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Was passiert mit unserer Sprache?

Nicht erst die bekannte Filmkomödie „Fack ju Göthe“ hat es offenbart: es steht nicht gut um die deutsche Bildungssprache.

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Foto: Archiv PuKBSuS
Foto: Archiv PuKBSuS
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Die Zeitungen und Internetforen sind voll von Klagen über Sprachverfall und Sprachklitterung in der Öffentlichkeit. Die Hochsprache ist heute von vielen Seiten bedroht: um sich greifende Anglizismen, ausufernder Kiez- und Straßenjargon in den digitalen Medien, Vulgär- und Gewaltformulierungen in Rapper-, Rocker- und Neonaziszenerien und in deren Musik, Hassparolen auf vielen politischen Foren sowohl von der rechten wie von der Linken.

Darüber hinaus klagen Ausbildungsbetriebe und Hochschulen gleichermaßen über mangelndes Sprachbewusstsein und mangelnde Deutschkenntnisse bei Schulabgängern – und zwar längst nicht nur bei solchen aus Familien mit dem berühmten Migrationshintergrund. Lehrerinnen und Lehrer spüren, dass die Unterscheidung von Bildungs- und Umgangssprache und das Bewusstsein für die Notwendigkeit einer differenzierten Ausdrucksweise immer mehr verlorengeht. An Grundschulen wird über die richtige Methode zum Erlernen der Rechtschreibung ebenso gestritten wie an weiterführenden Schulen über den Stellenwert und die Bewertungsanteile für die sprachliche Richtigkeit.

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Inzwischen wird das Problem zunehmend auch von aufmerksamen Beobachtern in der deutschen Bildungslandschaft wahrgenommen, und es sind erste Ansätze zu erkennen, etwas dagegen zu unternehmen. Die Buchveröffentlichungen dazu werden zahlreicher, aber die Schlussfolgerungen sind unterschiedlich. Verschiedene Vereine und Stiftungsorganisationen haben sich speziell die Sprachförderung zum Ziel gesetzt, und die Kultusministerkonferenz unter dem neuen Vorsitzenden Alexander Lorz aus Hessen hat zu Beginn des Jahres 2019 ein Programm zur Stärkung der Bildungssprache an den weiterführenden Schulen aufgelegt.
Aber reicht das – und wie ernsthaft werden diese Pläne umgesetzt werden, wo doch der Eindruck naheliegt, dass der sprachliche Ausdruck in Zeiten der zunehmenden Digitalisierung und allgemeinen Internationalisierung immer weniger wichtig wird, wie es ebenfalls von einzelnen Bildungsforschern verkündet wird?

Diesen Fragen widmet sich ein zweiteiliger Vortrag der Volkshochschule Jülicher Land im April und Mai. (Kursnummer D 02 – 104 und D 02 -105). Referent ist der ehemalige Deutschlehrer Claus Günther Maas aus Jülich, der sich u.a. als Regionalleiter für den Raum Aachen sowie als Projektleiter für den Bereich „Deutsch in der Schule“ im Verein Deutsche Sprache engagiert.

Die Vorträge finden am 1.April und am 6. Mai jeweils von 19 bis 20.30 Uhr in den Räumen der Volkshochschule Jülich am Aachener Tor statt.

1 KOMMENTAR

  1. In jeder Epoche ist es ehrenwert, Sprachbewusstsein und -kreativität zu fördern. Sprache ist nicht nur eine hohe kulturelle Errungenschaft an sich, sondern als Ausdrucksmittel gleichzeitig Medium und Förderer zukünftiger kultureller Entwicklungen.

    Sprache ist vielfältig und wird zu jedem Zeitpunkt ihres Gebrauchs zwischen den Sprechenden neu verhandelt. Es ist zu bezweifeln, dass sich die Mehrheit der Jülicher heute ausdrücken möchte wie im Nachkriegsdeutschland, wie in 1910, geschweige denn wie zu Zeiten Goethes.

    Die Vorstellung einer über Jahrhunderte unveränderlichen, jederzeit gültigen, korrekten Sprache entspricht nicht dem Wesen der Sprache und der Realität unserer Welt.

    Auch wissenschaftlich sind solche popluären Vorstellungen nicht haltbar; exemplarisch verweisen sei auf
    – das Forschungsfeld Sprachkritik an der RWTH Aachen: http://www.isk.rwth-aachen.de/Sprachkritik
    – einen aktuellen Nachrichtenartikel aus dem IT-Umfeld: https://www.heise.de/newsticker/meldung/Wissenschaftler-Soziale-Medien-lassen-Sprache-nicht-verlottern-4330172.html
    – viele Quellen des entsprechenden Wikipedia-Artikels: https://de.wikipedia.org/wiki/Sprachkritik

    Fördern wir daher den kreativen Umgang mit Sprache, das Spielen mit Sprache und entzünden wir Lust an Sprache bei Kindern, Schülern und Erwachsenen statt elitäre, sprachpuristische Vorstellung in der Gesellschaft zu zementieren und im eigenen Dunstkreis über den vermeintlichen Untergang zu lamentieren. Das haben schon Generationen vor uns getan.

    Ich wünsche dem Referenten den Mut, diese Freude zu entfachen.

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