Vor nahezu 40 Jahren wurde er gegründet: der Förderverein Festung Zitadelle Jülich e.V.. Unter seinen drei Vorsitzenden Adi Retz, Dipl.-Ing. Conrad Doose und Dr. Rüdiger Urban wurde er zu einem bedeutsamen Bestandteil des Kulturlebens in Jülich und in der Region. Mitte der 1980er-Jahre etablierte sich in der Jülicher Stadtgesellschaft der Gedanke, dass die Zitadelle und die weiteren Überreste der ehemaligen Festungsstadt Jülich ein kulturhistorisches Pfund sind, mit dem sich wuchern lässt. 1972 war in der Zitadelle das Gymnasium eingeweiht worden. Mit der Eröffnung feierte man das vierhundertjährige Bestehen der Anlage. Zur verstärkten Bewusstseinsbildung für den Wert dieses Denkmals vor Ort trug Hartwig Neumann bei, der sich intensiv mit der Bau- und Nutzungsgeschichte der historischen Festungsstadt Jülich beschäftigte und innerhalb kürzester Zeit zahlreiche Veröffentlichungen vorlegte. Gleichzeitig erschien 1978 die bahnbrechende Untersuchung von Prof. Dr.-Ing. Jürgen Eberhardt zur „Idealstadtanlage der Renaissance“ Jülich. Eberhardt war als Architekt bei der Revitalisierung der Zitadelle für Schulzwecke beteiligt gewesen. Intensiv hatte er sich auch mit der Rekonstruktion der Schlosskapelle sowie der frühen Planungs- und Baugeschichte der Zitadelle beschäftigt, Studien die aber erst 1993 durch den Förderverein herausgegeben wurden.
Als der Förderverein 1986 gegründet wurde, waren die Restaurierungen an der Zitadelle weit vorangeschritten. Nun trat das Land Nordrhein-Westfalen als Eigentümer in die Phase ein, die Anlage im Hinblick auf eine museale Erschließung weiter zu ertüchtigen. Ein entsprechendes Konzept hatte Jürgen Eberhardt Ende der 1980er-Jahre vorgelegt. Der Förderverein hatte sich den Erhalt und die Pflege dieses bau- und kunsthistorisch bedeutsamen Bauwerkes zum Ziel gesetzt und es insbesondere über Großveranstaltungen – die Zitadellenfeste – in der breiteren Öffentlichkeit als Kulturbühne zu etablieren. Das gelang mit großem Erfolg, sodass Conrad Doose, als er den Vorsitz Anfang der 1990er-Jahre übernahm – der Ausrichtung des Vereins eine weitere Zielrichtung geben konnte: die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Leben und Werk des Architekten von Stadt und Zitadelle, Alessandro Pasqualini. Anlass hierfür bildete der 500. Geburtstag Pasqualinis im Jahr 1993, der von der Stadt Jülich – initiiert durch den Förderverein – mit einem reichen Programm gewürdigt wurde: Ausstellungen, Vorträge, Exkursionen, Feste und ein wissenschaftliches Symposium fanden ihren Widerhall auch in der überregionalen Presse. Gleichzeitig rückte der Förderverein den maßgeblich von dem Aachener Professor für Städtebau, René von Schöfer, geprägten Nachkriegswiederaufbau auf dem renaissancezeitlichen Stadtgrundriss in das Blickfeld der Öffentlichkeit. Darauf fußt die im Jahre 1993 von Jülicher Stadtrat beschlossene Denkmalbereichssatzung.
Die parallel laufenden Planungen zur Landesgartenschau 1998 erzeugten eine Aufbruchsstimmung, was die Möglichkeiten der Vermarktung Jülichs betraf, die in der Gründung des Vereins Jülich Information e.V. (heute Stadtmarketing Jülich e.V.) und der Wahl des Stadtslogans „Historische Festungsstadt – Moderne Forschungsstadt“ mündete.
Der Förderverein selbst, dem es immer auch um Belange des Denkmalschutzes und der Denkmalpflege ging, hatte zu diesem Zeitpunkt schon wichtige Bauzeugnisse im Umfeld von Jülich in den Blick genommen. Das ehemalige herzogliche Schloss in Hambach, die Burg in Engelsdorf und die ehemalige Deutschordenskommende Siersdorf waren Objekte, für deren Erhalt der Förderverein sich vehement einsetzte. Zudem begleitete er die Entwicklung der Jülicher Innenstadt kritisch und bot den Rahmen für die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit den Zeugnissen der Architektur der italienischen Hochrenaissance in Jülich, gipfelnd in der monumentalen Publikation „Das ‚italienische‘ Jülich“ aus dem Jahr 2009. Nicht nur hier war es inzwischen zu einer engen Kooperation mit den anderen Vereinen gekommen, die sich mit der Historie Jülichs beschäftigen, vor allem mit dem Jülicher Geschichtsverein 1923 e.V. Die regelmäßigen Stellungnahmen des Fördervereins zu aktuellen Fragen der Stadtentwicklung Jülichs gefielen nicht jedem, waren aber immer als eine starke Stimme für den sensiblen Umgang mit dem baukulturellen Erbe zu verstehen. Es war gerade dieses Engagement, das mit der Verleihung des Deutschen Preis für Denkmalschutz 2015 durch das Deutsche Nationalkomitee für Denkmalschutz gewürdigt wurde.
Wenn nun der Förderverein Festung Zitadelle Jülich e.V. seine Auflösung beschließt, liegt das vor allem daran, dass es in den vergangenen Jahren nicht gelungen ist, geeigneten Nachwuchs für den Vereinsvorstand zu gewinnen. Das spricht nicht gegen die Themen und Aufgabenstellungen des Fördervereins, sondern ist insbesondere die Folge allgemein erlahmenden Interesses am ehrenamtlichen Engagement in Vereinen. In enger Abstimmung mit dem Jülicher Geschichtsverein 1923 e.V. hat sich daher der Förderverein auf den Weg gemacht, sich aufzulösen, aber einen Teil seiner bisherigen Aktivitäten in Form eines Arbeitskreises im Geschichtsverein fortzuführen. Mit Prof. Dr. Klaus Schneider konnte ein versierter Arbeitskreisleiter gewonnen werden, der sicher auch eigene Akzente setzen wird. Der Geschichtsverein freut sich auf alle Mitglieder des Fördervereins, die in der nächsten Zeit zu ihm finden werden. Und so zeigt sich auch hier wieder, dass jedem Ende ein Anfang innewohnt.


















