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Hintertür zur Kultur vor der Haustür bleibt offen

16 Jahre lang hat Marlies Keil mit „Kultur im Alter – Kunst vor unserer Haustür“ Menschen zusammengebracht und Kunst in Jülich und der Region unmittelbar erlebbar gemacht – zuletzt mit Doris Forst an der Seite. Nun verabschieden sich die beiden Organisatorinnen mit einem gemeinsamen Frühstück der Aktiven im Rathaus – und hinterlassen viele Erinnerungen und eine Idee, die weiterleben soll.

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Doris Forst (l) und Marlies Keil (r) beim Finale des Angebots "Kultur im Alter". Foto: Dorothée Schenk
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Eigentlich ist es kein Grund zum Feiern. „Schade“ und „leider“ sind Worte, die Marlies Keil in den vergangenen Wochen besonders häufig gehört hat, wie sie sagt. Klar ist aber auch, dass nach jahrzehntelangem Einsatz für die Gemeinschaft mit 88 Jahren der Rückzug aus den ehrenamtlichen Aufgaben verständlich ist.

Marlies Keil war Ideengeberin, Umsetzerin und für die Senioren in Jülich auch Spenderin eines besonderen Lebensmittels: Kultur. Kunst und Kultur als „Lebensmittel“ – diesen Gedanken habe Keil immer wieder formuliert, wie Katharina Esser in ihrer Rede hervorhob. Die einstige Dezernentin und Geburtshelferin von „Kultur im Alter“ schilderte die Initialrunde in ihrem Büro: „Wir haben in meinem damaligen Büro gesessen und, ich glaube, damals eine Sitzung des Seniorenbeirates vorbereitet und darüber gesprochen, welche möglichen Themen es für den Seniorenbeirat gibt.“ Marlies Keil, die zu dieser Zeit bereits Angebote in der evangelischen Gemeinde und im Kunstverein machte, sei es in ihrer Funktion als Vorsitzende des Seniorenbeirates wichtig gewesen, dass auch dieses Gremium ein kulturelles Profil erhalten sollte. Das „Kind“ hatte über die Jahre viele Namen: „Kultur im Alltag“, „Akademie 60+“, „Kultur im Alter“ oder „Kunst vor unserer Haustür“. Geblieben ist der Grundgedanke: Kulturelle Schätze liegen oftmals direkt vor der eigenen Haustür.

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Schon im Vorfeld habe man beim Seniorentag 2010 die Beteiligten dazu eingeladen, Kulturbeutel zu packen, erinnerte Katharina Esser. Es sei hochspannend gewesen, was alles in die transparenten Kunststofftaschen gepackt worden sei – im Grunde war dies bereits die Grundlage für das spätere Konzept. „Der eine brachte Literatur mit, der andere Noten, es gab selbstgeschriebene Stücke, es gab Fotodokumente, es gab Malerei – also es füllte sich ein ganzes Leben in diesen Kulturbeutel.“ „Kultur im Alter“ habe ermöglicht, die Wahrnehmung zu schärfen, Perspektiven zu öffnen und in Bereiche hineinzublicken, die sonst vielleicht ganz unzugänglich seien. „Du hast mit deinen Aktionen für viele Menschen hier in Jülich etwas sehr Wertvolles geschaffen“, schloss Esser.

Besucht wurden Künstler und Autodidakten, Museen und Ausstellungen. Die Wege führten unter anderem nach Heimbach und ins Glasmalerei-Museum Linnich. Literatur und Musik – der Dank ging ausdrücklich an Pedro Obiera – gehörten ebenso dazu wie Workshops, bei denen die Teilnehmer selbst kreativ wurden. Rund zwölf Veranstaltungen jährlich kamen zeitweise zusammen. Und fast immer gehörte noch etwas dazu: Frühstück, Kaffee und Kuchen oder ein gemeinsamer Imbiss. Denn Marlies Keil und Doris Forst ging es nie allein um das Kulturprogramm. „Uns war es genauso wichtig, Gemeinschaft Raum zu geben“, erinnerte Forst. Menschen sollten miteinander ins Gespräch kommen, sich kennenlernen und Kontakte knüpfen.

Doris Forst begleitete Marlies Keil in den vergangenen dreieinhalb Jahren. Die beiden seien dabei zu einem Team zusammengewachsen. Besonders beeindruckt habe Forst Keils Pragmatismus und ihr über viele Jahre gewachsenes Netzwerk. Ein Anruf genügte mitunter, um einen Bus zu organisieren oder Türen zu öffnen. Vor allem die Künstler empfingen die Gruppen immer wieder in ihren Ateliers und privaten Räumen.

Auch die Stadt würdigte das langjährige ehrenamtliche Engagement. Dezernent Thomas Mülheims stellte heraus, dass Keil und Forst nicht nur Kunst und Kultur erlebbar gemacht, sondern vor allem Menschen zusammengebracht hätten. Begegnung, persönlicher Austausch und Gemeinschaft seien mindestens ebenso wichtig gewesen wie die kulturellen Erlebnisse selbst.

Ganz zu Ende muss die Geschichte allerdings nicht sein. Hannelore Stöber-Steinbrech dankte im Namen des Seniorenbeirates: „Du hast damit ein unglaublich tolles Angebot geschaffen, niedrigschwellig und interessant für Kulturinteressierte. Aber du hast andererseits damit auch deutlich gemacht, welche kulturellen Schätze wir hier in unserer näheren Umgebung entdecken können.“ Und sie machte den Anwesenden große Hoffnung für die Zukunft: „Wir werden alles daran setzen, diese tolle Idee, dieses tolle Angebot in irgendeiner Form fortzuführen.“


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HERZOGin mit Leib und Seele. Mein HERZ schlägt Muttkrat, Redakteurin gelernt bei der Westdeutschen Zeitung in Neuss, Krefeld, Mönchengladbach und Magistra Artium der Kunstgeschichte mit Abschluss in Würzburg. Versehen mit sauerländer Dickkopf und rheinischem Frohsinn.

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