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Himmlischer Spaß mit Tod und Teufel

Wenn in der Hölle Schlager läuft – und an der Rezeption des Himmels Windows 95: Bei der Premiere von „Halleluja – Wenn am Himmelstor die Technik streikt“ der Gesellschaft Frohsinn Stetternich ging es drunter und drüber.

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Janet (Anna Rohowsky) und Ingeborg (Martyna Pelzer) im ständigen Clinch, dem auch der Dämon (Meinhard Bock) keinen Einhalt gebieten kann. Foto: Ariane Schenk
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„Mitte Oktober ist aber auch ’ne blöde Zeit“, schimpft Petra (Eva Boensch) – denn „Petrus“ ist eigentlich ein blöder Schreibfehler. Damit meint sie die für sie wenigen „spannenden“ Todesfälle in der Spanne zwischen Sommer-Draußenzeit und Glatteis. Für die Gesellschaft Frohsinn Stetternich wird dieser Oktober allerdings positiv zu verbuchen sein: Alle fünf Veranstaltungen der Lieder- und Theaterabende von „Halleluja – Wenn am Himmelstor die Technik streikt“ sind ausverkauft.

Und trotz der „schwierigen“ Zeit für die Rezeption sind es lauter schräge Typen, die an der Himmelspforte aufeinandertreffen. Da schließen sich eben eine erschossene Geschäftsführerin Janet mit zwielichtigen Geschäften (Anna Rohowsky) mit dem italienischen Restaurantbesitzer Francesco (Sascha Maßmann) zusammen, auf den sein Schutzengel etwas zu wenig aufgepasst hat.

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Währenddessen bändelt die gottesfromme ältere Dame Ingeborg (Martyna Pelzer) mit dem Volksmusik-Fan und Herrn der Finsternis Luzifer (Thilo Küper) an. Und dann auch noch eine trinkfeste Polin, die durchgängig auf ihrer Landessprache redet, doch dabei aufgrund großen Gestenspiels stets verständlich bleibt (Adriane Kayser), und alles durcheinander wirbelt.

Warum treffen sie überhaupt aufeinander? Grund ist das Computerprogramm mit dem SüK, dem Sünden-Koeffizienten, der die Toten in Himmel und Hölle einteilt. Das streikt leider. Und der herbeigerufene Programmvater, Mathematiker Adalbert (Maik Boltes), muss erst seinen immer neuen Eingebungen über die Welt nachgehen, statt konzentriert das Problem zu beheben.

Glück für das Publikum, denn so kommt es zu jeder Menge Kontraste, die bei einem solchen Aufeinandertreffen im Jenseits eben entstehen – etwa die überraschend enge Freundschaft eines Engels (Harald Goder) mit einem Dämon (Meinhard Bock). Und vielleicht, so fragen sich manche Figuren, entkommt man dank dieses Aufschubs ja doch seinem Schicksal?

Unterhaltsam führt das Ensemble durch den Abend, der die fast drei Stunden Spielzeit kurzweilig füllt. Zackig geht es von Story zu Pointe, und die Bühne ist mit Hintergrundspiel stets gut gefüllt. Beispielsweise wenn der „op Platt“ parlierende Engel im Vordergrund Anweisungen gibt, während der Azubi-Engel (Lotta Küper) im Hintergrund Besseres zu tun hat, als die Aufgaben zu erfüllen: Selfie-Time!

Auflockerung erhält das Stück außerdem durch die vielen weiteren kurzen Nebenrollen: der Technik-Engel, gespielt von Pia Bremter, der für sein Team den Computer retten soll – denn am 7. Tage ruht Gott und somit auch die EDV. Der verstorbene Hippie, noch im Jenseits high, dessen Schauspieler Holger Bagusat auch für die Co-Regie verantwortlich zeichnet, und die alte, aufgebrachte Dame, die eine überzeugende Cameo-Rolle für Regisseurin Angelika Ponten ist. Oder auch die in sich schon lustige Doppelbesetzung von David Weiler, der sowohl einen freudigen Satanisten als auch Jesus launig darstellt.

Es wundert wenig, dass die jährlichen Abende stets in kürzester Zeit ausverkauft sind. Präzise Besetzung der Figuren trifft überzeugendes Spiel der Menschen auf der Bühne und lokale Verortung: Man denke nur an die „Satanisten-Gesellschaft Ellbach-Rur“. Dass das gut ankommt, merkte man direkt zu Beginn. Es reichten schon die ersten Worte, ein einfaches „Nää, nää, nää“, um dem Publikum ein Lachen zu entlocken.

Eine bemerkenswerte Idee war auch, übriggebliebene Hintergrundfragen nach der Aufführung per Video zu klären. Inklusive „Post Credit-Scene“, wie man es im Film nennen würde. Ebenso bemerkenswert: Trotz Länge des Stücks und Premieren-Situation hatte Souffleurin Elvira Boltes vergleichsweise wenig zu tun.

Die Einstimmung in den Abend gaben der „Männerchor“ der Gesellschaft Frohsinn und Frauenchor „Tonalita“ – letzterer diesmal ohne Chorleiter Christof Rück, dafür beide durchgängig mit Christian Werres am Klavier. Fand man sich nach dem musikalischen Fortsegeln der Herren und den „Glitzertexten“ der Damen schließlich mit „Halleluja“ von Brings thematisch beim Theaterstück. Doch nicht ohne für die ehemaligen Chorleitungen Heinz-Peter Schiffer und Inge Duwe im Publikum eine Zugabe mit dem dazu passenden „You Raise Me Up“ zu geben.

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