
Oft sei bei einer psychischen Erkrankung der Weg zur passenden Hilfe schwieriger und bei den Betroffenen mit Scham verbunden, konstatiert der Caritasverband Düren-Jülich. Der heutige Tag der psychischen Gesundheit möchte Sichtbarkeit schaffen, Vorurteile abbauen und Verständnis fördern.
Die Caritas begleitet im Kreis Düren Menschen mit psychischen Erkrankungen im Rahmen der ambulanten Betreuung. Dabei geht es um die Bewältigung des Alltags, unter anderem bei der Wohnungssuche, bei finanziellen Herausforderungen, aber auch darum, wieder soziale Kontakte aufzubauen und am Leben im eigenen Umfeld teilzunehmen. Während sich das Angebot der Eingliederungshilfe der Caritas Düren-Jülich vor allem an erwachsene Menschen richtet, bietet die Jugendberatungsstelle des Sozialwerks Dürener Christen jungen Menschen im Alter von 14 bis 26 Jahren Hilfe an.
Ein wenig versteckt gleich neben der Propsteikirche im Erdgeschoss des Wohnhauses am Kirchplatz Nummer 6 finden Jugendliche eine offene Tür und vor allem: ein offenes Ohr. Dabei ist es egal, mit welchem Anliegen die jungen Menschen bei ihnen klingeln, betonen Stefan Theißen und Hannah Kirch. Gemeinsam mit Jan Buchenau und Katharina van Dijk sind sie das Team der „Lotsenstelle“.
Vor 15 Jahren hat die Beratungsstelle unter diesem Namen ihre Arbeit aufgenommen. Das Ziel lautet seitdem „Jugend stärken“. Inzwischen in Jugendberatungsstelle umfirmiert ist der Grundsatz der gleiche geblieben. „Freiwillig, verschwiegen und kostenlos“, fasst Sozialpädagoge Theißen kurz und knapp zusammen, was ihm besonders wichtig ist.

Wichtig ist auch: Wer bei dem vierköpfigen Team Unterstützung sucht, bestimmt selbst mit, wie diese aussieht. „Ich plane für ein Gespräch ein bis anderthalb Stunden Zeit ein, aber wenn es länger dauert, ist das eben so“, beschreibt es Hannah Kirch. Auch wählen die Ratsuchenden selbst, mit wem aus dem vierköpfigen Team sie gerne sprechen möchten. Schließlich muss die Chemie stimmen, geht es doch um sehr persönliche Themen.
„Bilder helfen, um ins Gespräch zu kommen“, erzählt Stefan Theißen, der gerne mit Symbolen arbeitet. Seiner Erfahrung nach ist es für viele Menschen einfacher, anhand eines Bildes zu erklären, wie es im Inneren aussieht. Ob es „Gefühlsinseln“ sind, die mit Begriffen belegt werden, oder ein Lebenslauf, dem kleine Gegenstände hinzugefügt werden, die für wichtige Lebensereignisse stehen.
Ein wenig erinnert das gemütliche große Büro an ein Kinderzimmer, in dem bunte Spielsachen ausgekippt worden sind. Überhaupt herrscht eine gemütliche, eher heimelige Atmosphäre in den hellen Räumen, denen alles Sterile, Praxisartige fehlt.

Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen dürfen die Beratung so lange in Anspruch nehmen, wie sie möchten und es sich für sie gut anfühlt. Einen festgelegten Endzeitpunkt gibt es nicht. „Die Jugendlichen bestimmen, wann es genug ist, wenn ihr ‚Ziel‘ erreicht ist“, formuliert es Theißen.
Manche kämen nach einer längeren Pause aber auch wieder, ergänzt seine Kollegin. Entweder weil ein Problem eben doch noch gelöst sei, oder auch weil neue Entwicklungen neue Schwierigkeiten nach sich ziehen. Egal aus welchem Grund: Die Tür steht immer offen, und es findet sich immer Zeit für ein Gespräch, betonen die beiden Sozialpädagogen.
Das ist der wohl wichtigste Unterschied zur psychotherapeutischen Behandlung: Praxen und damit einhergehend Therapieplätze gebe es nach wie vor viel zu wenige, ob nun für Kinder, Jugendliche oder Erwachsene, verweisen die Jugendberater auf ein drängendes Problem.
Alle Kontaktpersonen der Jugendberatungsstelle sind auf der Homepage zu finden. Eine Kontaktaufnahme ist unkompliziert über WhatsApp möglich.
Auch bei der Diakonie im Kirchenkreis Jülich gibt es eine Beratungsstelle, an die sich neben Erwachsenen auch Kinder und Jugendliche wenden können.
Beratung und Unterstützung bei psychischen Problemen bietet außerdem die Eingliederungshilfe der Caritas Düren-Jülich.
Einsamkeit sei übrigens ein Phänomen, das zunehmend auch junge Menschen heimsucht. Seit März gibt es deshalb in der Jugendberatungsstelle ein monatliches Angebot.
Am ersten Dienstag im Monat zwischen 13 und 16 Uhr bietet das Team einen Treffpunkt für alle an, die frei nach dem Motto „Reden hilft. Verbinden auch“ einen Weg aus der Einsamkeitsfalle suchen. Kontakt und Informationen gibt es per Email an lotsenstelle@sozialwerk-dueren.de. Einfach vorbeikommen geht aber auch.
Träger der Jugendberatungsstelle Jülich ist das Sozialwerk Dürener Christen. Die Personalkosten werden vom Kreis Düren finanziert. Ein Teil der Mittel kommt zudem aus dem Europäischen Sozialfonds ESF.


















