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Brandgefährlich

Hitzesommer. Trockensommer. Dürre. Extrem-Wetter. Die Schlagzeilen waren schon im Frühling gespickt mit Prognosen. Wer die Situation hinterfragt, bekommt ein zweigeteiltes Bild.

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Sieht malerisch aus - ist aber gefährlich: Der Borkenkäfer greift die Rinde an. Foto: pixabay_congerdesign
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Es hat nicht nur gefühlt mehr geregnet als im vergangenen Jahr. Die Landwirte sind leidlich zufrieden, wie Erich Gussen als Vorsitzender der Kreisbauernschaft bestätigt. „Wenn wir jede Woche 20 Millimeter Regen bekommen, passt das.“ Das bedeutet natürlich, dass die Ernte zufriedenstellend sein wird, weil es den Pflanzen gut gehen wird. Förster Moritz Weyland beurteilt das ganz anders: „Man kann sagen: Wenn wir in diesem Jahr wieder so trockene Verhältnisse haben, dass sich unser Landschaftsbild rapide verändern wird.“ Für ihn geht das Thema deutlich mehr in die Tiefe, wie es die Bäume mit ihren Wurzeln tun.

Gräbt man im Wald, erklärt Weyland, stößt man spätestens nach 60-70 Zentimetern auf trockene Erde, „ich meine pulvertrocken!“. Die Bäume haben alles Wasser, was zur Verfügung stand, aufgebraucht, erläutert der Fachmann. „Man muss sich das so vorstellen: Der Baum saugt jeden Tag literweise Wasser aus dem Boden und transportiert es nach oben in die Krone, die es durch die Photosynthese-Mechnanismen verdunstet. Wenn dieser Kreislauf unterbrochen ist, stirbt der Baum ab.“ Das ist offenbar an vielen Stellen bereits so: Die Wasserspeicher im Waldboden sind nahezu erschöpft. Hinzu kommt, dass die trockene Erde Regenwasser erst einmal auch nicht aufnehmen kann. In Hanglagen wie an der Sophienhöhe kommt dazu, dass dort, wo keine Bäume oder Sträucher an Hängen stehen, bei den starken und plötzlichen Regenfällen der Boden abgetragen wird. Gut sichtbar sei das an den Wegen, die dann unterspült wären. „Wir bräuchten eigentlich einmal eine Regenperiode, die ein, zwei Wochen anhält“, sagt der Förster. Die ist nicht in Sicht. Die Wetterportale melden Anfang Juli die erste Hitzewelle mit Temperaturen um die 40 Grad.

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Der Mangel an wassergetränktem Boden in diesem Jahr ist nur ein Aspekt. Die Wetterlage im Sommer 2018 hat bereits Langzeitschäden verursacht. „Man muss nur einfach mal offenen Auges durch die Wälder fahren oder an den Straßen vorbei, da sieht man immer mehr tote, abgestorbene Bäume stehen.“ Verursacht werden sie durch unterschiedliche Baumkrankheiten, ein Beispiel ist die Ahornrußrindenkrankheit. Das ist eine Pilzerkrankung, die auftritt, wenn es extrem heiß und trocken ist und der Baum „Wasserstress“ hatte. „Dann kann der Ahorn sich nicht mehr wehren.“ Gleich zweimal musste in Jülich deshalb in diesem Jahr schon zur Säge gegriffen werden: Nach Karneval fielen die Ahornbäume im Wäldchen in der Bertastraße, wenig später an der Aachener Landstraße/Königsberger Straße. Ein zweites Beispiel: Die Fichte. Sie neigt zum starken harzen; ein natürlicher Abwehrmechanismus nicht nur gegen Pilze und Bakterien, sondern vor allem gegen den Borkenkäfer. Durch die Trockenheit im vergangenen Jahr konnte die Fichte diesen Mechanismus nicht in Gang setzen, erklärt der Förster, und wurde „wenn man so sagen darf, von dem Borkenkäfer – ob es der Buchdrucker oder Kupferstecher war –, gnadenlos aufgefressen.“

Um die weitere Verbreitung des Borkenkäfers aufzuhalten, erläutert Förster Weyland, muss gezielt gefällt werden. Gut zu sehen sei das in der Eifel, wo schon viele kahle Flächen zu sehen sein. Da gehe es nicht um Gewinnmaximierung der Holzwirtschaft, sondern um den Schutz der gesunden Bäume. Der Jülicher Raum hat ein bisschen Glück gehabt, sagt Weyland. Die Region ist geprägt von Laubholz und die Böden seien gut und nährstoffreich. „Sie können auch einigermaßen das Wasser halten. Da ist im letzten Jahr in den Kulturflächen so gut wie gar nichts passiert.“ Das ist wichtig, denn es ist die Aufgabe der Förster die frei geworden Flächen, durch eine gute Baumartenwahl, die dem Klimawandel angepasst ist, wieder aufzuforsten. „Damit wir wieder langfristig überall wieder Wald haben. Das ist unser Ziel und das sollte das Ziel von allen sein, nicht nur für den Bodenschutz, sondern auch, um eine gute Trinkwasserversorgung zu ermöglichen. Die CO2-Bindung spielt natürlich auch eine wichtige Rolle.“ Das ginge nur gemeinsam. Der Landesbetrieb Wald und Holz hat hierzu einen Handlungsfaden herausgegeben ” Waldbaukonzept Nordrhein-Westfalen”, der beispielsweise Empfehlungen für Baumarten je nach Bodentyp ausspricht. Aber Setzlinge muss man erst einmal bekommen, denn auch die Baumschulen haben Schaden genommen und exotische Einfuhren dürfen nicht gepflanzt werden: „Wir dürfen nur forstlich geprüftes Pflanzgut verwenden“

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Dorothée Schenk
Freie Journalistin, Redakteurin (gelernt bei der Westdeutschen Zeitung in Neuss, Krefeld, Mönchengladbach) und Kunsthistorikerin (M.A. in Würzburg) Gebürtige Sauerländerin und Wahl-Jülicherin.

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