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Protest gegen geplante Castorentransporte

Grauer Nieselregen und Wind bestimmten das Wetter am Samstag. Die kleine Gruppe Menschen, viele von ihnen in leuchtend gelben Warnwesten, ließ sich von den widrigen Witterungsverhältnissen nicht bremsen. Zum wiederholten Mal hatte das Aktionsbündnis „Stop Westcastor“ eine Mahnwache organisiert.

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Protestaktion gegen Castorentransporte. Foto: Britta Sylvester
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Um Punkt 14 Uhr am Samstagmittag hatten die rund 20 Aktivisten auf dem Parkplatz an der Aachener Landstraße vor dem sogenannten „Königshäuschen“ ihren Stand samt Plakaten eingerichtet. „Verantwortung kann man nicht outsourcen“ war groß und deutlich auf dem gelben Spruchband über einem Acker voller Atommüllfässer zu lesen. Mit ihrem Protest will die Gruppe auf die bevorstehenden und nun genehmigten Castorentransporte von Jülicher ins „Zwischenlager“ nach Ahaus aufmerksam machen und gleichzeitig ihre Forderung in Richtung Bundes- und Landesregierung erneuern, auf die aus ihrer Sicht gefährlichen sowie unnötigen Transporte zu verzichten.

Sollte auch im vorbeifahren ins Auge fallen. Foto: Britta Sylvester

Im August des letzten Jahres hatte das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung BASE den Transport der 152 Behälter mit radioaktivem Abfall aus dem einstigen Jülicher Versuchsreaktor angeordnet.
Die Jülicher Entsorgungsgesellschaft für Nuklearanlagen (JEN) hatte diese Genehmigung beantragt, um der Anordnung der nordrhein-westfälischen Atomaufsicht zur Räumung des Zwischenlagers in Jülich nachzukommen. Diese Genehmigung gilt befristet bis zum 31. August 2027, gibt angesichts der Menge an Castoren also ein relativ knappes Zeitfenster für die Beförderung vor oder, wie es Dr. Fabian Fahl von der Fraktion Die Linke formuliert: „Das wird sportlich.“ Der Aachener Abgeordnete Fahl hatte einen Antrag gegen die Erteilung der Transportgenehmigung in den Bundestag mit initiiert, der im Dezember abgelehnt worden war.

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Auch der Bund für Umwelt- und Naturschutz e.V. BUND hatte mit einem Eilantrag versucht den Transport der Castoren zu stoppen. Nachdem dieser ebenfalls abgelehnt wurde, hat der BUND Beschwerde gegen diese Entscheidung eingelegt. Darüber ist noch nicht entschieden worden. Und genau hier setzen die Hoffnungen der Aktivisten an. „Wir setzen noch ein bisschen Hoffnung auf die Klage des BUND“, erläutert Marita Boslar vom Aktionsbündnis. Denn je länger sich die gerichtlichen Auseinandersetzungen hinzögen, desto unwahrscheinlicher würden die Transporte. Der Zeitplan sei ja bereits knapp und schon jetzt sicherlich schwierig einzuhalten.

Das Aktionsbündnis „Stop Westcastor“ möchte doch noch die Einrichtung eines Zwischenlagers in Jülich erreichen – eine Option, die aus seiner Sicht nicht ernsthaft verfolgt worden ist. Denn“ hätte man das wirklich gewollt, wäre man doch schon längst aktiv geworden.“ Dass die Castoren ein sicheres Endlager benötigen, stellen die Aktivisten nicht infrage. Sie wollen mit ihren Protesten unter dem Strich erreichen, dass die Behälter nur noch ein einziges Mal transportiert werden müssten. Denn auch Ahaus sei ja nicht der endgültige Bestimmungsort für die radioaktiven Überbleibsel der früheren Atomforschung. So ein Endlager sei sicherlich frühestens in 80 Jahren gefunden, mutmaßt Guido Boslar. „Wir erleben das nicht mehr, aber unsere Kinder.“

Bis dahin werden die Aktivisten sicherlich noch eine Reihe weiterer Proteste „anzetteln“, die nächste Aktion – dann eventuell auf einem Rastplatz entlang der möglichen Transportstrecke – ist bereits angedacht.


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