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Lernen in Zeiten von Corona (2)

Dieses Schuljahr wird in die Geschichte eingehen. Das steht jetzt schon fest. Ganz besonders trifft es die Klassen 12 und 10, die derzeit vor ihren Abschluss-Prüfungen zum Abitur und der Mittleren Reife stehen – der „Corona-Jahrgang“. Dass – zusätzlich zu den persönlichen Einschnitten wie fehlender Abschlussparty, die ja am Ende dieses Lebensabschnitts auch eine wichtige Funktion hat – ihnen daraus keine Nachteile für die Zukunft erwachsen, ist besonders wichtig.

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Foto: tee
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Neue Wörter haben Eltern wie Kinder und Jugendliche gelernt: „Homeschooling“ und „Distanzlernen“ sind zwei davon. Vom i-Dotz bis zum Abiturienten galten praktisch von den Iden des März an neue Regeln fürs Lernen. Gemeinsame Anstrengungen mit Eltern und Lehrern mussten unternommen werden, um den Schulstoff nicht vergessen zu lassen, Hirn und Gedächtnis in Bewegung zu halten. Übereinstimmendes Fazit der fünf städtischen Grundschulen, drei Gymnasien und die Sekundarschule der Herzogstadt: Es ist gelungen – bei einigen mit Einschränkungen, aber gelungen. Mit einer großen Wertschätzung und Lob, so ist zu hören, hätten sich die Eltern für den Einsatz der Lehrer zurückgemeldet. Wichtig zu wissen: Alles, was in den vergangenen Wochen von den Schülerinnen und Schülern zu Hause erarbeitet worden ist, wird nicht benotet und dient vor allem der Festigung und Wiederholung des Lernstoffs.

Sehr unterschiedliche Wege wählten die Schulen, Lehr- und Lernmaterial zu den Schülerinnen und Schülern zu bringen. Hier gibt es – verständlicherweise – Unterschiede zwischen den Grundschulen und weiterführenden Schulen.

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Am letzten Schultag, Freitag, 13. März, als schon absehbar war, dass am Montag kein Unterricht mehr stattfinden würde, haben die Grundschüler ihre Materialien mit Arbeitsaufträgen im dicken Tornister nach Hause bekommen. Im Nachklang ist Erst- bis Viertklässlern online Arbeitsmaterialien zur Verfügung gestellt worden. Viele der Schulen haben darüber hinaus für Eltern, die keinen Drucker zu Hause haben, einen Abholservice angeboten. Die Katholische Grundschule machte sich die Mühe und fuhr die Arbeitsmaterialien in zusammengestellten Paketen sogar aus. Außerdem stehen die Lehrer über Videokonferenzen, Mail und Telefon bei Nachfragen bei allen Schulen zur Verfügung. Manche Schulen laden auch Videos hoch, in denen Lerninhalte erklärt werden. Nicht nur um Unterrichtsstoff zu vermitteln, auch um den Kontakt zu ihren Schülerinnen und Schülern zu halten. Alle Schulleitungen der Grundschulen stellen übereinstimmend fest: Für die „Kleinen“ ist der direkte Kontakt zum Lehrer noch besonderes wichtig.

Einigkeit herrscht weitgehend, dass durch die Coronakrise die „Digitalisierung der Schulen“ einen ordentlichen Schub bekommen hat. Gut vorbereitet auf Krisenzeiten war die Sekundarschule, die bereits drei iPad-Klassen hat und die Nutzung der Plattform padlet für den Austausch von Lernmaterial eingeübt hat. Die Schüler, so Angelika Lafos als Schulleiterin, würden auch im normalen Schulunterricht Mathematikaufgaben oder Vokabeln am Computer lernen. Die Abstimmung des Kollegiums erfolgt weitgehend über ein Tool namens „teams“ – schon in der Vor-Corona- zeit. Auch das Gymnasium Zitadelle sieht sich gut aufgestellt, wie Schulleiterin Dr. Edith Körver erklärt: „Da wir schon vor vielen Jahren für jeden einzelnen Schüler des Gymnasiums Zitadelle eine Lizenz von Office 365 erworben haben, sind wir diesbezüglich weit vorne. Die Schülerinnen und Schüler werden nicht nur mit Lernmaterial versorgt, sondern auch individuell betreut und beraten.“

