
„Wenn man versehentlich Fruchtreiser abschneidet, hat man halt im nächsten Jahr kein Obst“, zuckt Klaus Flaskamp die Schultern. Einen Obstbaum zu schneiden, sei nichts „Hochwissenschaftliches“, meint der erfahrene Obstbaumwart.
Genau das würden allerdings die meisten Menschen denken, wenn sie in einen seiner Kurse kommen. Folglich gehe es in erster Linie darum, „den Leuten Hemmungen zu nehmen“, meint Flaskamp.
2010 hat Klaus Flaskamp sein Handwerk gelernt. Bei der Biologischen Station des Kreises Düren absolvierte er einen Kurs für angehende Obstbaumwarte. Ehefrau Dorothea zog ein paar Jahre später nach. Heute geben beide oft gemeinsam ihr Wissen weiter.
Jetzt ist Klaus Flaskamp vom Landschaftsverband Rheinland LVR für sein Wirken mit dem Rheinlandtaler in der Kategorie Kultur ausgezeichnet worden. Die Auszeichnung bekam er nicht nur dafür, Schnittkurse zu geben, sondern für allem für sein weitergehendes Engagement. So pflegte Flaskamp nicht nur die Obstbäume im Jülicher Brückenkopf-Park, sondern hat auch einen Obstwiesenlehrpfad an der Rur in Linnich angelegt.
Eines ist ihm an dieser Stelle besonders wichtig: „Ich sehe das so, dass der Preis für uns drei ist.“ Denn seine zwei Mitstreiter Rainer Schwerdtfeger und Harry Vollmer seien immer an seiner Seite, betont Flaskamp.

Schnittkurse gibt der Obstbaumwart auf der eigenen Wiese – auch diese übrigens ein Beispiel für das große Engagement des Naturschützers. „Es geht um ökologische Vielfalt“, ist Klaus Flaskamp überzeugt und verweist auf Steinkauz oder Grünspecht, die sich auf der Streuobstwiese wohlfühlen.
Gleich hinter dem gepflegten Garten neben der Terrasse führt der Weg durch ein kleines Holztörchen. Neugierig begrüßt Huhn Berta die Besucher in ihrem Reich. Die große Wiese, auf der 28 Obstbäume wachsen, muss sich Berta mit fünf Artgenossinnen und einer kleinen Schafherde teilen.
Während die Hühnerschar einfach ihr Dasein genießen darf, haben die Schafe den Job, das Gras zwischen den Bäumen kurz zu halten. Als kleine Belohnung gibt es dann ab und an mal süßes Fallobst. Vor allem die „Köstliche von Charneux“, eine alte Birnensorte, wissen die Damen sehr zu schätzen.
Auch Klaus und Dorothea Flaskamp haben ein besonderes Faible für den riesigen Baum, der alle anderen überragt. „Der Baum ist 1920 gepflanzt worden“, erzählen die Flaskamps mit gewissem Besitzerstolz.
Seit sie vor Jahrzehnten ihr Haus in Gevenich bezogen haben, hegt und pflegt das Ehepaar die große Wiese hinterm Haus. Eine Weißdornhecke zieht eine hübsche, vogelfreundliche Grenze zum benachbarten Ackerland. „Ich fluche zwar jedesmal, wenn ich sie schneide, aber die Vögel freuen sich“, lacht Klaus Flaskamp.
Früher habe es in jedem Dorf solche Wiesen gegeben. Leider seien es immer weniger geworden, bedauern die beiden. Für die Flaskamps ein Grund mehr, wenigstens das eigene Reich mitsamt der alten Obstsorten sorgsam zu pflegen.
„Das hier ist ein Roter Eiser-Apfel.“ Klaus Flaskamp weist auf ein noch recht junges Bäumchen. „Die Sorte ist 1515 das erste Mal erwähnt worden.“ Damit zählt der „Rote Eiser“ zu den ältesten bekannten Sorten.
Für Klaus Flaskamp ein ganz besonderer Schatz, denn: „Eine Sorte, die so viele Jahrhunderte überstanden hat, ist widerstandsfähiger als moderne Züchtungen.“ Und das, so der Experte, seien besten Voraussetzungen, um auch mit dem sich ändernden Klima zurecht zu kommen.
Wissen wie dieses gibt es in den Kursen von Klaus Flaskamp quasi gratis dazu. Unterstützung in der Kursleitung holt er sich übrigens sowohl bei seiner Frau als auch bei seinen Freunden Harry Vollmer und Rainer Schwerdtfeger. „Zusammen macht es einfach mehr Spaß.“
Der nächste Schnittkurs ist für den 5. Dezember geplant. Anmeldungen sind telefonisch unter der Rufnummer 02462 / 2188 möglich.




















