Als das Album „Sign ‘O‘ the Times“ 1987 erschien, war es nicht nur ein Spiegel seiner Zeit, sondern ihr musikalisch sogar voraus. Mit seiner Mischung aus Funk, Pop, Rock, Soul und sogar frühen Hip-Hop-Elementen – was damals im Mainstream-Pop nahezu unvorstellbar war – setzte Prince neue Maßstäbe. Das Album zeigt bis heute, warum er als einer der größten Musiker aller Zeiten gilt.
Gleichzeitig markierte die Platte einen besonderen Wendepunkt in Princes Karriere: Sie war sein erstes Werk nach der Auflösung seiner Band The Revolution im Oktober 1986. Lediglich der Keyboarder Dr. Fink blieb ihm zunächst erhalten. Während Prince auf früheren Alben wie Purple Rain oder Parade noch stark mit einer Band gearbeitet hatte, spielte er auf „Sign ‘O’ the Times“ den Großteil der Instrumente wieder selbst ein – ähnlich wie zu Beginn seiner Karriere Ende der 1970er Jahre. Darüber hinaus vereint das Album Material aus drei zuvor abgebrochenen Projekten: Dream Factory, Camille – ein Konzeptalbum unter einem androgynen Alter Ego – sowie das ursprünglich geplante Dreifachalbum Crystal Ball, das schließlich erst 1998 veröffentlicht wurde.
An vielen Stellen ist das Album bemerkenswert minimalistisch. Ein besonders gutes Beispiel dafür ist der Song „Forever in My Life“. Zu hören sind zunächst nur ein Basslauf und Prince selbst, der sowohl Leadgesang als auch Harmonien übernimmt. Erst gegen Ende treten weitere Instrumente hinzu, wenn eine akustische Gitarre den Song sanft ausklingen lässt. Begleitet wird das Stück von einem Drumcomputer-Rhythmus – etwas, das damals noch eher ungewöhnlich war. Zwar nutzten auch andere Künstler Drumcomputer, doch Prince setzte sie bewusst anders ein, um nicht wie alle anderen zu klingen.
Ein gutes Beispiel dafür ist „Starfish & Coffee“, bei dem die Schlagzeugspuren teilweise rückwärts abgespielt werden. Der Song, der jedoch wohl am meisten heraussticht, ist „If I Was Your Girlfriend“. Hier experimentiert Prince mit sogenanntem Pitch-Shifting, also einer künstlichen Veränderung der Stimme. Dieser Effekt ist heute – besonders im Hip-Hop – kaum noch wegzudenken. Auch inhaltlich war der Song seiner Zeit voraus. Im Kern handelt er von Intimität, Vertrauen und emotionaler Nähe in Beziehungen – besonders von Dingen, die Menschen oft nur ihren engsten Freundinnen erzählen, nicht aber ihrem Partner. Prince stellt darin eine ungewöhnliche Frage: Was wäre, wenn ich nicht dein Freund wäre – sondern deine Freundin? Damit meint er weniger eine tatsächliche Geschlechtsveränderung, sondern eine andere Form emotionaler Nähe. Der Song hinterfragt damit indirekt klassische Rollenbilder in Beziehungen und zeigt einmal mehr, wie sehr Prince nicht nur musikalisch, sondern auch thematisch seiner Zeit voraus war.
Und so bleibt uns Prince mit seiner Musik unvergessen – ein Künstler, dessen Einfluss weit über die Musik hinausstrahlt. Aber wie The Artist “Forever” Known As Prince einmal sang: „Sometimes it snows in April“.



















