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Neue Sicht aufs Selbstverständliche

Jeden Morgen erst mal die neusten Nachrichten lesen – das ist für viele eine Selbstverständlichkeit, die eigentlich gar nicht so selbstverständlich ist. Die neue Ausstellung „Lesen und Schreiben – Türen zum Leben“ in der VHS Jülicher Land zeigt, wie hoch der Anteil gering literalisierter Menschen in der Deutschen Bevölkerung ist. Und in wie vielen alltäglichen Lebensbereichen die betroffenen Menschen aus diesem Grund eingeschränkt sind.

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Hindernis auch beim Online-Dating: Lesen und Schreiben. Foto: Ariane Schenk
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Dem Kind vorlesen, auf dem Smartphone Tickets buchen oder Nebenwirkungen im Beipackzettel prüfen – Alltagserlebnisse würde man meinen. Das gilt jedoch bei weitem nicht für alle Menschen: In einer aktuellen Ausstellung im Foyer der VHS ist zu erfahren, dass 6,2 Millionen Erwachsene zwischen 18 und 64 Jahren „gering literalisiert“ sind. Das bedeutet, dass sie keine bis einzelne Wörter oder Sätze lesen und schreiben können, in letztem Falle aber Probleme mit längeren Texten haben.

Man möchte beim Besuch meinen, dass gleich mehrere Zielgruppen mit der Ausstellung angesprochen werden sollen. Es treffen nüchterne Zahlen auf Perspektivwechsel und fast schon werberische Gründe, warum es für einen selbst so wichtig ist, lesen und schreiben zu lernen. Damit bietet die kleine Ausstellung etwa 15 Minuten Beschäftigung mit dem Thema aus unterschiedlichen Betrachtungsweisen.

Einblick in die Ausstellung. Foto: Ariane Schenk
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Es ist ein Auseinandersetzen und ein Hineinversetzen. Auf Bildern an der Wand sind mögliche Gedanken von Menschen mit Lese- und Schreibproblemen zu sehen. Etwa mit dem Bedenken, dass man gar nicht mit Online-Dating anfangen brauche, da man dort vorrangig mit Chats – also Schrift – agiert. Oder dass man verstehe, dass ein „1-Euro-Handy“ einen Vertrag mit sich bringt und was darin steht.

Ungefähr 15 Minuten dauert es, die kleine, aber feine Ausstellung am Aachener Tor abzuschreiten und alle Informationen ausgiebig zu studieren – gehört man zu dem Bevölkerungsanteil, der sicher lesen und schreiben kann. Dabei hallt allerdings das Verständnis für seine Mitmenschen länger nach.

Das Material der Kampagne „Lesen und Schreiben öffnet Welten“ des Bundesministeriums Familie, Senioren, Frauen und Jugend wurde mit einer kleinen Fotoausstellung „Lebenswelten gering Literalisierter“ des Bundesverbands Alphabetisierung und Grundbildung verknüpft. Die Mischung bildet einen guten Einstieg ins Thema – unabhängig davon, ob man selbst betroffen ist oder nicht.

Die Ausstellung kann noch bis zum 17. September immer zu den Öffnungszeiten der VHS Jülicher Land, üblicherweise von Montag bis Donnerstag zwischen 8.30 und 18 Uhr, besichtigt werden. Sie befindet sich im Foyer des Gebäudes im Forum am Aachener Tor, Am Aachener Tor 16.

Das kostenlose und anonyme ALFA-Telefon (0800 / 53 33 44 55) sowie das VHS-Lernportal (vhs-lernportal.de) stehen zur Verfügung, falls man selbst betroffen ist oder jemanden kennt, der oder die Hilfe annehmen möchte.


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