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Ein Sieg für die Demokratie?

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Ein Sieg für die Demokratie. So wird der Bürgerentscheid zur Umbenennung des Kreises Düren von beiden Seiten bezeichnet. Diejenigen, die für die Umbenennung zum Rurkreis Düren-Jülich waren, sagen es in der Erkenntnis, dass die Mehrheit der Stimmen sich für den Status Quo entschieden hat. Sie drücken in ihren Statements Respekt für den dokumentierten Erfolg der #KreisDürenbleibt-Engagierten aus. Die „Sieger“ sprechen auch vom Sieg der Demokratie, reichen aber nicht wie im sportlichen Fair-Play-Stil die Hand, sondern schütteten nach der Bekanntgabe des Votum eine schier unglaubliche Häme aus. Nachzulesen ist sie in vielen Foren der sozialen Netzwerke. Das ist Siegerpose im schlechtesten Sinne und ein Schlag ins Gesicht der berufenen Demokratie.

Das Ziel der Wahl, eine Namensänderung des Kreises Düren zu verhindern, ist erreicht. Damit gleich die Behauptung aufzuwerfen, dass „die da Oben“ und „die Politiker“ am Bürger vorbei entscheiden und mit stolzgeschwellter Brust im Subtext (zuweilen sogar ganz offen) zu formulieren, dass man es „denen gezeigt hat“, ist zutiefst besorgniserregend. Es wirft die Frage auf: Welche Vorstellung von Demokratie haben Menschen, die davon ausgehen, dass die politischen Vertreter, die sie 2020 in den Kreistag gewählt haben, zu 90 Prozent komplett an den Wünschen und Belangen der Menschen vorbei arbeiten?

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Ein Sieg der Demokratie? Die Wahl hat Gräben sichtbar gemacht – womit nicht jene zwischen Nord- und Südkreis, Düren und Jülich gemeint sind. Sichtbar geworden ist, wie fragil Demokratie ist, wenn die Entscheidung eines demokratisch gewählten Gremiums als antidemokratisch angeprangert wird. Wenn Menschen, die sich in ihrer Freizeit für eine Aufwandsentschädigung in Diskussionen, Studium von Vorlagen und Sitzungen mit Themen über lange Zeiträume beschäftigen und zu einem deutlichen Mehrheits-Beschluss kommen, öffentlich beschimpfen lassen müssen, finde ich das befremdlich. Dieses Verhalten birgt die Gefahr, dass sich künftig keine Verantwortlichen mehr finden, die sich wie die sprichwörtliche „Sau durch den Ort“ treiben lassen.

Ein Sieg für die Demokratie kann es auch deshalb nur bedingt sein, – auch das soll an dieser Stelle ein letztes Mal gesagt werden – da vor allem Emotionen den „Wahlkampf“ bestimmten. Emotionen sind keine Argumente. Gefühlte Fakten keine Wahrheiten, angezweifeltes Zahlenwerk kein Aufdecken von Verschleierungstaktik. Hier wurde Misstrauen gesäht, Gräben gezogen und geheilt wurde gar nichts. Die Schuld alleine in einer Richtung zu suchen, ist zu einfach. Aber mit den einfachen Antworten auf komplizierte Fragen aufzufahren ist auch etwas, das diesen „Wahlkampf“ und vor allem den „Wahlsieg“ ausmacht.

Nicht zum Nachkarten, sondern zum Nachdenken wird zum Nachlesen empfohlen
Die Logik ist tot. Lang lebe die Lüge.


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