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Das eigene Fleckchen Erde

Auf sage und schreibe 90.000 Quadratmetern wird im Kleingartenverein Nordpolder e.V. gegärtnert. Und das bereits seit 1984, denn damals sind die Kleingärtner aus der bisherigen Bleibe an der Victor-Gollancz-Straße auf das heutige Vereinsgelände zwischen Linnicher Straße auf der einen und Rurufer auf der anderen Seite umgezogen.

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Ein Aushängeschild des Kleingartenvereins Nordpolder. Foto: Britta Sylvester
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Ins Leben gerufen wurde der Verein allerdings bereits einige Jahre zuvor, nämlich am 1. August 1966. Eine, die von Anfang an dabei ist, ist Erika Hoffmann. Als erste Vorsitzende führt sie die Geschicke des Vereins, das Amt ihres Stellvertreters liegt in den Händen von Laurenz Cremer.

Bei genauerer Betrachtung sind es übrigens nicht die gesamten 90.000 Quadratmeter, auf denen Obst, Gemüse, Büsche, Bäume und Blumen wachsen dürfen. Exakt 167 einzelne Parzellen, jede davon mit einer Größe von rund 300 Quadratmetern, werden von den Kleingärtnern bewirtschaftet. 75 Euro Pacht bezahlt jeder von ihnen dafür im Jahr, erläutert Kassiererin Heike Geicke.

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Wer einen Kleingarten samt Laube im Jülicher Nordpolder sein Eigen nennt, darf sich glücklich schätzen, denn die Warteliste für ein Plätzchen im Grünen ist lang – im Moment. Das sah noch vor nicht allzu langer Zeit deutlich anders aus, berichten die Vorständler. Noch vor zwei Jahren suchte der Verein quasi nach neuen Mietern. Doch dann breitete sich die Corona-Epidemie immer weiter aus. Und offenbar wuchs damit die Sehnsucht nach einem Stückchen Land im Grünen. „Kein Wunder, wenn man in einer Wohnung ohne Garten wohnen muss und dann auch noch Kinder hat“, ist sich der Vorstand einig.

Überhaupt sind für viele Gärtner die Kinder der wohl wichtigste Grund für einen eigenen Kleingarten: „Wir haben viele junge Familien hier.“ Und nicht nur die wissen den großen Spielplatz der Anlage zu schätzen, auch Besucher von auswärts, Spaziergänger und Radler kommen gerne auf eine Visite in die Gartenanlage. Denn: Auch wenn Kleingartenverein am Tor steht, das Gelände ist eine öffentlich zugängliche Grünanlage und von der Stadt Jülich als Naherholungsgebiet ausgewiesen. Jeder interessierte Gast ist denn auch gerne willkommen und darf über das ausgedehnte Wegenetz durch den öffentlichen Teil des Gartens – der immerhin auch stolze 30.000 Quadratmeter groß ist – flanieren. Genauso öffentlich und ebenfalls ein gern genutzter Treffpunkt ist das Vereinsheim mit seiner großen Terrasse, auf der sich im Sommer ganz wunderbar, mit leckeren Getränken bestens versorgt, entspannen lässt. Soweit jedenfalls die Erinnerung des versammelten Vorstands an bessere Zeiten – vor Corona eben.

Vor dem Kaminfeuer aber mit Abstand, der Vorstand des Kleingartenvereins (v.l.n.r.): Kassiererin Heike Geicke, Vorsitzende Erika Hoffmann, ihr Stellvertreter Laurenz Cremer und der Ansprechpartner für die Wege-Beauftragten Norbert Weisbrod. Foto: Britta Sylvester

Doch die pandemiebedingte Schließung von Vereinsheim und angrenzendem „Vermietungsraum“, der üblicherweise quasi jedes Wochenende für private Feiern genutzt und ausgebucht war, haben die fleißigen Gärtner gut genutzt und alles renoviert. „Das war alles ein wenig veraltet, 70er Jahre-Charme“, schmunzelt Heike Geicke. Doch nun gibt es neue Möbel, Wand und Decke haben ebenfalls ein neues Äußeres, und sogar ein Ofen sorgt für wohlige Wärme bei den dienstäglichen Vorstandstreffen.

Wer eine der Nordpolder-Parzellen mieten möchte, muss zunächst ein wenig Papierkram erledigen. Sich für die Warteliste eintragen und einen Wunsch-Garten aussuchen geht allerdings auch bequem online über die Internetseite des Vereins. Bevor der neue Mieter auf seiner Parzelle einziehen darf, muss er oder sie zunächst eine Abschlagszahlung an den Vormieter leisten. Wie hoch diese ist, wird von Fachleuten eines befreundeten Kleingartenvereins aus Düren geschätzt und ist abhängig zum Beispiel von Größe und Ausstattung der Laube.

Ist dieser Teil erledigt, bekommt das neue Mitglied ein umfangreiches Schreiben mit den wichtigsten Informationen. Dort steht zum Beispiel zu lesen, dass Laube und Rasenfläche maximal ein Drittel der Parzellenfläche einnehmen dürfen. Der andere Teil des Gartens ist dem Anbau von Obst, Gemüse, Blumen und Kräutern vorbehalten. Auch ein Gewächshaus darf auf dem Gelände stehen, größer als zehn Quadratmeter soll es jedoch nicht sein. Die erlaubte Höhe kann in dem Info-Schreiben ebenfalls nachgelesen werden. Ausgedacht haben sich diese Vorschriften übrigens nicht etwa die Jülicher Kleingärtner, vielmehr entstammen sie dem Bundeskleingartengesetz.

Für das Jubiläumsjahr haben die Nordpolder-Gärtner nachvollziehbarerweise vor allem einen Wunsch: dass die Corona bedingten Vorschriften und Einschränkungen endlich ein Ende finden, sie ihr Jubiläum gebührend feiern dürfen und bald wieder Gäste das Vereinsheim bevölkern. Ein paar andere Dinge stehen aber auch auf der „Wunschliste“, denn das Vereinsleben hält keineswegs immer nur eitel Sonnenschein bereit. Der Vorstand konstatiert, dass leider einzelne Vereinsmitglieder sich nicht mit allen Regelungen und Vorschriften anfreunden können. Auch über Respektlosigkeit und Beschimpfungen ärgern sich die Vorstandsmitglieder.

Die Möglichkeit von Abmahnungen und Kündigungen hat der Vorstand allerdings noch nicht genutzt, denn „wir sind der Meinung, jeder sollte die Chance auf einen Garten haben“, betont die Vorsitzende. Und dann fällt ihr abschließend doch noch ein weiterer Wunsch für die Zukunft ein und formuliert, dass ein wenig mehr Engagement seitens aller Vereinsmitglieder schön wäre, denn das Gemeinschaftsgefühl sei schon ein wenig „den Bach runter gegangen“. Vielleicht ändert sich das von alleine, wenn der Kleingartenverein Nordpolder zu seinem 55-jährigen Bestehen noch einmal an einem Wettbewerb teilnimmt wie geplant. Die Teilnahme am „Landeswettbewerb Kleingartenanlagen in Nordrhein-Westfalen“, ausgeschrieben vom Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur und Verbraucherschutz, ist zumindest in Planung…

Mehr über den Verein unter www.kgv-juelich.de oder www.nordpolder.de


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