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Mit Spirit am Zug

Rede von Martin Schrennen von der QuadroPolis Jülich zum Spatenstich an der Schneidersstraße am 18. Juni.

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Architekt Martin Schrennen. Foto: Dorothée Schenk
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Bevor ich in meiner Tätigkeit als Architekt mehr zu diesem Projekt ausführen werde, möchte ich Sie zu einer Zeitreise einladen. Es ist eine extrem kurze Zeitreise. Eine Zeitreise, bitte schnallen Sie sich an, welche vergleichbar mit einem ICE mit Höchstgeschwindigkeit auf das Ziel zurast. Die Realisierung einer Wohnanlage für 232 Studierende und Auszubildende.

Gezogen vom Triebwagen genannt TEAM. Mit dem emissionsfreien Treibstoff: Spirit. Vor etwa 2 Jahren bildete sich ein Team aus erfahrenen, teilweise schon im Rentenalter befindlichen, Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten, vereint in dem Wunsch, bezahlbaren Wohnraum für Menschen in allen Lebenslagen zu verwirklichen. Ein Team aus einem Steuerberater und Kaufmann, einem Projektentwickler, einem Geologen, einem Stadtplaner und last but not least dem Jungspund der Gang, welcher hier, und es ist mir Freude und Ehre zugleich, zu Ihnen reden darf.

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Vor ziemlich genau einem Jahr und einem Monat kam aus dem Team der Gedanke, das hier in Jülich ein Grundstück zur Bebauung mit Wohnraum für Studierende und Auszubildende sei, mit welchem ich mich bereits im Jahr 2020 befasst hatte. Ich schrieb also nach fast 3 Jahren Stillstand eine E-Mail an den Eigentümer und bekam prompt, am gleichen Tag die Antwort, dass verschiedene Grundstücke, unter anderem dieses, auf dem wir uns befinden noch zu erwerben sind.

Eine Woche später war aus Kontakten des Teams der Investor gefunden. Was uns daran besonders freut ist, dass es sich um einen Investor aus der Region handelt. Dieser war direkt bereit in den Triebwagen zu steigen und die Geschwindigkeit zu erhöhen.
Es folgte, nicht ohne an Geschwindigkeit zu verlieren, die Entwurfsphase. Diese Phase wurde von anderen Mitgliedern des Teams genutzt den Standort und seine spezifischen Möglichkeiten zu untersuchen.

Gespräche wurden geführt. Mit Herrn Ulrich Ivens: Leiter des Fachbereichs Zentrale Berufsausbildung des Forschungszentrum Jülich, mit 300 Auzubildenden und 100 studentischen Praktikantinnen und Praktikanten. Mit Herrn Volker Sanders: Prodekan für Finanzen am Campus Jülich mit mehr als 3.500 Studierenden, und mit Herr Frank Drewes: Geschäftsführer des Brainergy Parks. Keine 500 Meter entfernt von unserem heutigen Treffpunkt, hier wurden bereits jetzt Betriebe mit 1.175 Mitarbeiter gewonnen und weitere Ansiedlungen mit 2.700 Mitarbeitern sind in Planung. Diese Zahlen und das Engagement der o.g. Personen führte dazu, dass unsere Einschätzung zum Standort so gefestigt war, dass wir Ihr Ministerium, Frau Scharrenbach vom Standort und dem Projekt überzeugen wollten.

Der Triebwagen füllte sich mit der Stadt Jülich in Person von Herrn Bürgermeister Axel Fuchs und dem Kreis Düren und raste nach Düsseldorf. Bereits am 01.08.2023 fand in Ihrem Hause, sehr geehrte Frau Scharrenbach eine gemeinsame Konferenz mit Vertretern der Gang, des Kreises, Herr Bürgermeister Fuchs, den Investoren und
den Mitarbeitern Ihres Hauses Herrn Dr. Felix Höppner und Herrn Edmund Grewes statt. Nicht nur die Vorstellung des Projektes, sondern auch die intensive Vorarbeit zur Darstellung des Projektes führte dazu, dass sich die
rasante Geschwindigkeit des Teams noch steigerte. Es kristallisierte sich heraus, dass es der Wunsch aller Beteiligter war, die Baugenehmigung und die Bewilligung der öffentlichen Mittel noch im Jahr 2023 zu ermöglichen.

Wir reden von 129 Tagen bis zum Bewilligungsschluss. Jeder der Beteiligten war sich der Aufgabe und der damit verbundenen Verantwortung bewusst und ich spürte es, ein Team-Spirit war geboren.

