Die Begeisterung ist geblieben, die Anforderungen sind gewachsen. Dem HERZOG hat Leiter Swen Henseler erklärt, wie sich durch die Ausnahmesituation „Hochwasser 2021“ die Arbeit in der Feuerwehr Jülich verändert hat.
Führungsstrukturen wurden erweitert, Ausbildungsinhalte angepasst und die Zusammenarbeit mit anderen Hilfsorganisationen weiter vertieft, zählt Swen Henseler auf. Im Rathaus ist inzwischen eine Feuerwehreinsatzzentrale für großflächige Schadenslagen eingerichtet.
Eine solche Zentrale gab es bereits auf der alten Feuerwache, aber die heutigen Räume im Keller des Rathauses bieten einen festen Anlaufpunkt, von dem aus Führungskräfte etwa bei Sturm oder Hochwasser die Einsätze im Stadtgebiet koordinieren können.
In einem gemeinsamen Arbeitskreis stimmen sich Feuerwehr, THW, weitere Hilfsorganisationen, Polizei, Verwaltung und andere Beteiligte ab. Unter Federführung des Wasserverbandes Eifel-Rur entstand beispielsweise ein Notfallsicherungskonzept für die Jülicher Deichanlagen.
Wo muss verstärkt, welches Material beschafft werden? Solche Fragen sollen vor der nächsten Flut geklärt sein. Vollständigen Schutz könne allerdings auch gute Vorbereitung nicht garantieren, macht Henseler deutlich.
Weil aber Übungen für den Ernstfall wichtig sind, ist jetzt für die letzte Februarwoche 2027 unter Federführung des THW eine 72-Stunden-Übung in Jülich geplant. Das Szenario: drei Tage ohne Strom. Löschgruppen wollen sich beteiligen.
Erprobt werden sollen unter anderem Funkkommunikation, Schichtbetrieb und die dauerhafte Besetzung der Notfallmeldestellen. Ob auch der städtische Stab für außergewöhnliche Ereignisse eingebunden wird, muss noch abgestimmt werden.
Die wachsenden Aufgaben lasten wesentlich auf dem Ehrenamt. Etwa 430 Mitglieder zählt die Wehr über alle Abteilungen hinweg. Um neue Kräfte wirbt sie mit persönlicher Ansprache, Werbung und Vergünstigungen.
Doch Ausbildung, Prüfungen und Einsätze brauchen Zeit und Rückhalt in Familie und Freundeskreis. Fehlalarme durch Brandmeldeanlagen belasten die Freiwilligen zusätzlich: Sie verlassen ihren Arbeitsplatz, ohne dass vor Ort tatsächlich Hilfe gebraucht wird. Bei der Kinderfeuerwehr ist das Interesse riesig; zusätzliche Plätze scheitern an fehlenden Betreuungskräften.
Henseler wünscht sich zugleich mehr Eigenverantwortung. Nicht jedes kleine Hindernis müsse einen Feuerwehreinsatz auslösen. Bei Unwettern müsse die Wehr außerdem priorisieren: Ein Zentimeter Wasser im Keller sei anders zu bewerten als ein Meter beim Nachbarn.
Mut macht ihm eine Informationsveranstaltung zu einer Hochwasserschutzbarriere. Dort hätten Bürger selbst betont, mit anpacken zu müssen. Für Henseler zählt dieses Miteinander: zwischen Hilfsorganisationen, Verwaltung und Menschen vor Ort.
Die neue Feuerwache
Auch räumlich stellt sich die Jülicher Feuerwehr neu auf: Für die neue Feuerwache an der Römerstraße läuft die letzte Phase des europaweiten Vergabeverfahrens. Mit den verbliebenen Generalunternehmen wird verhandelt, anschließend werden die finalen Angebote erwartet.
In der letzten Sitzungsrunde von Ausschuss und Rat im Dezember soll die Vergabe beschlossen werden. Der Auftrag könnte dann Anfang Januar 2027 erteilt werden. Die Unternehmen rechnen mit rund zwei Jahren Bauzeit.
Geplant sind eine Fahrzeughalle, ein zweigeschossiges Hauptgebäude, Werkstätten sowie ein rund 25 Meter hoher Übungsturm mit Übungshof. Auch die Löschgruppe Lich-Steinstraß soll hier einziehen und eine rückwärtige Anbindung erhalten.
Für den städtischen Stab für außergewöhnliche Ereignisse, kurz SAE, sind ebenfalls Räume vorgesehen. Eine Netzersatzanlage soll den Betrieb bei Stromausfall für drei Tage sichern.
Der Neubau berücksichtigt zudem einen künftig höheren Personalbedarf, etwa durch das Wachstum Jülichs und des Brainergy Parks. Er ist auf eine personelle Aufstockung vorbereitet, falls der Brandschutzbedarfsplan oder die Ausnahmegenehmigung für die personelle Aufstellung der Wehr geändert werden. Der Standort Lorsbecker Straße bleibt als Gerätehaus für die Löschgruppe Stadtmitte erhalten.





















