„Mein Vater hatte sich eine Kaltblut-Stute gekauft“, berichtet Thomas Wolff und kann sich das Lachen auch rückblickend kaum verkneifen. Was keiner wusste: Der Neuzugang im Stall der Wolffs war tragend. Am Karfreitag 2008 kam das „Überraschungspaket“. Der so Bezeichnete schnaubt ein wenig indigniert, senkt den riesigen Kopf, stupst die vielen Besucher freundlich mit dem samtweichen Maul an und beobachtet aufmerksam aus großen braunen Augen das Treiben um sich herum. Der heute 18-jährige Amadeus ist ein Brabanter-Friesen-Mix und eines von drei Arbeitspferden auf dem Wolff’schen Hof. Gesellschaft leisten ihnen ein Holsteiner, ein deutsches Sportpferd und ein westfälisches Reitpony auf der Wiese nebenan. Schließlich beschränkt sich das „Pferdevirus“ nicht auf Vater Thomas. Auch der Rest der Familie ist mehr oder weniger davon „befallen“ und reitet teilweise sogar Turniere.
Doch zurück zu den „Rückepferden“. Die Arbeit mit den Pferden betreibt Thomas Wolff nebenbei – im Hauptberuf ist der gelernte Landmaschinenmechaniker für den Bauhof der Stadt Jülich im Einsatz. Dennoch steckt er eine Menge Zeit und Herzblut in sein Hobby. Pferde habe es im elterlichen Betrieb eigentlich immer gegeben, so Wolff. Früher sei er auch „normal“ geritten, aber spätestens seit Amadeus einzog, nahm die Idee vom Holzrücken und Kutschefahren immer mehr Gestalt an. Was langsam begann, hat inzwischen reichlich professionelle Züge angenommen.
Wolff und sein Gespann, bestehend aus Amadeus und Brabanter-Stute Bella, sind regelmäßig zu Gast im Freilichtmuseum Kommern, wo sie das landwirtschaftliche Arbeiten früherer Zeiten demonstrieren. Auch ziehen die eindrucksvoll starken Tiere immer wieder mit dem Planwagen durchs Jülicher Land. Als Martinspferd ist Amadeus ebenfalls routiniert. Selbst beim weltberühmten Aachener CHIO haben die sanftmütigen Giganten ihr Können bereits unter Beweis gestellt. Ein Können, das beeindruckt. Thomas Wolff und Amadeus demonstrieren auf dem eigens angelegten Übungsparcours, was ein Arbeitspferd und sein Fuhrmann so alles können. Denn auch für die vierbeinigen Schwerarbeiter gibt es Wettbewerbe, die es zu gewinnen gilt. Ein bisschen üben müsse man da schon, stellt Thomas Wolff lakonisch fest und flötet leise. Amadeus reagiert sofort und zieht an. Der trockene Übungsbaum beeindruckt ihn herzlich wenig. Ein kurzes „Hü“, und der Wallach steht. Mit knappen Stimmkommandos dirigiert Wolff das Pferd, dabei bedeutet „ha“, es geht nach links, während „hott“ dem Tier signalisiert, dass es sich nach rechts wenden soll. Diese Kommandos seien quasi allgemeingültig, erklärt der Fuhrmann. Damit ist sichergestellt, dass jeder mit jedem Pferd arbeiten kann – es sei denn, man kommt aus anderen Regionen Deutschlands. In Bayern etwa gelten andere Begriffe, schränkt Thomas Wolff ein.
Derart angeleitet legt Amadeus den Stamm vorschriftsmäßig neben einem Balken ab, zieht ihn durch ein schmales Törchen – hier ist Maßarbeit von Mensch und Tier gefragt – und schiebt das Holz schließlich sogar rückwärts. Was mittlerweile mehr Spiel und Spaß ist, war früher Alltag in der Forstwirtschaft. Aber auch heute noch werden Wolff und seine Tiere bisweilen für echte Einsätze gebucht, etwa wenn eine sogenannte Erstdurchforstung ansteht. „Pferde verdichten den Boden weniger als die schweren Maschinen“, erläutert der Fachmann. Außerdem würden die jungen Bäume besser geschützt. Immerhin trainiert das Gespann genau dieses vorsichtige Vorgehen.
Der nächste Einsatz führt Amadeus und die mit geschätzten 900 Kilogramm Lebendgewicht noch einmal deutlich stämmigere Bella allerdings auf die Straße: Zur Maikirmes in Koslar wird das Duo die königliche Kutsche durch den Ort ziehen.






























