Maria Herbst. Die Gangart und „der Asphalt“ sind beim hier besprochenen Film allerdings wesentlich härter und von Spaziergang kann keine Rede sein.

Wie erklärt sich überhaupt dieser seltsame Filmtitel? Sommer und Asphalt symbolisieren die Lebenswelt und das Lebensgefühl sowie den Alltag der Hauptfigur Les. Der Sommer steht für Jugend, Unbeschwertheit, Freiheit, Partys und eine gewisse „Leichtigkeit des Seins“. Der Asphalt repräsentiert Härte, die der Straße und die der eintreffenden Schicksalsschläge, die, so schlimm sie auch sind, einen heilenden Einfluss auf die zerrüttete Familie haben. Der Film ändert seine Richtung hin zu einem Herz erwärmenden Finale.

Der 1986 in Frankfurt a.M. geborene und in Berlin lebende Regisseur Simon Ostermann
war auf zig Filmfestivals mit erfolgreichen Kurzfilmen vertreten, hat zahlreiche Preise abgeräumt und hat viel für´s Fernsehen gearbeitet. In seinem ersten abendfüllenden KINO-Film, frei nach dem Roman „Pedalpilot Doppel-Zwo“ von Wolf Schmid (2014, Liesmich-Verlag, Leipzig) lässt er in den Drehorten Hamburg und Lüneburg seinem unglaublich kraftvollen Potential freien Lauf. Während vor allem die Fahrradkurier-Szenen als rasende Streifzüge durch Hamburg angelegt sind, wurden viele Szenen im beschaulicheren Lüneburg produziert: Der Parkplatz vor dem Finanzamt diente als Kulisse für ein Krankenhaus. Weitere Drehorte waren die Rabensteinstraße, die Buchhandlung Lünebuch, die Kulturbäckerei sowie ein Friseur (Beruf des Vaters). Simon Ostermann arbeitet sowohl fiktional als auch dokumentarisch und ist der festen Überzeugung, dass Tragik und Komik untrennbar miteinander verwoben sind. Außerdem hat er eine Schwäche für Abgründiges und eine Liebe für die Entrücktheiten des Lebens, die er am liebsten für ein großes Kinopublikum erzählen möchte. Zu diesem Statement passt sein Film „Sommer auf Asphalt“ wie die Faust auf´s Auge. In Tagesschau24 berichtete er: „Der Autor der Romanvorlage Wolf Schmid hat selber als Fahrradkurier gearbeitet und schildert mit Insiderwissen trefflich die Zweirad-Kurier-Szene. Die Hauptdarstellerin Mala als Kurierin Les hat auf intensive Weise Fahrrad fahren gelernt (ich ergänze: auf Stuntfrau-Niveau) mit fixed gear, also ohne Freilauf und mit nur einem Gang. Wir haben uns sehr mit der Szene vertraut gemacht.“ Das kann ich nur bestätigen, irgendwie ein einziger Schrei nach Freiheit und nach Vollgas, das natürlich aus den Muskeln kommen muss. Die Sprache ist ein Szene spezifisches Jugend-Sprech mit vielen englischen Einsprengseln, sehr direkt, zuweilen derb.

Schau Dir mal den Trailer an: https://www.youtube.com/watch?v=1ub5T_xUY3k und lausche der 3minütigen NDR Radio-Kritik. Suchworte: NDR Sommer auf Asphalt. Auch diese 12 Minuten lohnen sich: Suchworte: Tagesschau24 Sommer auf Asphalt.

Und plane voraus: Am 3. September startet der nächste Film mit der Power-Frau Mala Emde. In der warmherzigen Komödie „Das gewisse Etwas“ spielt sie unter der Regie von Marc Rothemund eine Betreuerin. Das Thema des Films ist Inklusion, der Abbau von Vorurteilen und ein gesellschaftliches Miteinander. Der Trailer läuft schon im Kino.

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Peer Kling, typisches "KFA-Kind", nicht aus der Retorte, aber in der zweiten Volksschulklasse nach Jülich zugezogen, weil der Vater die Stelle als der erste Öffentlichkeitsarbeiter "auf dem Atom" bekam. Peer interessiert sich für fast alles, insbesondere für Kunst, Kino, Katzen, Küche, Komik, Chemie, Chor und Theater. Jährlich eine kleine Urlaubsreise mit M & M, mit Motorrad und Martin.

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