Start Stadtteile Jülich Ein unbeschreibliches Gefühl

Ein unbeschreibliches Gefühl

246
0
TEILEN
Foto: privat
- Anzeige -

„Warum mache ich das Ganze überhaupt?“ – Eine Frage, die ich mir jedes Mal stelle, wenn ich vor der Bühne stehe. Man könnte meinen, dass man sich als erfahrene Turniertänzerin an diesen Moment gewöhnt hat, vor allem bei Auftritten – die sind immerhin nicht so nervenaufreibend wie die Turniere. Aber dem ist nicht so, und das wird wahrscheinlich auch immer so bleiben.

Ich kann mir vorstellen, dass man sich folgende Frage stellt: „Wenn du dich immer fragst, warum du das Ganze machst… Ja, warum machst du es dann?“ Und die Frage ist recht einfach zu beantworten. Dieser Moment, wenn man auf der Bühne steht und endlich sein Können zeigen kann. Das, was man in den letzten Wochen und Monaten so hart trainiert hat. Der Moment, wenn du loslassen und dich voll und ganz deiner Leidenschaft hingeben kannst – ein unbeschreibliches Gefühl. Und das ist der Grund, warum man immer wieder vor der Bühne steht und sich denkt: „Das mache ich nie wieder“. Aber fangen wir einmal ganz von vorne an.

- Anzeige -

Garde- und Schautanzsport – für viele keine „richtige“ Sportart, aber das trifft überhaupt nicht zu. Es ist ein Leistungssport, drei Mal die Woche Training auf hohem Niveau. Im Turniersport herrscht große Konkurrenz, und genau die treibt einen an. Man geht im Training häufig an seine Grenzen. Deutschlandweit wird sich mit anderen Vereinen gemessen, mit anderen Tänzen und Tänzern verglichen und um die Teilnahme an Landes-, Deutschen und Europameisterschaften gekämpft. Der Druck ist immens hoch. Deswegen ist das Tanzen nicht nur Euphorie und Erfolg, sondern auch viele Tränen, Frustration und Muskelkater.

Die Turniersaison findet jedes Jahr von November bis Mai statt, aber getanzt wird das ganze Jahr. Neben den Turnieren und einigen Geburtstags- oder Hochzeitsauftritten tanzen wir natürlich auch auf verschiedenen Karnevalssitzungen. Das fängt ja bekanntlich auch schon im November an. Im Januar ist sowohl im Turniersport als auch im Karneval Hochsaison. Da kommt es häufig vor, dass man kein freies Wochenende mehr hat. Den krönenden Abschluss, bevor es mit den Turnieren weitergeht, macht Weiberfastnacht – mit einem extra einstudierten Tanz. Bis zu acht Auftritte in fünf Stunden sind da Standardprogramm. Aber genau das macht die Freude an Karneval aus.

Endlich ist es so weit. Heute ist „nur“ ein Auftritt, bei dem wir mit einem Gardetanz und einem Showtanz auf dem Programm stehen. Wir treffen uns in einer Halle, einer Schule, wo auch immer man sich fertig machen kann. Noch ist die Stimmung ausgelassen, alle sind gut drauf. Dann greift die Routine ein – die einen flechten die Haare, die anderen schminken sich oder andere. Das kann gut zwei Stunden dauern und je mehr Zeit vergeht, desto mehr spürt man die Anspannung, die langsam aber sicher wächst.

Dann geht alles ganz schnell. Wir sind wie immer unter Zeitdruck. Sobald alle fertig sind, werden zügig noch einmal alle Tänze durchgetanzt und das Wichtigste besprochen. Danach wird sich angezogen und es geht auch schon los in Richtung Festzelt.

„Wie weit sind sie schon?“ Ein Blick auf die Bühne verrät uns, dass wir noch mehr als genügend Zeit haben. Zum Glück! Aber an Essen und Trinken kann ist vor dem Tanzen nicht zu denken. Dazu bin ich zu nervös, und vielen anderen geht es genauso. Also schauen wir uns die anderen Tänze an und bereiten uns langsam aber sicher auf den Auftritt vor.

Das Aufwärmen und Dehnen ist besonders wichtig im Garde- und Schautanzsport, ansonsten kann man sich sehr leicht verletzen. Das möchte niemand, besonders nicht in der Turniersaison. Also wird sich ausgiebig gedehnt, und meistens sind wir damit viel früher fertig, als wir eigentlich sein müssten.

„Nach dieser Gruppe sind wir dran.“ Alle fangen an, sich die nur halb angezogenen Kostüme ganz anzuziehen. Die Kostüme für den Showtanz werden auch schon bereitgelegt, denn nach dem ersten Tanz bleibt nicht viel Zeit, um sich umzuziehen – dabei kann es sogar schon einmal sein, dass man sich in der Eile sein Kostüm falsch herum anzieht. Wenn dann alle fertig sind, stellen wir uns auf. Ein letzter Check – sitzt alles? Sind die Kostüme ordentlich zugebunden? Haben alle Lippenstift aufgetragen?

„Wir begrüßen nun auf der Bühne die Dancing Stars vom TSC Schwarz-Gelb Jülich!“ Und dann sind wir wieder bei dem besagten Moment. „Warum mache ich das Ganze überhaupt?“ Und wie immer wird mir klar, dass ich es liebe – genau diese Anspannung vor und auf der Bühne. Die Erleichterung, wenn der Tanz vorbei ist und der Moment danach Bühne, wenn du dir wünschst, sofort wieder hoch zu gehen und genau dasselbe noch einmal zu machen. Ja, Tanzen raubt mir den letzten Nerv, aber das ist genau das, was ich daran liebe.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here