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Weichen stellen für 2025

Die Schullandschaft ist dynamisch. Das hat Gründe: Einerseits sind die nachrückenden Schüler, also der demografische Wandel zu berücksichtigen, andererseits sind Schulentwicklungen immer abhängig von politischen Entscheidungen.

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Grundschüler haben ab 2025 Anspruch auf einen Platz in der offenen Ganztagsgrundschule.Foto tee
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2004 fiel die das Votum gegen die Horte und für die Einführung der offenen Ganzstagsgrundschule. In Jülich erfolgte sie sukzessiven in den Jahren nach 2006. Eine teure Entscheidung. Über 1,6 Millionen Euro kosteten die Umbauten an den Grundschulen. Jetzt steht die Stadt Jülich erneut an einem Scheideweg. 2025 müssen für alle Kinder Plätze in der Offenen Grundschule zur Verfügung stehen. Das heißt erneut: Viel Geld in die Hand nehmen und die Weichen müssen bereits jetzt gestellt werden. Erneut ist von Millionen die Rede. „Wir sind verpflichtet, völlig neu zu denken“, sagte Dezernentin Doris Vogel.

Mit der „Grundlagenforschung“ für den neuen Schulentwicklungsplan, der im September im Ausschuss für Jugend, Familie, Integration, Soziales, Schule und Sport vorgestellt wurde, hat die Stadt in bekannter Manier das Büro biregio von Wolf Krämer-Mandeau beauftragt. Er präsentierte den großen Wurf vom demografischen Wandel über städtebaulichen Maßnahmen, die er in Zusammenhang zur notwendigen Veränderung der Schullandschaft stellte.

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Jülich sei vergleichbar mit den Ballungsgebieten Köln und Aachen, konstatierte der Gutachter. „Sie haben einen Männerkomplex“, sagte er zur Erheiterung der Ausschussmitglieder. Gemeint ist damit, dass Jülich einen Männerüberschuss vor allem in der Altersklasse zwischen 20 und 30 Jahre hat. Die ungleiche Geschlechterverteilung hat eine Stagnation der Geburtenrate zur Folge. Besonders gebärfreundlich ist das Nordviertel und mit rund 100 Geburten Spitzenreiter-Viertel in Jülich. Völlig überaltert seien der Süden und Koslar. Sehr bildlich sprach Krämer-Mandeau: „Der Prinz geht um den gläsernen Sarg. Bis zum finalen Kuss kann es aber noch dauern.“ Er empfahl den Anwesenden: „Sie müssen mit ihren Frauen extrem gut umgehen!“ Hier geht es im ersten Schritt auch um die Einstellungsverfahren bei Stellenangebote. Jülicherinnen mit Arbeitsplatz bleiben am Ort und werden – so die Hoffnung – Familien gründen.

Die Demografie hat auch Auswirkungen auf Bauvorhaben. Da die Zahl der 80-jährigen hoch sei, ist zu erwarten, dass deren Eigenheime demnächst zum Verkauf stünden. Das sei bei der Entwicklung von Baugebieten zu bedenken. Dabei prognostizierte Wolf Krämer-Mandeau Jülich dennoch eine gute Perspektive. „Sie liegen im magischen Dreieck Köln – Aachen – Düsseldorf. Von der Magie spüre ich noch nicht viel“.

Schlussfolgerung: Jülich muss nachlegen in der Eigenwerbung. Und das wiederum gilt auch für die Schullandschaft. Die große Konkurrenz besteht einerseits in der „GAL“, der Gesamtschule Aldenhoven Linnich, und der Primusschule, die in Welldorf den so genannten „Titz-Effekt“ zur Folge hatte. Seit 2011 hat Jülich rund 20 Prozent an „Schulpendlern“ verloren, so Krämer-Mandeau. Dennoch prognostiziert der Fachmann den Jülichern stabile Schülerzahlen – das heißt: Veränderungen im Sinne einer „äußeren Ausdehnung“ sind nicht angebracht. Geld müsse angesichts der gesetzlichen Vorgaben 2025 vor allem in die innere Entwicklung der Schulen gesteckt werden.

Grundschule Koslar. Foto: tee

Nach einer Begehung aller Grundschulen brachte Wolf Krämer-Mandeau konkrete Vorschläge für Aufstockungen, Raumumverteilungen und neue Strukturen. Betroffen sind hier vor allem die Grundschulen in Koslar, der vier Klassenräume fehlen, der Nord- und Promenadenschule. An der GGS Süd müsse auch etwas für die Lehrer getan werden, die sich mit 20 Pädagogen in einem 20 Quadratmeter-Lehrerzimmer tummeln. „Da muss man sich extrem mögen.…“ Eine gute Bewertung bekommt lediglich die Katholische Grundschule. Sie erfüllt bereits den Schlüssel von 1,75 Räume pro Klasse, die Krämer-Mandeau für die Schulplanung zugrunde legt. Sie profitiert von der Reduzierung von vier auf drei Klassen pro Jahrgang. Damit verfügt die KGS zuzüglich zu jedem Klassenraum auch über einen 29 Quadratmeter großen Gruppenraum für jede Klasse. Nur eine angemessende Mensa fehle der Schule. Das könne aber durch eine gemeinsame Nutzung der Mensa mit der benachbarten Sekundarschule im Schulzentrum kompensieren.

Zur Sitzung trug Dezernentin Doris Vogel auch die aktuellen Zahlen zur Offenen Ganztagsgrundschule vor. Fazit: Die Kapazitäten sind völlig erschöpft. Das gilt nicht im ersten Jahr. Von den rund 1200 Grundschülern gehen 643 über Mittag in die Betreuung der Grundschulen, 427 von ihnen in den offenen Ganztag. Die längste Warteliste weist die Promenadenschule mit 19 Kindern auf, gefolgt von der KGS mit 9 Plätzen.

Allerdings ist der wirkliche Bedarf viel höher, wie die Dezernentin auf Nachfrage bestätigt. Viele Eltern meldeten ihre Kinder nicht an, weil nach der OGS kein Schulbus mehr fährt. Dieses Manko führte Carsten Wolf für die Grünen an und fragte, warum es nicht möglich sei, den Schülerspezialverkehr auch im Nachmittag einzusetzen. Kostengründe führte Schulamtsleiter Gert Marx an. Schon jetzt kostet die Stadt der Busverkehr für die Grundschüler pro Tag rund 3500 Euro. Dazu kommt, dass wegen des Schlüssels, nach dem die Plätze der OGS vergeben werden, nicht alle Kinder, die einen Platz benötigen würden, auch einen bekämen. Im nächsten JuFISS soll dieses Thema noch einmal auf die Tagesordnung.

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