Blau machen
In leuchtendem Blau gestrichen, stehen in allen Ortsteilen und im Zentrum der Herzogstadt Bänke bereit. Sie signalisieren: Wer hier sitzt, möchte mitgenommen werden. 20 Mitnahmebänke hat der Bauhof der Stadt im Jahr 2021 installiert. Ein Erfolgsmodell? In Zahlen ließe sich das nicht definieren, so Claudia Tonic-Cober. Ihr Wunsch ist es, eine digitale Plattform zu installieren, über die sich die Menschen verabreden können – mitzufahren und mitzunehmen.
Elektrisch „rollern“
Teil der mobilen Möglichkeiten in Jülich und seinen Ortsteilen sind seit zwei Jahren die E-Scooter der Firma „Zeus“. Über die Roller von Vorgänger „Lime“ gab es zahlreiche Beschwerden – umgefallen und mindestens im Weg oder auch in der Rur liegend. Auch über die neuen Roller beschweren sich Bürger. Zurecht und sehr sachlich, konstatiert die Mobilitätsmanagerin. Dennoch hält sie die Roller für ein grundsätzlich sinnvolles Angebot, auch die Zusammenarbeit mit dem Anbieter funktioniere gut. Man habe festgestellt, dass vor allem zwischen Bahnhof und Innenstadt und von der Fachhochschule ins Zentrum die Roller genutzt würden, weniger auf den Dörfern. Deshalb wird Zeus nun die Anzahl der Gefährte auf 80 bis 90 reduzieren, mehr brauche Jülich nicht. Was die Nutzung betrifft, appelliert Tonic-Cober: „Lasst und doch einfach Rücksicht nehmen und uns an Regeln halten!“
Per pedes unterwegs
Beweglich sein kann man auch zu Fuß. Gleich zu Beginn der Arbeit mit dem Mobilitäts“kompass“ kam Jülich in den Genuss eines Fußverkehrs-Checks. In Kooperation mit dem „Zukunftsnetz Mobilität NRW“ sind Jülicherinnen und Jülicher in zwei Gruppen durch die Innenstadt gelaufen. Auch hier fällt das Stichwort „unterschiedliche Bedürfnisse“. Claudia Tonic-Cober erläutert: „Unter den 25 Menschen waren zum Beispiel Sehbeeinträchtigte und Menschen im Rollstuhl dabei, aber auch Seniorinnen und Senioren.“ Kleinere Maßnahmen, die aus diesem Check folgten, wurden direkt umgesetzt, so etwa eine Markierung an der „Querung“ der Dr. Weyer-Straße über die Wilhelm-Straße oder die Beseitigung von Unebenheit an anderer Stelle.
Gut geleitet zum nächsten Parkplatz
Wer mit dem Auto fährt, möchte es irgendwann auch abstellen. Am besten möglichst nah am liebsten Einkaufsziel. Jülichs Parkhäuser seien nahezu nie vollständig belegt, hält die Managerin fürs Mobile fest. Wo wie viele freie Parkplätze zu finden sind, sollen künftig Schilder anzeigen, so der Gedanke. Das fertige Konzept dazu, wie das zunächst ohne Fördermittel und detaillierte Verkehrserhebung funktionieren kann, wird der Politik nach der Sommerpause vorgestellt, so Tonic-Cober.
Radeln mit Konzept
Mit dem Auto, dem Roller oder, richtig, auch mit dem Fahrrad sind viele Menschen in Jülichs Ortsteilen unterwegs. An mancher Stelle endet die Radtour allerdings abrupt, schlicht weil der entsprechende Weg an der Kreuzung einfach aufhört. So am Ende der Hasenfelder Straße in Richtung Broich. Dort gibt es noch keine schnell umsetzbare Lösung. Wer aber von der Bourheimer Adenauer Straße aus über die B56 fahren möchte, findet dort demnächst entsprechende Markierungen. Schon lange seitens der Stadt geplant und beantragt, kommt jetzt ein „Synergie-Effekt“ zum Tragen: Straßen.NRW wird im Zuge der Bauarbeiten an Kreisel und Umgehungsstraße die geforderte Querungshilfe aufbringen.
