Start Magazin Geschichte/n Rokoko-Tor wird Blickfang im Neubau

Rokoko-Tor wird Blickfang im Neubau

Ungewohnte Betriebsamkeit am ehemaligen Evangelischen Friedhof gegenüber dem Propst-Bechte-Platz Ecke Düsseldorfer und Linnicher Straße: Männer stehen auf einem Gerüst und bearbeiten die Mauer mit dem alten Kirchenportal mit Meißelhämmern. Passanten bleiben stehen und beschauen sich die Aktivitäten neugierig. Was denn hier geschehe, möchten einige wissen. Bereitwillig erklärt Christian Preutenborbeck das Vorhaben des Kirchenkreises Jülich, auf dem Terrain des ehemaligen Friedhofes das neue Verwaltungsamt zu errichten.

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Das Rokoko-Tor des evangelischen Friedhofs. Fotos: Arne Schenk
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Lange hat das Gelände einen Dornröschenschlaf gehalten. Verwunschen wirkte der Platz allein schon wegen der wüst wuchernden Sträucher und Bäume, bis Anfang 2019 dem Wildwuchs ein Ende bereitet wurde. Denn bereits im Spätsommer oder Herbst sollte Baubeginn für das Verwaltungsgebäude sein. Doch dazu kam es bekanntlich nicht. „Es war aufgrund der Marktsituation nicht einfach, einen geeigneten Unternehmer zu finden“, bekräftigt Preutenborbeck, Verwaltungsleiter im Evangelischen Verwaltungsamt des Kirchenkreises.

Letztendlich wurde der Auftraggeber mit der Jülicher Bauunternehmung Lamers handelseinig. Damit wurde auch das Bestreben, mit einem regionalen Anbieter zu arbeiten, voll erfüllt. Nachhaltigkeit sei ein wichtiger Baustein in diesem Projekt, unterstreicht der Verwaltungsleiter. Vom Konzept BOB (Balanced Office Building), der Nutzung von Erd- und Strahlungswärme, der genauen technischen Überwachung sämtlicher Verbräuche, um diese möglichst gering zu halten, bis zu nachhaltigen Baustoffen und Anbietern aus der Region würde alles getan, „um den ökologischen Fußabdruck, so gut es geht, zu berücksichtigen“. Dabei kooperiert der Bauherr auch eng mit der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB).

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Gut 60 Prozent der Fläche würde überbaut, meint Preutenborbeck. An den Plänen von 2016 hat sich nichts geändert. Die restlichen 40 Prozent sollen als Friedhofsgelände erhalten bleiben und damit der Zugang zu dem Restgelände des immerhin bereits um 1620 von der reformierten Gemeinde vor dem Düsseldorfer Tor angelegten Friedhofs und insbesondere zu Grabstätten, zu denen es noch Angehörige gibt. Dabei zeigt Christian Preutenborbeck als Beispiel auf eine Grabstelle am Rande der Mauer zur Linnicher Straße hin.

Im April oder Mai sollen die Bauarbeiten nun endgültig starten. Der vordere Teil der Mauer an der Düsseldorfer Straße bis etwa zwei Meter neben der Kirchenpforte soll einem neuen Zugang und einer Straße weichen. Der Rest der Friedhofmauer soll erhalten bleiben. Das Tor selbst stellt das originale Rokokoportal der Evangelischen Kirche von 1745 dar und ist denkmalgeschützt. Daher soll es später im Eingangsbereich des neuen Gebäudes aufgestellt werden.

Dazu musste es zunächst aber von den Klinkersteinen befreit werden, die dem Tor in den vergangenen Jahrzehnten dort Halt gegeben haben. Für eine fachmännische Abtragung sorgt der Steinmetzbetrieb Schmitz & Retz aus Nörvenich. Vier Tage sind die Mitarbeiter vor Ort, um das Unternehmen mit Bedacht und Vorsicht anzugehen. Auch Irene Cremer, verantwortlich für Denkmalrechtliche Verwaltungsangelegenheiten bei der Stadt Jülich, macht sich vor Ort ein Bild von den Arbeiten.

Denn einfach ist das ganze Unterfangen nicht, wie bei näherer Betrachtung deutlich wird. Erscheint dem Außenstehenden die Verankerung der Kopfplatte durch Stifte mit den Seitenteilen ein Problem, bereitet in Wirklichkeit das Gewicht die meisten Schwierigkeiten, wie Meister Hans-Georg Schmitz im Nachhinein bestätigt. Nach geschätzten 800 Kilogramm habe er mit einer Tonne gerechnet. Tatsächlich beträgt das Gewicht 1600 Kilo. Besondere Vorsicht ist also angesagt, immerhin besteht das Portal aus belgischem Granit, das durch seine Adern leicht brechen kann.

Geduld ist daher besonders gefragt, die nötige Erfahrung bringen die Arbeiter ohnehin mit. Behutsam gehen sie unter den prüfenden Augen von Polier Wolfgang Heimbach den Abbau an, überlegen sich jeden Schritt mehrfach bis in die letzte Konsequenz, bis endlich der Kran die Kopfplatte auf zwei Europaletten liegend abgeladen hat. Ähnlich ergeht es den restlichen Teilen, die alle zur weiteren Bearbeitung nach Nörvenich gebracht werden.

Auch wenn so wenig wie möglich restauriert, sondern stattdessen der Charakter des Portals erhalten bleiben soll, einige Ausbesserungsarbeiten müssen allein schon wegen der Statik getätigt werden. „Bei den Fehlstellen werden Vierungsstücke aus altem neuen Material ausgearbeitet“, erklärt Hans-Georg Schmitz. Zudem soll ein Eisenelement auf der Rückseite für Stabilität sorgen. Schließlich soll es ja für die neue Aufgabe bestens gerüstet sein.

Lesen Sie hierzu: Neubau wahrt Totenruhe

Der evangelische Friedhof 2005


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