Start Stadtteile Jülich Gemeinsam feiern, weiter wachsen

Gemeinsam feiern, weiter wachsen

„Man bekommt so viel!“ Auch nach 20 Jahren strahlt Melanie Bickschäfer noch voller Überzeugung, und man glaubt ihr sofort, dass sie den richtigen Platz gefunden hat. Von Anfang an ist die Leiterin des Stammhauses dabei. Anfang Februar feiern Bewohnerinnen und Bewohner, Angehörige und Mitarbeitende den 20. Geburtstag ihres Zuhauses mit einem „Familienfest“.

0
0
TEILEN
Foto: privat
- Anzeige -

Am 1. Februar 2006 sind die ersten 18 Menschen im Stammhaus eingezogen – die offizielle Geburtsstunde. Die eigentliche Geschichte beginnt einige Jahre früher. Engagierte Eltern mit Weitblick für die Zukunft ihrer damals noch nicht erwachsenen Kinder hatten sich zu einer Initiative zusammengefunden und sich auf die Suche nach einem Grundstück gemacht. Sie wollten ein Haus bauen, in dem Menschen mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen möglichst selbstständig, gleichzeitig aber mit der passenden Unterstützung und „griffbereiter“ Hilfe leben konnten. Bis das richtige Grundstück auf dem Gelände des ehemaligen Schlachthofs gefunden war, floss einiges Wasser die Rur hinab. Der Bau selbst brauchte nur etwa ein Jahr.

Inzwischen leben 46 Menschen mit Handicap im Stammhaus und drumherum. Rund 50 Mitarbeitende ergänzen die Stammhaus-Familie. Im Laufe von zwei Jahrzehnten sind zusätzliche Wohnungen in unmittelbarer Nähe des Ursprungsgebäudes, in der Aachener und auch in der Schirmer Straße entstanden. Dort leben zum Beispiel 16 Personen auf zwei Etagen in eigenen kleinen Wohnungen, die einen zusätzlichen Gemeinschaftsraum haben. „Das ist aus meiner Sicht ideal“, freut sich die Leiterin der Einrichtung über diese Erweiterung.

- Anzeige -

Gemeinschaft und das große Ziel der sozialen Teilhabe sind die wohl wichtigsten Säulen in der Geschichte dieser besonderen Einrichtung. So sind im Laufe der Jahre immer mehr Angebote entstanden. Die Stammhaus-Bewohner spielen gemeinsam Theater, die musikalisch Interessierten haben eine eigene Gruppe, auch getöpfert wird regelmäßig zusammen. Immer wieder werden die Kunstwerke in der Öffentlichkeit präsentiert, zum Beispiel in gemeinsamen Ausstellungen mit dem Kunstverein.

Kooperationen mit anderen Vereinen und Einrichtungen sind ein wichtiger Aspekt im Stammhaus-Leben. „Die Vereine haben sich sehr geöffnet“, spricht Melanie Bickschäfer ein großes Lob aus. Beispielhaft sind hier etwa der TTC Jülich und die Betriebssportgemeinschaft BSG des Forschungszentrums zu nennen. Überhaupt scheint Jülich genau das richtige Umfeld für das Stammhaus und seine Bewohner zu sein: „Die Stadt ist unheimlich engagiert. Wir fühlen uns hier sehr angenommen“, so Bickschäfer. Dazu trägt sicherlich auch die Mitarbeit im Arbeitskreis für ein inklusives Jülich AKI bei, in dem unter anderem Bewohner Christoph Beckers aktiv ist.

Erst kürzlich ist eine Segelgruppe hinzugekommen, die einmal im Monat an den Baldeney See nach Essen fährt. Fest etabliert seit Jahren ist hingegen die Dartsgruppe, die in der Grenzlandliga spielt.
Getreu dem Motto der Einrichtung „gemeinsam wachsen“ wird sich wohl auch in Zukunft noch einiges ändern. Bei ihrem Einzug ins Stammhaus waren die Menschen Anfang bis Mitte 20. Zwei Jahrzehnte später sieht sich auch diese große Familie mit dem Thema Älterwerden konfrontiert. „Unsere Menschen altern anders“, weiß die Fachfrau und überlegt bereits jetzt, wie sich die Tagesstruktur im Haus ändern wird und muss, wenn die Bewohner weniger arbeiten. Gesundheit, Bewegung, Ernährung, aber auch Freizeitgestaltung sind Gesichtspunkte des nächsten Lebensabschnitts, für den sich die Leiterin noch mehr Kooperationen und noch mehr Vernetzung wünscht. Auch eine nächste bauliche Erweiterung ist denkbar, denn die Warteliste für einen Wohnplatz ist lang.

Neben dem kleinen internen Fest plant das Stammhaus für den 25. April eine große Feier mit Musik und Tanz im Kulturbahnhof, zu dem „die ganze Region“ eingeladen ist.

Mehr zum Stammhaus unter stammhaus-juelich.de.

TEILEN
Vorheriger ArtikelHistorie mit einer Prise Krimi
Britta Sylvester
Klönschnacktee mit der Muttermilch aufgesogen und inzwischen beim rheinische Kölsch angekommen. Übt sich in der schreibenden Zunft seit Studententagen zwischen Tagespresse und Fachpublikationen und… wichtig: ließ das JüLicht mit leuchten.

§ 1 Der Kommentar entspricht im Printprodukt dem Leserbrief. Erwartet wird, dass die Schreiber von Kommentaren diese mit ihren Klarnamen unterzeichnen.
§ 2 Ein Recht auf Veröffentlichung besteht nicht.
§ 3 Eine Veröffentlichung wird verweigert, wenn der Schreiber nicht zu identifizieren ist und sich aus der Veröffentlichung des Kommentares aus den §§< 824 BGB (Kreditgefährdung) und 186 StGB (üble Nachrede) ergibt.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here