Einen Regenbogen setzte auch das Kollegium der Promenadenschule. Foto: privat

Für die übrigen Schulen gilt die Erkenntnis, dass auch in der Forschungsstadt Jülich noch Nachholbedarf im Bereich „digitales Lernen“ herrscht, damit alle Kinder und Jugendlichen die gleichen Chancen zur „Teilhabe an Bildung“ haben. „Wir erreichen lange nicht alle. Nicht jeder, der eine Mail von der Schule bekommt, kann damit umgehen“, sagte Heinz Rombach, Schulleiter der GGS Jülich-Nord und des Grundschul-Standortes Welldorf. Er schätzt, dass rund 30 Prozent der Schüler momentan den Unterricht einfach aussetzen. Teilweise sind die Eltern auch per Post nicht erreichbar. Briefe kämen zurück, etwa weil Beschriftung an den Postkästen fehlt. Es mangelt also an der verbindlichen Erreichbarkeit und – weitere Erkenntnis – an der Ausstattung in den Familien. Nicht alle verfügten über die notwendigen Geräte oder auch Sprachkenntnisse, um entweder die notwendigen Programme zu installieren, auf Plattformen zuzugreifen oder Arbeitsmaterial auszudrucken. Das ist eine Rückmeldung aller Schulen in Jülich.

Die Aufbruchstimmung findet auch in den – derzeit digitalen – Lehrerzimmern statt. „Office 365“ ist offenbar das Mittel der Wahl für viele Schulen. Christiane Clemens vom Mädchengymnasium berichtet darüber hinaus begeistert von den Online-Fortbildungen des Kollegiums: „Das Unternehmen Fobizz hat uns einen Tag kostenlos eine Fortbildung zur Verfügung gestellt. Das beinhaltete Cybermobbing, digitale Tafeln im Internet, Programmieren… Im Schneeballsystem haben wir uns untereinander weiterinformiert, damit alle alles kennenlernen konnten.“
Gedanken machen sich die Schulleiter natürlich zum weiteren Verlauf, oder wie es Thorsten Vogelsang für das Gymnasium Haus Overbach formulierte: „Was man nicht machen darf, ist ein: weiter so!“ Viele Gespräche werden hierzu noch notwendig sein, denn perspektivisch sieht Angelika Lafos eine Rückkehr zum normalen Schulalltag für alle Schüler noch lange nicht. Ihre Einschätzung: „Wir sprechen nicht vom Zeitraum bis 4.5. Wir sprechen vom ganzen Schuljahr 2020.“

Schulstart am 4. Mai

Am Montag, 4. Mai, sind dann alle Abschlussklassen – Abiturientia, „Neuner“, „Zehner“ und Viertklässler – wieder in der Schule. Wie der Schulalltag sich letztlich darstellt, das war bei Redaktionsschluss für alle Schulleitungen noch völlig unklar. Es fehlten den Schulleiterinnen und Schulleitern, die sich neben dem Bildungsauftrag auch in der Verantwortung sehen für die Gesundheit der Schüler, des Kollegiums und nicht-pä- dagogischen Personals, verbindliche Aussagen zu Hygieneverordnung, Pausenkonzept und Schulbuskonzept.

Natürlich gelten die Eckdaten auch für Schulen – 1,50 Meter Abstand, Desinfektion, Vorhalten von ausreichend Handtüchern und Seife. „Wenn wir alle Kinder vor dem Unterricht Hände waschen lassen, dann brauchen wir alleine dafür schon 20 Minuten“, gibt Heinz Rombach zu bedenken. Thorsten Vogelsang beschäftigt das Problem: „Wie gehe ich mit Lehrkräften der Risikogruppe um. Wie genau ist sie zu definieren? Das ist aus meiner Sicht absolut offen.“ Nächste Frage am Rande: Wenn Maskenpflicht in den Schulbussen besteht, Schüler aber nicht über eine Maske verfügen, wie kommen sie dann zur Schule?

Für die Abiturientia stehen – so nicht eine plötzliche Erhöhung der Fallzahlen die Pläne wieder hinfällig macht – jetzt am 12. Mai die Abschlussprüfungen an. Wie die Zeugnisübergabe stattfinden kann, ob in festlichem Rahmen in der Schule, ist noch offen. „Für eine verbindliche Aussage fehlt einfach die rechtsverbindliche Grundlage.“

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