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Einst vor den Mauern

Der evangelische Friedhof an der Düsseldorfer Straße war bis zu seiner Entwidmung der älteste Friedhof der Stadt. Er wurde 1622 von der reformierten Gemeinde angelegt. Jetzt entsteht auf diesem Grund der Neubau der Verwaltung des Kirchenkreises Jülich.

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Der gemeinsam genutzte Friedhof auf einem Grundrissplan von Jülich aus dem Jahr 1763. Quelle: ohann Herbert von Douwe, Museum Zitadelle Jülich, Inv.-Nr. 2018-0230
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Begonnen hat alles mit einem Konflikt: Die noch jungen evangelischen Gemeinden – die lutherische und die reformierte Gemeinde wurden beiden 1610 gegründet – bestatteten ihre Verstorbenen zunächst auf dem katholischen Friedhof. Es kam dabei aber immer wieder zu Reibereien: Die Leichenpredigten wurden von beiden Seiten dazu verwandt, die Zuhörer gegen die jeweils andere Konfession aufzuwiegeln. Deshalb mussten schon ab 1612 die Leichenpredigten aller Konfessionen in den Kirchen gehalten werden.

1622, und damit nicht zufällig kurz nach der Einnahme der Stadt durch die katholischen Spanier, wurden die beiden evangelischen Gemeinden dazu verpflichtet, ihre Friedhöfe außerhalb der Stadtmauern anzulegen. Die reformierte Gemeinde legte ihren Friedhof im Norden der Stadt vor der „Düsseldorfer Pforte“ an, die Lutheraner in einem Garten außerhalb der Cölner Pforten. Wo genau sich der lutherische Friedhof befunden hat, können wir heute nicht mehr sagen, allerdings fanden sich 1989 beim Bau eines an der Kölnstraße liegenden Geschäftshauses zur Großen Rurstraße hin Reste mehrerer Körperbestattungen. Die überlieferte Beschreibung der Lage würde auf die gemachten Grabfunde zutreffen.

Friedhofsordnung von 1878. Quelle: Jülicher Kreis, Correspondenz- und Wochenblatt v. 3.7.1878
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Seit wann der reformierte Friedhof beiden evangelischen Konfessionen als Begräbnisstätte diente, wissen wir nicht genau. Eine Karte aus dem Jahr 1763 bezeichnet ihn schon als Friedhof beider Konfessionen. Nach dem Neubau der Christuskirche 1910 wurde das ehemalige Portal der alten reformierten Kirche um 1920 in eine neu geschaffene Ziegelmauer als Eingangstor zum Friedhof integriert.

Schon seit den 1950er Jahren war der evangelische Friedhof zu klein geworden. Er war voll belegt, und nicht alle Evangelischen konnten hier bestattet werden. Sie mussten auf den Kommunalfriedhof auf der Merscher Höhe ausweichen. 1974 beschloss das Presbyterium aus finanziellen Gründen, den Friedhof an die Stadt zu verkaufen. Die eingesparten Kosten sollten bei der Finanzierung des damals geplanten Dietrich-Bonhoeffer-Hauses helfen.

Das letzte Begräbnis fand am 21. März 1975 statt. Seit Oktober 2005 ist das Gelände entwidmet. Viele Toten wurden auf den Kommunalen Friedhof umgebettet, aber bis zum Bau des Evangelischen Verwaltungsamtes waren auch noch zahlreiche Grabsteine vorhanden. Nach dessen Fertigstellung sollen die gut erhaltenen Grabsteine auf dem Außengelände ihren Platz finden. Und auch das Barockportal der reformierten Kirche kommt wieder zu Ehren: Es wird vor dem Verwaltungsbau stehen und an die lange Tradition dieser Begräbnisstätte erinnern.

Mehr hierzu unter Evangelischer Friedhof im Jahr 2005


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