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Sandra Hüller – Silberner Berliner Bär als beste Darstellerin

In der aktuelle Kinokolumne widmet sich Peer Kling noch einmal dem Thema Berlinale.

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Sandra Hüller als Rose in Rose. Foto: Berlinale | Schubert-Film, Row Pictures, Walker + Worm, Gerald Kerkletz
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Sandra Hüller ist eine Ausnahmeerscheinung und „Wiederholungs(wohl)täterin“. Für den Film, in dem ich sie zum ersten mal sah, „Requiem“ von Hans-Christian Schmid bekam sie vor genau 20 Jahren im Berlinale Wettbewerb schon einmal den Silbernen Bären als beste Darstellerin verliehen. Sie spielte damals als 27jährige in dem auf wahren Begebenheiten basierenden Drama eine junge Frau, die an Epilepsie litt und in Folge dessen zum Exorzismus-Opfer wurde. Für ihre Hauptrolle als Rose im Film „Rose“, wurde sie nun abermals mit dem Silbernen Bären ausgezeichnet. Der Film unter der Regie des 1971 in Wien geborenen Markus Schleinzer hat die gleiche psychologische Tiefe, behandelt aber ein völlig anderes Thema.

Passend zum Weltfrauentag, an dem dieser Text entstanden ist, geht es um eine Frau, die sich im Dreißigjährigen Krieg als Mann verkleidet und zudem als Soldat ausgibt, um zu überleben. Sie, also DER kleine, ruhige Fremde beansprucht nach den Kriegswirren in einem abgelegenen protestantischen Dorf das Erbe eines verlassenen Gehöfts. Er kaut ständig an etwas herum, das an einer Schnur um seinen Hals hängt. Es ist die Kugel, die seine rechte Gesichtshälfte entstellt hat und im Mund „gelandet“ war. Er erweist sich als fleißiger und gottesfürchtiger Mann und wird Teil der Dorfgemeinschaft. Aber bald braut sich ordentlich ´was gegen ihn zusammen. Die Hoffnung auf ein gewaltfreies rechtschaffenes Leben mutiert vom Traum zum Albtraum. Für die ein- und ausdrucksstarken Bilder in Schwarz-Weiß trug Kameramann Gerald Kerkletz die Verantwortung. Der minimalistische Verzicht auf Farbe bewirkt eine stärkere Konzentration auf das Wesentliche in der Bildaussage. Schwarz-Weiß Aufnahmen entfalten eine tiefere emotionale Wirkung.

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Der Film steht und fällt mit Sandra Hüller in dieser außergewöhnlichen Rolle mit starker Symbolkraft. Wir kennen die Mimin als extrem wandelbar in ihren sehr unterschiedlichen Rollen.

In „Toni Erdmann“ (2016) haben wir sie als zielstrebig verbissene Karrierefrau kennengelernt. Im Berlinale Eröffnungsfilm 2018 „In den Gängen“ über die Lebenswelt einfacher Angestellter in einem Hochregallager kümmerte sie sich im Kittel als Marion um die Süßwarenabteilung. In dem französischen Justizdrama „Anatomie eines Falls“ wurde sie in der Hauptrolle des Mordes verdächtigt. In „The Zone of Interest“ verkörpert sie die Ehefrau des KZ-Kommandanten Rudolf Höß, wobei ihre Darstellung von einer erschreckend banalen, kühlen Gleichgültigkeit geprägt ist, während sie ein scheinbar idyllisches Leben direkt neben dem Konzentrationslager Auschwitz führt. Beide Filme brachten ihr für die Oscar Verleihung 2024 je eine Nominierung für ihre Rolle ein, was ja nur bei US-Produktionen bzw. Koproduktionen überhaupt erst möglich ist.

Sandra Hüller lebt als dreiköpfige Familie mit Tochter (* 2011) in den Städten Leipzig und Bochum. Sie ist sehr bestrebt, ihr Privatleben zu schützen. Sandra arbeitet als Dozentin an der Hochschule für Musik und Theater in Leipzig. Nach Abschluss ihres Schauspielstudiums in Berlin spielte die in Thüringen Geborene an Theaternder Städte Jena, Leipzig, Basel, München, Berlin, Hannover, Zürich, Freiburg, Halle und Salzburg. Seit 2018 ist sie dem Schauspielhaus Bochum eng verbunden. Ihre Verkörperung des „Hamlet“ in Bochum gilt als Meilenstein. Ich habe sie dort erlebt, bewundernswert.

Der Kinostart für „Rose“ ist für Do, den 30. April angekündigt.

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Peer Kling, typisches "KFA-Kind", nicht aus der Retorte, aber in der zweiten Volksschulklasse nach Jülich zugezogen, weil der Vater die Stelle als der erste Öffentlichkeitsarbeiter "auf dem Atom" bekam. Peer interessiert sich für fast alles, insbesondere für Kunst, Kino, Katzen, Küche, Komik, Chemie, Chor und Theater. Jährlich eine kleine Urlaubsreise mit M & M, mit Motorrad und Martin.

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