Komplexität ist das Stichwort, das gleich zu Beginn des Gesprächs fällt. Beispielhaft führt Claudia Tonic-Cober alleine die verschiedenen Maßnahmenträger wie Kommune, Kreis oder Land an, die alle in unterschiedlicher Form beteiligt sind respektive beteiligt werden müssen. Auch „Baulastenträger“, die mit Skizzen, Plänen und Entwürfen versorgt werden müssen, bevor ein Projekt angegangen werden kann, sind diverse zu berücksichtigen. Sie könne durchaus verstehen, dass Bürgerinnen und Bürger manchmal das Gefühl hätten, „da passiere nichts“, zeigt die Managerin Verständnis, weist aber darauf hin, dass „man oft einfach nur nichts sieht.“ Die Radwegeführung am Brückenkopf Park vorbei, zwischen dem Parkplatz am Lindenrondell hin zur Stadionbrücke, sei so ein Beispiel. Ganze drei Jahre habe es gedauert, bis das Projekt überhaupt erst eingereicht werden könne. Der Plan sieht vor, allen, die dort mit dem Rad unterwegs sind, mehr Sicherheit zu bieten, indem eine deutlich hervorgehobene und entsprechend beschilderte Fahrradstraße oberhalb des Parkplatzes ausgewiesen würde. Apropos Fahrradstraße: Nachdem auf der Kölnstraße nun Radfahrende Vorrang haben, fehlen noch letzte Markierungen und Schilder – auch dies ein langer Weg vom Antrag bis zur Umsetzung.
Besserung für Radler
Gut Ding will auch an anderer Stelle Weile haben: So sei schon vor geraumer Zeit eine verbesserte „Radwegeführung“ entlang der Bahnhofstraße geplant gewesen. Aber dann „kam der Schwan“, konstatiert Claudia Tonic-Cober etwas lakonisch und meint die Planungen rund um das Schwanenquartier, die unter anderem einen Kreisverkehr vorsehen. „Da ist es dann wenig sinnvoll, wenn wir vorher einen Radweg bauen“, ergänzt sie. Auch der gewünschte Radweg von Jülich nach Mersch sei nicht mal „eben so“ realisierbar, weiß die Mobilitätsmanagerin und führt beispielhaft die Besitzverhältnisse und notwendige Gutachten zur Bodenbeschaffenheit an.
Erfolgreiche Lastenträger
Eine echte Erfolgsgeschichte im Rahmen von Jülicher Mobilität sind übrigens die beiden Lastenräder „Willi“ und „Julchen“. In grauen Garagen im Rathaus-Innenhof stehen die beiden Räder wettergeschützt bereit und können kostenlos ausgeliehen werden. Das Prozedere mutet zunächst ein wenig kompliziert an, muss man sich doch persönlich bei der Stadt registrieren. Doch dann können „Willi“ und „Julchen“ einfach per Buchungssoftware vorbestellt und abgeholt werden. „Vor allem in den Sommermonaten sind die Räder stark nachgefragt“, freut sich Claudia Tonic-Cober.
Bitte einsteigen
Erfolgreich ist auch ein anderes Jülicher Projekt. Seit zehn Jahren fährt der Bürgerbus innerstädtisch von Königsberger bis Petternicher Straße, vom Brückenkopf Park bis zur Schweizer Siedlung. Das Besondere dabei: Die Fahrerinnen und Fahrer des bunt beklebten Mercedes-Sprinters sitzen ehrenamtlich am Lenkrad, betrieben wird das Angebot von einem Verein. Dieser versteht sich übrigens nicht etwa als Konkurrenz, sondern als Ergänzung für den regulären öffentlichen Nahverkehr. Weitere Unterstützung im Fahrerteam ist gerne willkommen. Wer einsteigen möchte, muss mindestens 21 Jahre alt sein und seit drei Jahren im Besitz eines Führerscheins. Weitere Informationen gibt es per Email an buergerbus.juelich@t-online.de.
AST oder Bus?
Zwar auch Teil der innerstädtischen Mobilität, dennoch aber etwas außerhalb des städtischen „Zugriffs“ liegt der Öffentliche Personennahverkehr im Kreis Düren. Als Teil des kreisweiten Nahverkehrskonzepts ergänzt das AnrufSammelTaxi, kurz AST, den Linienverkehr. Im Gegensatz zum herkömmlichen ÖPNV fährt das AST nur auf telefonische Bestellung. Eingesetzt wird es dort, wo der reguläre Busverkehr eingeschränkt ist, weil das Fahrgastaufkommen schwankt, so auch in Welldorf und Güsten. Janine Mischke aus Welldorf ist mit der Taxi-Lösung nicht glücklich, und zwar mit Blick auf ihre 15jährige Tochter: „Sie nutzt das Taxi nur dann, wenn noch Freunde mitfahren, weil sie sich nicht in ein Auto mit Unbekannten setzen möchte. Das kann ich gut nachvollziehen.“ Schließlich säße man dicht an dicht mit Fremden. Das sei etwas anderes als im Bus, der deutlich mehr Platz bietet.


















