Der Verein Eukoba e.V. hat erstmals eine offizielle Qualitätszertifizierung für seine Bildungs- und Schulungsarbeit erhalten. Damit erfüllt die Einrichtung künftig die Voraussetzungen für die Förderung durch das Land Nordrhein-Westfalen und setzt zugleich ein deutliches Zeichen für professionelle Weiterbildung in den Bereichen Inklusion, Pflege und Barrierefreiheit. Im Gespräch erklärt Vereinsgründer Patrick Dohmen, was hinter der Zertifizierung steckt, welche Anforderungen erfüllt werden mussten und welche Projekte der Verein künftig plant.
Die Zertifizierung basiert auf der sogenannten „Lernorientierten Qualitätstestierung in der Weiterbildung“ (LQW) für Kleinstorganisationen. Dahinter verbirgt sich ein umfangreiches Qualitätsmanagementsystem, das Bildungsangebote, interne Abläufe und organisatorische Prozesse überprüft. „Eine Zugangsvoraussetzung, um in die Schulförderung des Landes NRW zu kommen, ist ein sogenanntes Qualitätsmanagementsystem“, erklärt Dohmen. „Das heißt, wir müssen für unsere Schulungen ein Qualitätsmanagement vorlegen und nachweisen.“ Für den Verein bedeutete das monatelange Arbeit. In einem rund 60-seitigen Selbstreport wurden sämtliche Prozesse dokumentiert – von der Organisation der Schulungen bis hin zum Beschwerdemanagement. Auch Ziele für die kommenden vier Jahre mussten festgelegt werden. Danach folgt eine Rezertifizierung, bei der überprüft wird, ob diese Ziele erreicht wurden. „Wir haben ganz neu angefangen. Es gab ja nichts vorher“, sagt Dohmen. „Und deshalb sind wir natürlich stolz darauf, dass wir das aus dem Stegreif direkt geschafft haben.“
Die Zertifizierung gilt für vier Jahre und betrifft insbesondere die Bildungsangebote des Vereins zu den Themen Migration, Inklusion und Behinderung. Ziel des Qualitätsmanagements sei es laut Dohmen vor allem, einheitliche Standards zu schaffen – unabhängig davon, welcher Dozent unterrichtet oder an welchem Standort die Schulung stattfindet.
Neben der Zertifizierung sorgt derzeit noch eine weitere Entwicklung für Aufmerksamkeit: Die sogenannte Lernwohnung im AWO-Zentrum wird künftig die einzige ihrer Art in Deutschland sein so Dohmen. „Die Schulung, so wie du sie hier siehst, mit dieser Wohnung hier im AWO-Zentrum, ist einmalig in Deutschland“, betont Dohmen. Die Lernwohnung dient als praxisnaher Schulungsort für Pflegekräfte, Ärzte und Mitarbeitende im Gesundheitswesen. Dort werden Alltagssituationen simuliert, um den Umgang mit älteren Menschen oder Menschen mit Behinderung besser zu verstehen. Bereits zuvor hatte Eukoba mit dem sogenannten „Lernladen“ in Aachen Schulungen für Mitarbeitende und Auszubildende aus dem Einzelhandel angeboten. Künftig sollen die Angebote weiter ausgebaut werden – unter anderem im Bereich kultursensible Pflege und Migration. Geplant sind zusätzliche Schulungen zu Fremdsprachen und kulturellen Besonderheiten im Pflegealltag. „Inklusion heißt eine Gesellschaft für alle“, erklärt Dohmen. „Da geht es nicht nur um Schule oder Rollstuhlfahrer, sondern auch um Senioren, Menschen mit Migrationsgeschichte oder Familien mit Kindern.“
Der Verein versteht sich seit seiner Gründung im Jahr 2003 als Kompetenzzentrum für Barrierefreiheit und Inklusion. Neben Schulungen berät Eukoba auch Unternehmen, Kommunen und Einrichtungen bei der Umsetzung barrierefreier Gebäude und Dienstleistungen. Zudem vergibt der Verein ein eigenes europäisches Gütesiegel für Barrierefreiheit. An Projekten wie dem Tivoli in Aachen oder Vogelsang in der Eifel war der Verein bereits beratend beteiligt.
Auch für die Zukunft hat Eukoba weitere Pläne: Aktuell arbeitet der Verein an einem mobilen Pflegezimmer, das landesweit für Schulungen eingesetzt werden soll. Dafür soll eine ehemalige Sanitätsstation umgebaut werden.



