Am 22.09.2023 wurde der Bauantrag beim Bauamt der Stadt Jülich und der Förderantrag beim Kreis Düren eingereicht. 79 Tage vor Bewilligungsschluss. Was nun geschah, wurde in der Presse das 11 Wochen Wunder von Jülich genannt. Im Vorgriff zu Ihrem Aufruf, Frau Ministerin, “Aus Regelungswut RegelungsMUT machen – Bürokratie am Bau? Ciao?!“ haben alle Fachämter des Kreises, die Wohnbauförderung des Kreises und insbesondere die Vertreter des Bauordnungsamtes Jülich, Herr Thomas Cannavo, Herr Martin Schulz und Frau Merve Özen sich als Mitglied des TEAMs begriffen und gemeinsam und in dauerndem Kontakt das scheinbar Unmögliche, möglich gemacht.

Baugenehmigung und Bewilligungsbescheid wurden im Jahr 2023 positiv beschieden. Nun, nach einer kleinen Pause, rast der Triebwagen Team mit neu-
er Besatzung weiter. Statiker, Fachplaner, Bauleiter und insbesondere die am Bau
beteiligten Firmen mit Ihren Mitarbeitern haben den Triebwagen bestiegen. Ich hoffe, dass Sie ebenso wie das alte Team mit unverminderter Geschwindigkeit und mit dem, im Wagen vorhandenen, Spirit, nach dem Spatenstich das Projekt zu dem machen was es werden soll.

Eine Wohnanlage bestehend aus 4 Gebäuden. Diese Gebäude mit insgesamt 172 Wohnungen, bestehend aus Ein- und Zweizimmerwohnungen für 232 Studierende und Auszubildende gruppieren sich um einen Hof. Dieser Hof wird belebt durch 4 Gemeinschaftsräume mit unterschiedlichen Nutzungen: Cafe, Bibliothek,Co-Working, Küche und Esszimmer. Ein Keller erreichbar über eine Fahrradrampe, angebunden an den Radweg zum Stadtzentrum und zur Uni dient dem Abstellen von Fahrrädern und fördert eine moderne Mobilität. Energieeffizient, mit Standard KFW 40, was insbesondere die Nebenkosten der Bewohner senkt. Dazu eine Planung, die das kostbare Gut „Bauland“ durch eine angemessenen Vedichtung schont. Diese Grundidee soll die Bewohner unterschiedlicher Fach- und Ausbildungsrichtungen vereinen wie einst eine griechische Polis.

Die Polis, ein städtischer Siedlungskern in welchem die Bewohner des urbanen Zentrums rechtlich nicht unterschieden wurden, wird durch die 4 Gebäude gebildet und hier möchte ich zum Spatenstich noch eine kleine Taufe beitragen: Die QuadroPolis. Die Designerin meines Teams hat dazu das Corporate Design entworfen, welches ich heute als Team Spirit Symbol für die zukünftigen Bewohner dem Investor überreicht habe und welches auf den hier hängenden Plänen zu sehen ist. Dies alles wurde durch Fördermittel des Landes NRW in Höhe von 21,6 Mio Euro ermöglicht.

Abschließend möchte ich noch einen Wunsch äußern. Der Triebwagen des ursprünglichen Teams, der Gang, steht nicht still. Er rasst weiter mit hoher Geschwindigkeit mit dem Ziel weiteren bezahlbaren Wohnraum für die bereits vorhandenen und kommenden Mitarbeiter des Forschungszentrums Jülich, des Campus
und insbesondere des Brainergy Parks zu verwirklichen.

Sehr geehrte Frau Scharrenbach: Ich weiß um die Haushaltslage des Landes und die enormen Anstrengungen des Programms, Fördern was Wohnen schafft bis 2027. Ich weiß auch, dass der Run auf dieses Programm auf Grund der Zinsentwicklung enorm ist.
Ich weiß aber auch um den Spirit des Teams, der Rentnergang, welches diesen Spatenstich ermöglicht hat und sich über weitere Unterstützung durch Ihr Ministerium, sehr geehrte Frau Scharrenbach, im Sinne unseres gemeinsamenTraums von bezahlbarem Wohnraum für alle, insbesondere im Hinblick auf einen erfolgreichen Strukturwandel im Rheinischen Revier, sehr freuen würde. An dieser Stelle erlauben Sie mir noch ein abschließendes persönliches Statement.

Aller, teilweise negativen Stimmung im Land und allen Unkenrufen
über Behördenwahnsinn zum Trotz: Es geht mit Mut, Entschlossenheit und der nötigen Beharrlichkeit.

Zum Artikel: Vom Spatenstich 16 Monate bis zum Einzug


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